KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 K. C.-Blätter esse des arabischen Nationalismus erforderlich war, um dann mit sich handeln zu lassen und nachgeben zu können. Fast die Hälfte der zurückgezogenen Einwanderungszertifikate hat man darum den Juden wieder zugestanden! Psychologisch scheint die englische Regierung, die die Juden durch die Balsourdeklaration und die Uebernahme des Mandats verwöhnt zu haben glaubt, sie zunächst einmal bescheidener machen zu wollen. Wenn Gott, so sagt ein Sprichwort, einen armen Mann erfreuen will, läßt er ihn etwas verlieren und es wieder finden! Aehnliches tut England! Es verbietet Einwanderung und Landankauf ganz, um dann in der Freude des Juden über ein teilweises Nachgeben den Umstand vergessen zu machen, daß in Wahrheit doch sie die Leidtragenden sind. Wenn man einem eine Million Mark fortnimmt und ihm hunderttausend Mark gnädig wiedergibt, so freut sich der Beraubte gewiß. Aber neunhunderttausend Mark, die ihm gehören, fehlen ihm trotzdem! So stehen die Dinge heute! In den Kreisen der Palästinafreunde wechselt tiefste Niedergeschlagenheit mit frohem Optimismus ab, je nachdem die Nachrichten über das Verhalten der Mandatarmacht schroff oder hoffnungsvoller klingen. Aber dieses Auf und Nieder der täglichen Stimmung darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Wege der eng-, lischen Politik festgelegt sind. Man will den Gedanken an ein jüdisches Nationalheim nicht fallen lassen, nichts aber darf nach dieser Richtung geschehen, was den arabischen Nationalismus kränken oder gar den Islam in die Opposition treiben könnte. Und von dieser Richtlinie wird England nicht abgehen, weil es von ihr nicht abgehen kann! Man wird den Juden wieder einmal ein fröhlich stimmendes Häppchen gönnen, und dann in den weit geöffneten Rachen des Arabertums einen gewaltigen sättigenden Happen werfen. Und man wird den arabischen Nationalismus so stärken, daß er tatsächlich eine Weltmacht wird, mit der selbst England rechnen muß. Welche Folgerungen kann das Judentum aus diesen Tatsachen ziehen? Die erste Lehre ist für die Ideologie des Zionismus bitter. Er war von dem Dogma ausgegangen, daß die Verwirklichung des nationaljüdischen Gedankens in der Weltgeschichte den ersten Versuch einer Ueberwindung des Judenhasses darstelle. Seit dreißig Jahren wird gepredigt, daß jüdische Konzentration und jüdische Leistung die Allheilmittel gegen den Antisemitismus seien! Die Vorgänge in Palästina haben den Beweis für das Gegenteil geliefert. Der entstehende, stark national gefärbte Aufbau hat einen Judenhaß von einer Wildheit und Tiefe erzeugt, wie er sonst nur noch in Rußland zu finden gewesen ist. Und es kann für die Zukunft Palästinas nicht ohne Bedeutung sein, wenn der Nationalismus sich als eine Macht erwiesen hat, die einen friedlichen Ausgleich nicht zu gewährleisten vermag. Zum zweiten aber hat sich ein großer Fehler in den jüdischen nationalistischen Berechnungen herausgestellt, der freilich sich aus seiner Theorie ergeben mußte. Denn Nationalismus beruht auf Macht und nicht auf Recht! Und da das Judentum nun einmal keine Macht besitzt, muß es im Kampfe mit dem arabischen Nationalismus, dessen