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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 10

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 K. C.-Blätter arabische Widerstand gegen die Besiedlung Palästtnas durch Juden, der weniger den Interessen des Landes seine Entstehung verdankt als dem politischen Nationalwillen, der sich angegriffen und verletzt fühlt, muß ganz mechanisch wachsen, wenn das jüdische Vorgehen ihm durch die äußeren Formen der Arbeit immer neue Nahrung gibt. . Beinahe ebenso unklug wie die Politik der zionistischen Revisionisten ist freilich auch das Vorgehen eines großen Teiles der deutschen Juden gewesen, die eine Beteiligung am Aufbauwerk in Pa - lästina abgelehnt haben und die jetzt nachträglich darüber jammern, daß es ganz vom nattonaljüdischen Geiste beherrscht ist! Wie das Unternehmen einen anderen Charakter gewinnen soll, wenn die Nichtzionisten den Nationaljuden das Feld bedingungslos überlassen, ist schwer zu sagen. An der steten Verschärfung des nationalistischen Kurses sind eben fraglos jene schuld, die, statt mitzuarbeiten, sich in abfälliger Kritik und in der Verächtlichmachung des nationalen Geistes in Palästina ergehen. Es muß immer wieder daran angeknüpft werden, daß die Besiedlung Palästinas eine religiöse Aufgabe ist, der an sich keine positiv eingestellte jüdische Richtung sich widersetzt. Mag es bei den einen der Wunsch nach der Errichtung eines religiösen Mittelpunktes sein, bei den anderen die Hoffnung auf das Entstehen eines geistigen Zenttums, wieder bei anderen das Streben nach der Errichtung einer Heimstätte für arme und verfolgte Juden, bei manchen der Glaube an das Werden einer politischen Nation, alle sind sie im Ziele einig! Alle wollen das Land besiedeln, alle wollen eine jüdische Heimstätte. Und darum tragen auch alle ein Stück der Verantwortlichkeit! Darin liegt aber auch die Notwendigkeit begründet beim Aufbausonds, dem „Keren Hajesod" und bei der Verwaltungsaufgabe, die heute die „Iewish Agency" übernommen hat, mitzuarbeiten, weil das Palästinawerk, in dem heute krasser Nationalismus vorherrscht, der Arbeit der friedlicheren und politisch mäßigeren Elemente bedarf. Nur eine vom nationalistischen Machtwahne befreite Palästinapolitik hat Aussicht auf wirkliche Erfolge! Sind aber der Nichtnationalen und Antinationalen in den Organen des Aufbauwesens so wenige, wird eine solche Politik sich nicht verwirklichen lassen. Den Schaden davon hat Palästina selber, mehr aber noch das Ansehen der gesamten Judenheit, die eine allgemeine jüdische Aufgabe aus kleinlicher Befürchtung einer einzelnen Partei überlassen und sie damit der Möglichkeit des Mißlingens ausgesetzt hat. Recht und Macht sind Gegensätze! Der Weg des Rechtes ist, langsamer als der der Macht, denn ihn geht man in stiller bescheidener Arbeit anspruchslos und friedlich! Der Nationalismus aber kämpft um Macht mit den Mitteln der Macht. Nie wird er siegen, wenn er auf einen Gegner stößt, der stärker, rücksichtsloser und ausdauernder ist als er. In dieser Erwägung liegt das Schicksal der Palästinapolitik! Und gewiß hat die Heilige Schrift von ihrem sittlichen Geiste aus recht, wenn sie ihr für die Ewigkeit Richtung gegeben hat durch ihr Wort: „Zion wird durch Recht erlöst werden!" (Jesaja 1,24.)

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