KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 21 nicht Deutsche, weil sie in Deutschland geboren sind und also automatisch in die deutschen Staatsbürgerrechte eingetreten sind, sondern weil sie in Mark und Wurzel mit deutscher Kultur und deutschem (Heist verbunden sind. Nach dieser Klärung ist der Boden bereitet für das Verstehen, daß dieses unverlierbare Deutschsein ebensowenig gemindert wird durch die Tatsache, daß der jüdische Deutsche sich mit Stolz als Jude weiß und bekennt, wie die Deutschheit des Bayern oder Preußen etwa gemindert wird dadurch, daß er sich zugleich dom bayerischen Volksstamme oder vom Geist des Preußentums mitgeprägt weiß. Es gibt ein tiefes, weises und volkstümlich-bildhaftes Wort von Max M. Marburg: „Wie die Liebe zum Vater und zur Mutter verschiedenartig ist, ist die Liebe zum Vaterland uneingeschränkt, wenn auch daneben die Liebe zur Mutter eine tiefe ist." In diesem Bild ist mehr psychologischer Instinkt und mehr psychologische Wirklichkeit enthalten als in ganzen Bänden nationalistischer und antinationalistischer Theorien. Bayern, Juden und Preußen haben ein Vaterland: Deutschland. Aber jeder von ihnen hat eine andere Mutter: Bayern, Judentum, Preußentum. Und wer dem Vaterland die Treue hält, wird sie mit psychologischer Notwendigkeit auch der Mutter halten. Denn Treue ist dieselbe überall, und der Treue ist treu überall. Und wiederum: Der wird der zuverlässigste Deutsche sein, der die Mutter nicht vergessen hat — auch nicht aus Opportunität, sondern auch ihr gegenüber zuverlässig treu geblieben ist. Auch das ist einfache psychische Gesetzmäßigkeit. Auch der caritative Zionismus ist ebensowenig ein Einwand gegen die Deutschheit des jüdischen Menschen, wie die Zugehörigkeit zum Gustav-Adolf-Verein, der übernationalen protestantischen Zielen dient, je als Einwand gegen deutsche Gesinnung geltend gemacht worden ist. Alles Caritative ist wesensmäßig übernational, weil es aus ethischer Gesinnung strömt. Ethos ist übernational, überrassisch, überzeitlich. Es ist menschlich und seine Gesetze sind Menschengesetze. Ueber alle diese Dinge ist eine Verständigung immer unschwer möglich. Doch die Grundlage der Verständigung mit sehr vielen wertvollen, verständigungsbereiten, aber an der Verständigungsmöglichkeit irre gewordene:: Menschen liegt darin, daß zuvor mit aller Klarheit dies sichtbar gemacht wird: Das Fremdheitserlebnis des nationalistischen Juden, sein Volkstumserlebnis, das ihn aus dem Kreis der deutschen Heimatbewußten ausordnet, ist nicht charakteristisch für das Judentum schlechthin, sondern nur für eine kleine Schicht im Judentum. Für die andere, größere Schicht aber ist charakteristisch das aus dem deutschen Heimaterlebnis quellende Bekenntnis zur deutschen Nation und zur deutschen Kultur — ein Bekenntnis von so tiefer Erlebnisechtheit, daß es selbst durch Pein und Unrecht nicht erschüttert worden ist. Wir Nichtjuden, die wir den Antisemitismus bekämpfen — und dieser Kampf ist schwer; wir werden in ihm noch ärger verfemt, verleumdet und beschmutzt als die Juden selber — wir brauchen doku-