KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 K. C.-Blätter sichtbar! Und als im November 1917 die Balfourdeklaration den Juden ein Nationalheim in Palästina versprach, zog sie nur die Folgerung aus den bereits bestehenden Ansätzen. Diese Balfourdeklaration, die nicht der Ausgangspunkt der Besiedlung des heiligen Landes war, ist aber die Grundlage aller politischen Schwierigkeiten. Gewiß gab sie dem bereits vorhandenen Aufbauwillen einen ungeheuren Impuls, indem sie anscheinend eine Rechtsgrundlage für das jüdische Werk vorbereitete. Aber sie litt an einem inneren Widerspruch, der aus ihrer Gebürt im Kriege erklärlich ist, indem sie kontradiktorische Versprechungen gab, die sich nicht miteinander vereinen lassen! Für den nüchternen Politiker ist es natürlich ein Widersinn, daß in einem von einer Nation bewohnten Lande für eine andere Nation eine nationale Heimstätte errichtet werden kann, ohne daß — wie die Balfourdeklaration es will — „die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigt werden". Und wenn man es sich noch erklären kann, daß der Wunsch Englands, während des Krieges die Sympathien der zionistisch gesinnten Juden zu gewinnen, und die Tatsache, daß ihm ja Palästina damals noch gar nicht gehörte, eine solche Großzügigkeit und Unklarheit gestattet haben, so ist es doch verwunderlich, daß auch nach dem Kriege in Versailles, in San Remo und schließlich in London das Palästinamandat für England auf derselben Grundlage bestätigt wurde. Es ist zu verstehen, daß die ungeheure Begeisterung, die nach der Balfourdeklaration die Iudenheit — und nicht nur die nationalistische — erfüllte, den englischen Politikern erst die ganze Tragweite von Versprechungen zu Gemüte führte, die sie vielleicht gar nicht so ernst gemeint und deren Folgerungen sie nicht bis in die Einzelheiten der praktischen Umsetzung durchdacht hatten. Ein Zurück gab es aber nicht! Zwei Mächten, deren eine real und stark im Lande wirkte, deren andere aber idealen Schwung besaß.und die Sympathie der Welt genoß, sollte man gerecht werden, und natürlich mußte die eine bevorzugt werden. Denn daß man beide förderte und daß Juden und Araber bei einer fortwährenden Zunahme des nationalen Bewußtseins und der nationalen Macht der ersteren friedlich nebeneinander leben konnten, ist zwar von zionistischer Seite in Hunderten von Reden und Leitartikeln „unwiderleglich" nachgewiesen worden, leider aber folgt das Leben den geistreichen Theorien der Journalisten nicht, und von Anfang an war der Gegensatz latent vorhanden, wenn er sich auch zunächst nicht in Zusammenstößen äußerte. Auf jüdischer Seite, wo man noch immer im Leben der Gemeinschaft echten Idealismus kannte und ihn in uneigennütziger Opferwilligkeit bewährte, machte man den großen Fehler, daß man in der englischen Politik ein gleiches voraussetzte. Wiederum wurde in Hunderten von tiefdurchdachten Artikeln der Nachweis geliefert, daß England sich von seiner tiefen Religiosität auch in seiner Politik leiten lasse. Man vergaß ganz, daß es ein Engländer, ein wirklicher Kenner der Volksseele und der Regierungsprinzipien gewesen ist, der das Urteil über seine