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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 23

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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K. C.-Blätter 23 so ist man erstaunt, wie wenig da zusammengebracht ist: von Goethe ein paar Verse aus dem Iahrmarktsfest zu Plundersweilen und einige Bemerkungen aus dem Wilhelm Meister, je ein Gedicht von Hoffmann von Fallersleben und Dingelstedt, ein Epigramm von Grillparzer, vier Romane von Freytag, Glaubrecht (Pseudonym für Oeser), Raabe und Polenz. Wieviele bedeutende Namen fehlen und wie weit sind die Belege hergeholt l Dazu verlieren diese Beispiele noch an Wert, wenn man sie sich genauer ansieht, was Zugleich einen Einblick in die Kampfmethoden der Antisemiten gewährt. Der Sinn eines Zitates kann völlig verkehrt werden, wenn man es aus dem nötigen Zusammenhang reißt oder gar einen Teil wegläßt; die Aeußerung der Gestalt eines Dichters gibt noch längst nicht dessen Meinung wieder, unter Umständen will der Dichter gerade diese Ansicht als falsch bekämpfen. Goethe läßt in dem Jahrmarktsspiel von Esther den Haman sagen: „ sie haben einen Glauben, der sie berechtigt, die Fremden zu berauben.... Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr, er weiß mit leichter Müh und ohne viel zu wagen durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen" usw. Dazu gehört aber die Erwiderung des Königs: „Doch das tun andere mehr, die unbeschnitten sind." Die anklagenden Worte spricht Haman, ein Judenfeind, eine komische Figur. Das Spiel ist parodisch, in altmodischen Alexandrinern, nach Goethes Angabe eine Sammlung von Epigrammen, mit der Gestalt Hamans wird ein zeitgenössischer Theologe verspottet. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren wird angeführt: „Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt, wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal vorgeworfen haben; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker...." Die drei Punkte verschweigen, was folgt: „aber an Selbständigkeit, Festigkeit und Tapferkeit, und wenn alles das nicht mehr gilt, an Zäheit sucht es seinesgleichen. Es ist das beharrlichste Volk, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen. Wir haben es daher als Musterbild aufgestellt, als Hauptbild, dem die andern nur zum Rahmen dienen." Auf dieselbe Weise werden auch Herder und Schiller als Judenfeinde abgestempelt (durch Zitate, die nicht dem Bereich der Dichtung angehören), ein unsinniges Unterfangen bei diesen Vorkämpfern des Humanitätsgedankens. Man lese die Zitate nur im Zusammenhang nach! Wie man durch Umdeutung den Sinn einer Dichtung ins Gegenteil verkehrt, zeigt folgende Auslegung Zimmermanns in Fritschs Handbuch: „Lessing hat ein kleines Lustspiel „Die Juden" geschrieben. Es wird nie oder selten aufgeführt, obwohl Lessing darin, wie ja auch sonst in seinen Schriften, für das Judentum eintritt. Die Aufführung könnte nämlich eigentümliche Gedanken bei dem Zuschauer erwecken: Ein wohlhabender Gutsbesitzer wird von zwei Räubern überfallen. Diese, die Iudenbärte tragen, werden aber

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