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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 9

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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K. C.-Blätter 9 Mittel fast unerschöpflich sind, unterliegen. Obwohl die jüdische Forderung in Palästina sich auf anscheinend unanfechtbare Rechtstitel stützt, die England selber geschaffen hat, obwohl ferner von den Arabern im Kampfe die Strafgesetze auf das flagranteste verletzt worden sind, siegt der arabische Einfluß, weil er über die Macht verfügt. Und wenn England seine willkürlichen Maßnahmen gegen die Juden mit dem Scheine eines Rechtes maskiert, so ist das zwar theoretisch eine Verneigung vor der Gerechtigkeit, aber praktisch fügt es zum Schaden noch den Spott! Es wäre nun vollkommen verkehrt, wenn man etwa auf Grund der Tatsachen, die diese Darstellung vermittelt hat, den Schluß ziehen wollte, daß die Palästinaarbeit einzustellen sei! Der Aufbau Palästinas ist eine fe st stehende Forderung der jüdischen Religion, die aus den Ideen eines selbstbewußten Judentums niemals schwinden kann und darf! Die Geschichte des Palästinaaufbaus vollzieht sich auch nicht in Jahren und Jahrzehnten, sondern in Jahrhunderten! Und alles, was sich in den letzten dreizehn Jahren abgespielt hat, ist lediglich eine taktische Episode in einem weltgeschichtlichen Prozeß. Jede Taktik muß aber mit dem Gegebenen rechnen! Und von diesem Gesichtspunkte aus sind Mittel und Wege des Aufbaus ernstlich zu prüfen. Daß das neue Palästina in einem nationalen Geiste erstehen wird, ist selbstverständlich, weil es nicht anders möglich ist! Das Zusammenwirken der Menschen auf der neuen Erde bringt ganz von selber neue Formen des Lebens, schasst eine Eigenart der kulturellen Bedingungen, die man nicht anders als „national" bezeichnen kann. Sie entstanden bereits, als der Zionismus noch nicht die herrschende Macht im heiligen Lande war, und diesen Kulturnationalismus hat auch der „Hilfsverein der deutschen Juden" gefördert, wenn er in seinen Schulen die hebräische Umgangssprache einführte. Ebenso gewiß ist es aber, daß alle machtnationalistischen Ansprüche und Aeußerungen nur schädlich zu wirken vermögen, weil sie lediglich Gesten sein können, hinter denen keine wirkliche Macht steht. Die Zukunft des Ausbaus Palästinas ist abhängig vom Abbau der nationalen Phrase! Jede Betonung eines politischen jüdisch-nationalen Prinzips, jede Renommisterei, jeder Gebrauch von starken Worten, jede inhaltliche Gleichsetzung des jüdischen Nationalwillens mit dem anderer Völker muß mechanisch eine Verstärkung des arabischen Nationalismus bedeuten! Erscheinungen wie der Revisionismus Iabotinskis, der die reine Iudenstaatsidee vertritt und in Palästina die Aufstellung einer jüdischen Legion fordert, der also in Wirklichkeit Kampf gegen die Araber predigt, sind geeignet, den wirklichen Aufbau für Jahrzehnte hinaus unmöglich zu machen. Der Idealismus solcher Ideologie in allen Ehren! Aber politische Kinderei bleibt sie bei dem Fehlen einer wirklichen jüdischen Macht als Grundlage doch. Weizmann, der kluge Politiker des Zionismus, hat oft genug — direkt und indirekt — betont, daß Tiraden dem Aufbauwerke schädlich sein müssen, aber auch er muß immer wieder dem Agitationsbedürfnis zuliebe sich der nationalistischen Phrase bedienen. Und der

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