KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 K. C.-Blätter trennt, nicht in der Lage, auch nur die geringsten Ansprüche auf deutsche Sitten zu machen. Wir haben mit einem Worte mit den Deutschen gar nichts zu tun." Ersichtlich verallgemeinert der, der mich mit diesem Zitat widerlegen will. Aber er verallgemeinert nur darum, weil schon der jüdische Nationalist zu Unrecht verallgemeinerte und „Wir Juden" sagt, wo er nur „Wir völkischen Juden" sagen durfte. Diesem Unrecht der Verallgemeinerung entgegenzutreten, ist eine zentrale Aufgabe der Aufklärung und Verständigung. Mit sehr viel größerem Nachdruck, sehr viel mehr Entschiedenheit und lebendiger Plastik als bisher wird ins Volksbewußtsein die Tatsache zu leiten sein, daß es zwei Erlebnistypen der Juden in Deutschland gibt: Denjenigen, dessen unlösliches Heimaterlebnis Deutschland heißt und den, dessen Heimaterlebnis Palästina heißt. Und wenn diese Klärung vollzogen ist, dann werden sehr viel mehr Menschen bereit sein zu bekennen, daß diejenigen Juden, die an der deutschen Heimat sesthalten, trotz allen Anfeindungen und trotz allen Unrechtes, das ihnen diese Heimat bereitet hat, in einem tieferen, erprobteren, leidbewährterem Sinne Deutsche sind, als Millionen Nichtjuden, die diese Leidbewährung niemals zu bestehen hatten. Ein Wort wie das bekannte C. Z. Klötzels von dem „erhabenen Haß aller Juden gegen alles Nichtjüdische" stößt Tausende zurück, die im Gewissen bereit sind, gegen den Antisemitismus aufzustehen. Es hält sie zurück. Es treibt sie in die Reserve des Mißtrauens hinein. Und wenn tausendmal die Nationalisten erklären, Schriftsteller wie Klötzel oder Klatzkin seien Außenseiter, die nicht die wirkliche Tendenz des Nationalismus repräsentieren, so bedeutet das wenig; denn ein Blick in die Methode und Terminologie der nationalistischen Propaganda zeigt, daß die „Außenseiter" nur mit voller Konsequenz aussprechen, was diplomatischere Köpfe verhüllter sagen. Gerade die konsequenten, unverhüllten Worte aber werden volkstümlich. Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß sie — schon durch die Bücher Hans Günthers, die ausgiebig Gebrauch von ihnen machen — bereits Allgemeingut der Primaner zu werden beginnen; besser kann man den Antisemitismus nicht fördern, als dadurch, daß man die Grundthese von der Undeutschheit der Juden von jüdischer Seite selbst bestätigen läßt. Aber das Wort von Ludwig Haas, daß ihm die Cedern des Libanon niemals die Tannen des Schwarzwaldes ersetzen könnten, ein Wort von ergreifender Bildhaftigkeit, von wahrhaft volkstümlicher Prägung — das schläft, das kommt nicht in Umlauf. Ich habe es in K. C.-Blättern gefunden. Nun Hab' ich es, nun kann ich es auch in Umlauf bringen und mit ihm drastisch illustrieren, daß der Nationalismus nicht das Judentum repräsentiert, sondern daß es neben der nationalistischen Schicht die ganz andere Erlebnisschicht derjenigen Juden gibt, die Deutsche sind, weil sie nichts anderes sein können — weil sie den Schwarzwald nicht mit dem Libanon vertauschen können. Sie sind