KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 131 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Left K.C.-Blätter 131 ihrem Rechte verhelfen wollten. Man hätte dann freilich erwarten müssen, daß sie in den eigenen Reihen Remedur geschaffen hätten. Da sie aber nur ihr Verhältnis zur Umwelt umgestaltet haben, statt in jedem Sinne des Wortes in sich zu gehen, so bleibt — außerhalb jedes parteigebundeneu Wunsches — die bedauernde Konstatierung übrig, daß eine Gelegenheit zuschanden wurde, eine lohnende Gelegenheit, zwei Anschauungskreise zu nähern und ihrer gegenseitigen Einstellung manche Diskrepanz zu nehmen. Daß der Kampf um die jüdische Gleichberechtigung von Zionisten und uns mit verschiedenen Fronten geführt wird, ist bekannt. Es ist zu hoffen, daß diese Divergenz vergessen werden kann, solange der Feind, der nicht nach innerjüdischen Parteiungen fragt, allen Juden an die Kehle will. Darum mag im Augenblick die Schaffung einer innerjüdischen Aeberpartei und ein eventueller Verzicht auf kommunale Wahlkämpfe als richtige Maßnahme erscheinen. Da sich aber gedankliche Unterschiede nicht für alle Ewigkeit verwischen lassen, so erscheint es hin und wieder angebracht, über solche internen Probleme ein Wort zu reden. Wir lesen da eine Definition des Charakters der zionistischen Antisemitenbekämpfung, die folgendermaßen lautet (Jüdische Rundschau Rr. 77/8): „Solange die Juden als Ziel ihres Kampfes gegen den Judenhaß in Deutschland die vollständige Anerkennung als „deutsche Volksgenossen" ansehen, solange wird ihr Kampf aussichtslos bleiben. Erst wenn sie sich auf den Standpunkt stellen, daß sie restlose Gleichberechtigung im Staatsleben fordern, einerlei ob sie sich als Ganz-, Halb- oder Viertel-Deutsche im volklichen Sinne fühlen, erst dann ist eine brauchbare Basis für einen aussichtsreichen Kampf um Gleichstellung gegeben." Gerade weil wir von je her auf dem Standpunkt standen, daß die Zugehörigkeit zu einer Nation sehr wesentlich vom Zugehörigkeitsempfinden bestimmt wird, wollen wir dem Artikelschreiber nicht nachrechnen,.wie stark sein Anteil am deutschen Volksbegriff sein möge. Er und seine Gesinnungsbrüder mögen sich aber überlegen, was eigentlich rein praktisch von einem solchen Gleich, berechtigungskampfe zu erwarten sei. Das Verlangen, auch die „Vierteldeut. schen" sollten das Recht der „Volldeut, sehen" haben, ist etwas naiv gestellt. Selbst eine so weitherzige Verfassung wie die unsere reserviert ihre Grundrechte nur für die, die als Deutsche anerkannt sind, und wenn sie in Art. 135 allen „Bewohnern" des Reiches die Religionsübung gewährleistet, so dokumentiert sie durch die Wahl dieses Sonderausdruckes, daß für den Regelfall nur die Reichsangehörigen in den Genuß der staatsbürgerlichen Rechte gelangen sollen. Mit dieser grundsätzlichen Festlegung werden auch die zu rechnen haben, die nicht als Deutsche anerkannt zu werden wünschen. Eine Ausweitung dieser Rechtsgarantie könnte wohl erstrebt werden von denen, die unter der Fahne des Internationalismus kämpfen, nicht aber von denen, die der nationalistischen Idee des Zionsmus nach, eisern. R. Ä. Quo usque tandem? Ich unterhalte mich mit einem 30jährigen jüdischen Arzte und wir kommen auf jüdische Fragen zu sprechen. Es stellt sich heraus, daß er Zionist ist. Mich interessiert es, zu erfahren, wie er, Sohn einer deutschen Familie, zum Zionismus gekommen ist, da ich mit Erschütterung sehe, daß der Zionismus sich nicht nur durch die Zunahme ostjüdischer Elemente, sondern auch unter den Kindern gut deutsch denkender Eltern mehr und mehr ausbreitet. Seine Augen leuchten: „Die Idee des Zionismus marschiert!" Was ihn selbst betrifft, so waren es die Erlebnisse des Krieges, die ihm nicht verständliche Begeisterung von 1914, das Erleben beim Kommiß, das Gefühl, daß die anderen bei diesen Erlebnissen etwas anderes empfinden als er, was ihn dazu brachte, sich zu sagen, er sei von Natur anders als seine christlichen Mitbürger. Dem areligiösen Elternhause bedeutete das Judentum nichts mehr, er suchte für sein Jude-Sein nach einer Bedeutung, einem Gehalt, und glaubte ihn zu finden in der Aeberzeugung, daß es eine völkische Zugehörigkeit bedeute und ihm die Aufgabe stelle, an der Erhaltung einer alten Kultur mitzuarbeiten. Der jüdischen Religion und Sittenlehre — von ihm als