KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 8 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 130 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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130 K. C.-Blätter dkachr.-Left Vergängliches und Menschliches, wenn er sich auch organisch entwickelt. Die Religion aber ist unvergänglich und ewig. Der Staat muß sich nach der Religion richten, nicht die Religion nach dem Staat. Wie weit die Absolutheit des Staates ausgedehnt werden kann, zeigt ein Satz Adolf Hitlers, der in einer Versammlung wörtlich erklärte: „Wir wollen keinen anderen Gott haben als nur Deutschland allein...(Bayerischer Kurier Nr. 142 vom 25. Mai 1923.) Auch das andere kann das Christentum nicht zugeben, daß das Sittlichkeits- und Moralgefühl einer Rasse über die Religion und ihre Lehre und Gebote zu urteilen hätte. Wir wollen gar nicht danach fragen, was denn eigentlich für ein Unterschied zwischen einem Sittlichkeitsgefühl und einem Moralgefühl besteht, noch weniger, worin sich, dieses Gefühl unwiderlegbar und allgemein gültig zeigt und wie und durch wen es objektiv festgestellt werden soll. Auch nicht danach, wie es möglich ist, daß ein Gefühl Maßstab für eine Anschauung, einen Gedanken, eine Lehre sein soll. Es wäre ja gar kein Dogma und keine Sittenlehre und keine kirchliche Einrichtung davor sicher, aus irgendeinem Grunde von einem Moralgefühl der Rasse abgelehnt zu werden. Zudem ist es unumstößliche Ansicht des Christentums und schließlich jeder Religion, daß es eine Wahrheit gibt, die von der Anerkennung der Menschen unabhängig ist und alle Völker und Rassen und Staaten und jeden einzelnen Menschen in gleicher Weise unbedingt verpflichtet. Ein Christ darf niemals das Sittlichkeitsgefühl seiner Rasse darüber entscheiden lassen, was religiöse Wahrheit und was sittliches Gesetz ist. Für ihn kann nur das positiv gesprochene Wort Gottes und der Kirche gelten." Diese Worte sind vom Standpunkt des gläubigen Christen aus nicht ohne Logik und nicht ohne Mut gesprochen. Freilich hätte man das Bekenntnis zur Humanität entgegen den Hitlerschen Haßbestrebungen, gern vernommen, und vermißt es hinter diesen Ausführungen, die immerhin eher den Geist des klerikalen Imperialismus als den der Toleranz atmen. Es werden weiterhin von Dr. Schlund nationalsozialistische Anwürfe gegen das Alte Testament zurückgewiesen, und hier rührt sich das Lebensinteresse des Theologen, der dabei die Worte findet: „Wer das Alte Testament ganz oder zum Teil ausschalten will von der göttlichen Offenbarung, der ist nicht mehr katholisch." Konsequenter-- weise hätte man erwarten sollen, daß der Verfasser einen deutlichen Trennungsstrich gegen die Nationalsozialisten ziehen müsse, daß er sie aus der ganzen Tiefe einer religiösen Seele ablehnen müsse, weil ihre Gesamteinstellung zu Menschheilsfragen von einer Entgöttlichung des Weltbildes zeuge. Statt dessen aber schließt er seine Ausführungen mit der Feststellung, die beinahe einer Werbung eher ähnelt als einer Ablehnung: „Im Nationalsozialismus stecken gewiß viele gute Gedanken und viel guter Wille. Das kann namentlich den vaterlandsliebenden Menschen anziehen. Aber der Nationalsozialismus muß noch vieles in seiner grundsätzlichen und praktischen Stellung zu Christentum und Kirche klären, wenn er will, daß gläubige Katholiken unter Duldung durch die kirchliche Autorität ihm Gefolgschaft leisten sollen." Herr Dr. Schlund meint also, daß zwischen hüben und drüben die Brücke vielleicht noch zu schlagen sei. Es gibt sicherlich katholische Kreise, die da anders denken. Die Sezession der Iungdeutschen aus der Staatspariei legt die Frage nahe, ob jene „weltanschaulichen Gegensätze", die zur Scheidung fast noch in den Flitterwochen führten, nicht irgendwie auch mit der Iudenfrage Zusammenhängen. Bekannt ist, daß Herr Mahraun den „demagogischen Antisemitismus" abgelehnt hatte, wobei nicht nur Tüftler zu der Meinung kamen, ein andersgearteter Antisemitismus, der nicht gerade demagogisch sei, könne ertragen werden. Wir hatten schon in der vorigen Amschau leise Zweifel gewagt, ob das Festhalten der Iungdeutschen am Asemitismus im Innerbündischen noch konsequent erscheine, wenn es durch das eigene Verhalten nach außen hin desavouiert werde. Jetzt wäre es doch recht interessant zu erfahren, ob die Ordensritter durch die Revision ihres außerbundischen Auftretens der vernachlässigten Konsequenz wieder zu