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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 13

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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K. C.-Blätter 13 viel fremdes Blut in seine Adern einströmen sehen, gewiß nicht zu seinem Schaden. Ist nicht das deutsche Weihnachtsfest, so wie es nach spezifisch deutschem Ritual gefeiert wird, eine Transponierung rein jüdischer Gedanken in die deutsche Kulturwelt — die Heiligung des Vorabends, das Anzünden der Lichter, die betonte Familieninnigkeit des Festest Nichts anderes als eine Völkerwanderung geistigen Stils geschieht; die Stämme suchen nicht mehr den Austausch von Land und Boden, aber sie gewähren und empfangen neuen Raum für kulturelle Bewegungen. Wie oft erlebt man, daß langdauerndes Zusammenleben Aehnlichkeiten schafft. Die Partner des Zusammenschlusses löschen zwar ihre Individualität nicht aus, aber die Gemeinschaft des Erlebens formt manche Züge ähnlich. Diese Erscheinung ist es, die wir trotz selbstverständlicher Arsprungstreue auch im Verhältnis des deutschen Juden zur nichtjüdischen Amwelt feststellen. And wenn nun hier von zionistischer Seite der Vorwurf kommt, das sei ein Verrat an der Abstammung, das sei die Würdelosigkeit in der Assimilation, dann müssen wir entgegnen, daß sie aus falscher Perspektive blicken. Diese An-- ähnelung in vielen, wenn auch nicht in allen Punkten ist nicht der Anfang oder gar der Anstoß der Assimilation — sie ist ihre naturgesetzliche Folge! Wir trachten nicht danach, uns im Mantel einer Schutzfarbe unauffällig zu machen — vielmehr wir wurden einander ähnlich, weil sich an uns das Schicksal gemeinschaftlichen Erlebens vollzog. Wir wurden es, weil wir, mit den Worten der Kardinalformel gesagt, assimiliert wurden. Mit dieser Feststellung müssen wir es freilich ablehnen, uns als „Assimilanten" zu bezeichnen. Assimiliert sein und Assimilant sein, ist ein grundlegender Unterschied. Der Assimilant wäre ein Mensch, der seine ursprüngliche Eigentümlichkeit verleugnet, und im Schatten einer fremden Kultur sich birgt, ohne eine schicksalhafte Beziehung zu ihr zu haben. Der Assimilant wäre ein Renegat vom eigenen Ich. Wir aber denken nicht daran, die Strahlen der eigenen Persönlichkeit von fremden Sonnen zu entlehnen. Ans ist der Weg vorgezeichnet durch unsere Assimilation, die keine Beflissenheit bedeutet, sondern eine naturgesetzliche Gegebenheit. Soll uns aber die gegebene Tatsache des Assimiliertseins nur etwas Substantielles sein, eine leblose Materie, die keinen seelischen Appell bietet? Auch das lehnen wir ab. Wir wissen, daß wir als geistige Menschen uns die klassische Frage „Die, cur hie“ zu beantworten haben. Die Antwort weist uns unausweichlich in die Verpflichtung, dem uns bereiteten Naturgesetz getreu zu sein. Mit dem Strome der Gegebenheiten zu schwimmen, das ist der Sinn und die ratio des Naturgesetzes. Darum geht unser seelischer Weg dahin, jene Tendenzen zu kultivieren, die aus unserm schicksalhaften Werdegang erkannt werden. Darum begnügen wir uns nicht nur mit der Gewordenheit unseres Deutschtums, sondern darum wollen und erstreben wir seine Vertiefung und weitere Verinnerlichung. Wir finden unser Selbst am besten, wenn wir die Strömung erkundet haben, die den Fluß unseres Daseins treibt. Die Strömung zu erschaffen, ist Aufgabe des göttlichen Kosmos, in ihr sich bewegen zu können, ist u n s e r e Pflicht. Die Anwendung dieser Gedankengänge dürfte wohl das zionistische Argument beseitigen, es führe die letzte Konsequenz der deutsch-jüdischen

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