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KC-Blätter · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1931
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 K. C.-Blätter läßt dem jüdischen Aufbauwerk Ehre und Anerkennung in Worten zuteil werden, ohne es wirklich zu fördern. Was in unendlichen Mühen seitens der Zionisten und anderer jüdischer Organisationen getan wird, geschieht unter grollender unwilliger Duldung der englischen Verwaltung, und oft genug scheitert es an ihrem Widerstande. Immer wieder stockt die Einwanderung, immer schwieriger wird der Erwerb von Grund und Boden, immer mehr wird das jüdische Element aüs der Polizei und aus der Verwaltung herausgedrängt. Immer mehr wird die Balfoudeklaration zu einer leeren Hülse, deren nach außen leuchtende Aufschrift aber keinen darüber hinwegtäuschen kann, daß sie einen Inhalt nicht besitzt. Am wenigsten die Araber! Zwölf Jahre nach der Balfourdeklaration glaubten sie, daß ihre Zeit gekommen sei, glaubten sie, daß England nunmehr bereit sein müsse, die Zusagen zu widerrufen und die gesamte bisherige Palästinapolitik zu liquidieren. Im Herbst des Jahres 1929 schlugen sie los! Der Vorwand war ein sehr charakteristischer. An der Klagemauer, dem letzten Ueberreste des herodianischen Tempels, Pflegen die Juden zu beten, und diesem uralten Brauche verdankt sie ihren Namen. Die Mauer und der Raum vor ihr sind nun fraglos Eigentum der mohammedanischen Behörden. Bis in die letzten Jahre hinein wurde aber das Beten der Juden stillschweigend geduldet. Die Zuspitzung der nationalen Gegensätze wirkte auch hier hindernd. Durch neue religiöse Zeremonien, die mit großem Lärm verbunden waren, störte man die jüdischen Gottesdienste, durch Herstellung einer Pforte, Die von der Straße vor der Klagemauer zum Tempelplatze führte, wurde der Verkehr vermehrt und die Möglichkeit von Zusammenstößen vergrößert. Und so kam es, wie es kommen mußte! Da die Juden durch diq fortwährenden Provokationen sich in ihrer Ehre gekränkt fühlten, demonstrierten sie! Und die Demonstration wurde zum Ausgangspunkte für blutige Pogrome, denen mehr als zweihundert Juden und Araber zum Opfer fielen. Der Judenhaß — Antisemitismus kann man, wenn es sich um die semitischen Araber handelt, nicht gut sagen — loderte hell auf, und nur mit großer Mühe gelang es den Behörden und ihren schnell herangezogenen Streitkräften, den Unruhen ein Ende zu machen. Gewiß kann man nicht von Judenpogromen im Sinne der russischen Greuel sprechen, bei denen unter dem Schutze der Polizei die wilden Horden der Schwarzen Hundert wehrlose unbewaffnete Juden mordeten. Die palästinensischen Juden setzten sich tapfer zur Wehr, und wenn sie sich auch über mangelnde Hilfe der palästinensischen Verwaltungsorgane zu beklagen hatten, so gelang es ihnen doch, sich Achtung zu verschaffen, und die Aufstandsbewegung brach, kaum daß Militär herangeschafst worden war, in sich zusammen. Dieser Fehlschlag war zunächst für die Araber eine große Enttäuschung. Sie hatten den Feldzug geschickt inszeniert — daß die Ausstände lediglich von den Arabern provoziert, vorbereitet und angezettelt worden waren, ergab die nachfolgende Untersuchung mit unbedingter Sicherheit —, hatten die angeblich gefährdeten religiösen Heiligtümer in den Vordergrund geschoben, und alles getan, um die Ereignisse als ersten und

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