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KC-Blätter · 1930-12-01 · Heft 10 (Dezember 1930) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 10 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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Nachr.-Left K.C.-Blätter 159 lich unter den Freunden, die im Sommersemester 1892 und Wintersemester 1892/93, in der Frühzeit der Verbindung, in unsere Reihen traten, hat der Tod fürchterliche Musterung gehalten. Ein einziger noch aus jenen zwei Semestern, die uns so viel Fuchse brachten, lebt in unseren Reihen. Zu Karl Frensdorfs und Martin Ballin, von anderen zu schweigen, ist nun auch Max Entmann, in unserem Kreise bekannt als „Möschen", ins Grab gesunken. Im Herbst 1892 kam er als erster badischer Abiturient zu uns, ein geistig schon Gereifter. Er entstammte einer Familie, die mit dem jüdischen Leben seiner Heimat eng verbunden war. Sein Onkel, Rechtsanwalt Dr. Stadecker in Mannheim war führendes Mitglied des Oberrates der badischen Israeliten, und so fiel es nicht schwer, den jungen Fuchsen in unsere Reihen einzugliedern. Sein ruhiges, gemessenes und zugleich liebenswürdiges Wesen verschaffte ihm Freundschaft und Ansehen bei aller: Bundesbrüdern. So konnte er bereits in seinem 2. Semester) in das die Verbindung zwar mit zahlreichen Füchsen, aber mit nur wenigen aktiven Burschen eintrat, an die Spitze der Verbindung gestellt werden, nachdem der Verfasser dieser Zeilen Heidelberg verlassen hatte. In Würzburg und Berlin beendigte dann Entmann seine Studien in enger persönlicher Verbundenheit mit den Bundesbrüdern, die er dort traf. Nach beendigtem Examen machte er eine mehrjährige Ausbildung in der Laryngologie und Otologie durch und ließ sich dann in Eisenach als Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenkranke nieder. Dort blieb er, im Besitze einer umfänglichen Praxis, bis er 1913 mit seiner Familie nach Berlin übersiedelte. Von diesem Augenblick an wurde er vertraut mit den Schatteruseiten des Daseins. Es kam der Krieg und die Nachkriegszeit und mit ihr schwere Krankheit, von der er nur dank dem Geschick der Aerzte und auch da nur teilweise sich erholen konnte. 1921 besuchte ich mit Karl Kauffmann zusammen den damals unter den Folgen der Krankheit noch schwer leidenden und körperlich nur noch wenig leistungsfähigen Freund, als wir zufällig von seiner schweren Erkrankung gehört hatten. Er ahnte nicht, wie krank er war, und lebte der Hoffnung, bald wieder die Praxis, die er nur noch stundenweise ausüben konnte, aufnehmen zu können. Das Schicksal wollte es anders. Die große Operation, die ihm zusammen mit einer von Bundesbrüdern durchgeführten langwierigen Nachbehandlung zunächst das Leben gerettet hatte, konnte doch seine Arbeitsfähigkeit nicht wieder voll Herstellen, und so vermochte er bis zuletzt nur in beschränktem Umfang seien Beruf auszuüben. Aber das Glück, eine aufopferungsvolle Frau an seiner Seite zu haben, und die Freude, die er an dem Gedeihen seiner Kinder haben durfte, richtete ihn auch in den traurigen neun Jahren die seitdem verflossen sind, auf und ließen ihn nie den Mut verlieren. Anläßlich des 40jährigen Stiftungsfestes unserer Verbindung schrieb er m rührenden Worten an mich, wie sehr er es bedanre, nicht im Kreise der Freunde weilen zu können. Wenige Wochen später, im Begriffe zur Beisetzung unseres Carl Lewin, dem er für seine ärztliche Hilfe in Dankbarkeit anhing, zu gehen, brach er plötzlich zusammen. Eine Wirbelmetastase seines alten Leidens hatte gerade in diesem Augenblick zum Zusammenbruch des Wirbels geführt, glücklicherweise, ohne daß er eine Ahnung des Zusammenhangs hatte. Noch drei Wochen vor seinem Tod schrieb er mir, daß er mit Hilfe seiner „tüchtigen und humanen Aerzte" in Bälde von seinen Schmerzen befreit und seiner Familie wiedergegeben zu werden hoffe. Aber als ich, wohl wissend, was ihm bevorstehen mußte, am 18. Oktober, gleich nach meiner Ankunft zu einer Vorstandssitzung des C. V., ihn im israelitischen Krankenheim aufsuchte, fand ich den Freund bewußtlos mit allen Zeichen der unmittelbar bevorstehenden Auflösung. Mit Max Gutmann ist einer unserer treuesten und anhänglichsten Bundesbrüder aus unseren Reihen geschieden. Seiner ganzen stillen und bescheidenen Persönlichkeit nach, aber auch durch die Schwere des Schicksals, das so viele Jahre auf ihm lastete, konnte er in der weiteren Oeffentlichkeit und selbst im Kreise des K. C. kaum hervortreten. Aber als Muster treuer Pflichterfüllung und freundschaftlicher Anhänglichkeit an seine liebe Ver-

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