KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 K. C.-Blätter eingestehen wollten, die aber durch kleinliche Ehren und öffentliche Anerkennung nicht mehr zu leiten und zu befriedigen waren. Die Frage des „Kowed" — hier paßt nur das jiddische Wort — spielte bei ihnen gar keine Rolle. Mit scharfer Logik erkannten sie aber, daß England, so sehr es auch von den Arabern abhängig war, sein einmal gegebenes Wort auch nicht brechen konnte, wollte es nicht an Ansehen und Vertrauen allerlei einbüßenl Und so packten sie den Stier bei den Hörnern, rückten die Versprechungen der Balfourdeklaration in das strahlende Licht der öffentlichen Meinung und machten die ganze Welt — insbesondere Nordamerika — zur Unterstützung ihrer Forderungen mobil. Diese bezogen sich zunächst einmal auf die Einwanderung. Wenn das Wort vom jüdischen Nationalheim einen Sinn haben konnte, so mußte man die Juden ins Land lassen, damit sie es aufbauen konnten. Gewiß existierten in dieser Frage unter den Zionisten tiefe Meinungsverschiedenheiten, und zwischen dem radikalen Nationalismus eines Iabotinski, der am liebsten einen ungehemmten Zustrom von Juden und einen frischen fröhlichen Vernichtungskrieg gegen die Araber gesehen hätte, und der vorsichtigen wirklich politischen Haltung Weizmanns, der Immigration und Wirtschaftsmöglichkeiten. in den erforderlichen Zusammenhang stellte, gab es keine Schattierung, die nicht in der zionistischen Presse vertreten worden wäre. Daß aber die Einwanderung fortgeführt werden mußte, war allgemeine Forderung, der sich die englische Regierung unter diesem oder jenem Vorwände immer wieder zu widersetzen suchte. Ebenso schlecht fühlte sich das Judentum in der Zuteilung von Staatsländereien behandelt, und mit großer Energie erhoben die Juden immer wieder ihre Anklagen, die sich dahin zusammenfassen ließen, daß die Mandatsmacht wohl ihre Pflicht zur Erfüllung des Mandats und zum Aufbau des Nationalheims fortwährend feierlich anerkannte, daß sie aber in Wahrheit nichts dazu tat, wenn sie nicht überhaupt gar das Werk sabotierte. Die Araber wiederum verlangten, daß die Einwanderung ganz und gar gesperrt werde, daß die Staatsländereien lediglich den — angeblich oder in Einzelfällen wirklich — durch Landankäufe der Juden heimatlos gewordenen palästinensischen Fellachen zugeteilt würden und daß der jüdische Einfluß in der Verwaltung zurückgedrängt werden müßte I Selbstverständlich steckte in diesem Verlangen die Uebertreibung und die Unwahrhaftigkeit, die jedem übertriebenen Nationalismus eigen ist. Denn daß die jüdische Einwanderung dem Lande erheblichen Nutzen gebracht hatte, und daß vor allem der ärmeren arabischen Bevölkerung aus ihr ganz erhebliche Vorteile erwuchsen, war ebenso selbstverständlich, wie die Klage wegen der Verdrängung der Araber eine kleine Heuchelei bedeutete. Denn Oedland ist in Palästina genug vorhanden, und der Aufschwung der einheimischen Bevölkerung, die Zunahme ihres Wohlstandes ist durch die mit der Einwanderung der Juden intensivierte Landwirtschaft, durch die Ausdehnung des Fremdenverkehrs, durch den Beginn der Industrialisierung des Landes ein ganz auffälliger. AberNationalismus fragt nicht nach Logik und nach Gründen, in