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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 24

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 K. C.-Blätter durch einen edlen Reisenden verscheucht. Nachher werden bei dem Vogt des Gutsbesitzers die Iudenbärte gefunden, während der edle und mutige Reisende sich als Jude vorstellt. — Für den nachdenklichen Leser oder Zuschauer erhebt sich nun die Frage: warum legen sich die Räuber ausgerechnet Iudenbärte zu? Darauf kann es nur eine Antwort geben: weil die Räuberei damals zwar nicht gerade ein Monopol, aber doch eine gern geübte Beschäftigung der Juden war." Es ist auch nicht gleichgültig, welchem Werk eine Belegstelle entnommen wird; denn es ist doch schon kennzeichnend, daß aus dem umfangreichen Schaffen Grillparzers ein sechszeiliges Epigramm herausgegriffen ist: der Teufel bildet einen Mörder aus allerlei schlechten Eigenschaften und ruft ihm zu: „Lump, werd ein Iud' und rezensiere!" Das richtet sich gegen den wahrlich nicht sympathischen Saphir und nicht gegen das Judentum. Bei Grillparzer könnte man eher an die Gestalten der „Jüdin von Toledo" denken, doch steht hier Rahe! und ihrem Vater die edle Esther gegenüber, es finden sich Verse wie: „Ich selber lieb' es nicht, dies Volk, doch weiß ich, was sie verunziert, es ist unser Werk." „Wir kreuz'gen täglich zehnmal den Herrn durch unsere Sünden, unsre Missetaten, und jene haben's einmal nur getan." Das Drama klingt in einem vorsöhnenden Wort Esthers aus. In dem Fragment „Esther" ist der stolze Mardochai ein fanatischer Verfechter des jüdischen Nationalismus, während Esther, die sich in ihrer schlichten stillen Reinheit und Seelengröße den schönsten Frauengestalten des Dichters anreiht, den toleranten Standpunkt Grillparzers vertritt. Aus den vier stattlichen Gedichtbänden Hoffmanns von Fallersleben wird ein Gedicht herausgeholt, das bei Fritsch die Ueberschrift „An Israel" statt der ursprünglichen „Emanzipation" trägt; der Dichter wirft den Juden Wucher, Lug und Trug vor und schließt: „Willst du von diesem Gott nicht lassen, nie öffnet Deutschland dir sein Ohr! Willst du nicht deine Knechtschaft hassen, nie ziehst du durch der Freiheit Tor." Man sieht, er ist kein bedingungsloser Gegner der Emanzipation. In die gleiche Richtung weist ein ungefähr gleichzeitig entstandenes Gedicht „Israel" mit der Schlußstrophe: „Kein Messias kann dich retten, Aber Gott erbarmet sich Und erweckt durch deine Leiden Lieb' in Christen und in Heiden, Und die Liebe rettet dich." Man darf auch nicht übersehen, in welchem Lichte die Juden in einem Dichtwerk neben den Nichtjuden stehen; man vergleiche mit diesen Versen, wie heftig Hosfmann etwa Königtum, Adel, Beamte und Militär angreift; das brachte ihm den Verlust seiner Professur ein,

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