KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 K. C.-Blätter als die Juden, die im Jahre 70 das Heilige Land verließen. Das ist eine Tatsache, die an den natürlichen Prinzipien nicht etwa vorbeigeht, sondern gerade durch sie bedingt ist. Der Zionist, den solche Entwicklung schmerzt, klagt uns zu Unrecht an, weil wir den Lauf der jüdischen Lebenslinie besser erkannt haben. Das Schicksal selber klage er an, und die Stetheit des Wechsels, richtiger aber klage er die Unruhe des eigenen Herzens an, die ihm die Harmonie zwischen Lebensbestimmung und Lebenserfasiung verwehrt hat. Ich glaube, daß sich, das ahasverische Moment nirgends so unheimlich ausgeprägt hat wie in der zionistischen Seele ... Cs ist die Seele derer, die — nach den Worten eines Dichters unserer Tage — die Unbegnadeten sind, die Verdammten, jene, „die gefunden haben und nicht nehmen dürfen". (Frank Thieß, Die Verdammten.) Uns Deutschbewußten, die wir freudigen Herzens die Assimilation, die wir gesunden, ausgenommen haben, wird nun oft umgekehrt entgegengehalten, daß wir die Unseligen seien . . . Denn, so heißt es, es gelinge uns nicht, wirklich ganz und gar im deutschen Wesen aufzugehen, die Angleichung sei nicht bis zur völligen Uebereinstimmung durchgesührt, die Gegensätzlichkeiten hätten ihre alte Schroffheit immer noch behalten. Spricht aber wirklich die Tatsache, daß man den Juden rein äußerlich schon vom nichtjüdischen Deutschen unterscheiden kann, gegen die Assimilation? 9iur dann, wenn man Assimilation falsch versteht! Wenn Assimilation nichts anderes wäre, als die naturkundliche Erscheinung des Mimikry — dann hätten unsere Gegner Recht. In Wahrheit aber handelt es sich gar nicht um ein Verbergen oder Verfälschen ursprünglicher Eigentümlichkeiten, es handelt sich, wie oben schon gesagt, um die Vermählung zweier Kulturen. Wesentlich für die Erkenntnis der Assimilation ist allein, daß dieser Vermählungsprozeß seit unzähligen Generationen die Lebensbestimmung der deutschen Iudenheit wurde. Was will es denn besagen, daß unsere Stammesart in vielem sich konservierte! So wenig wie der Württemberger und der Ostpreuße daran dachten, ihre Stammesindividualitäten auszulöschen, so wenig bei diesen Stämmen hierunter das Bewußtsein gemeinsamen Volkstum litt, ebensowenig ist dies bei uns der Fall. . Die deutsche Lebensaufgabe ist dann am trefflichsten erfüllt, wenn es gelingt, die Vielzahl der deutschen Stämme über die Pflege ihrer Eigenart hinaus zu einer harmonischen Bindung zu führen. Harmonie, nicht Normung ist das Schicksal der Nation! Das muß dem Zionisten wie dem antisemitischen Rassefex gleichermaßen entgegengehalten werden. Ob sich wohl schon die Posaunenbläser des deutschen Chauvinismus überlegt haben, daß die Assimilation des deutschen Juden, die seit Jahrhunderten geschehene Einweisung des Juden in den deutschen Lebensweg, nicht allein jüdische, sondern zugleich auch deutsche Lebensbestimmung ist? So konnte und mußte es auch geschehen, daß die Partner dieses naturgeschichtlichen Cingliederungsprozesses nicht nur ihre Stammeseigenschaften wahrten, sondern weiterhin kulturelle Werte und Eindrücke wechselseitig einander vermittelten. Naturnotwendig drang deutsche Wesensart ins jüdische Bewußtsein, aber auch entsprechend umgekehrt empfing das deutsche Wesen manche Prägung und Färbung aus der jüdischen Seele. Warum sollte es nicht so sein?! Hat doch das deutsche Kulturleben mit der Rezeption des römischen Rechts sehr