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KC-Blätter · 1930-10-01 · Heft 8 (Oktober 1930) · p. Seite 132

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 8 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 132 (sequence 8)
Language
German
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132 K. C.-Blätter Nachr -Lest „Judaismus" bezeichnet — spricht er einen Gegenwartswert ab, die Ethik Kants stehe höher. Die üblichen Schlagworte fallen und werden beleuchtet. Er kann nicht umhin, der modernen Forschung das Recht einzuräumen, die Existenz einer jüdischer: Rasse zu bestreiten, ob die geistigen Gemeinsamkeiten der Juden angeboren, wie er glaubt, oder anerzogen sind, wie ich meine, bedeutet wenig für die Frage, ob sie die Erhaltung bzw. Neuschaffung einer Nation rechtfertigen. Wir kommen zum Programm. „Wollen Sie nach Palästina gehen?" Die Möglichkeiten fehlen, beschrankte Aufnahmefähigkeit des Landes. Ich möchte etwas über die praktische Auswirkung der zionistischen Ideen auf seine Lebensgestaltung wissen, da ich nicht annehmen kann, daß sie mit der Betonung der Zugehörigkeit zur jüdischen Nation und mit der Erklärung einer — übrigens platonischen — Liebe zur hebräischen Sprache endet. „Worin unterscheiden Sie sich von den Menschen, von denen Sie soeben im Tone tiefster Verachtung als „Assimilanten" sprachen? Ich sehe, daß Sie weder Kaftan noch Ringellöckchen tragen, daß sie ein reines Deutsch sprechen, ohne es mit jiddischen oder hebräischen Brocken zu würzen, daß Sie an den Sonntagen und Feiertagen des christlichen Kalenders von der Arbeit ruhen!" — „Ich bin auch assimiliert, aber ich bin es, weil meine Eltern es waren, weil ich in diese Lebensweise hineingeboren bin, ich liebe die deutsche Sprache, aber ich ahme nicht sklavisch die Gewohnheiten meiner Umgebung nach, ich bin assimiliert, aber die Assimilation ist mir nicht Selbstzweck, während ich sehe, daß sie jenen Lebensinhalt geworden ist." — „Das sind Worte, aus denen ich nichts über den Unterschied zwischen Ihrem und meinem Verhalten erkennen kann, der verschiedene Gefühlsinhalt gleicher Handlungen ist eine bloße Unterstellung. Nennen Sie mir konkrete Dinge, in denen Sie sich von einem „Assimilanten" erkennbar unterscheiden!" — Nach vielen Umschweifen höre ich, daß das Wesen der Assimilation in dem unnötigen und übertriebenen Herausstreichen deutscher Eigenart liege. Assimilantentum sei es z. B., wenn Paul Nathan sich dafür einsetzte, daß auf einer palästinensischen Hochschule deutsch gesprochen werde» oder wenn am Schlüsse einer Zentralvereinsversammlung das Deutschlandlied gesungen wurde. „Ob an den Hochschulen Palästinas hebräisch, französisch oder chinesisch gesprochen wird, kann einem Deutschen gleichgültig sein, wenn er aber einen Einfluß darauf hat, so dürfte es selbstverständlich sein, daß er die deutsche Sprache befürwortet. ebenso, wie wir es lieber sehen, daß andere nach europäischer Kultur strebende Völker ihre Vorbilder lieber aus Deutschland beziehen als aus Frankreich oder England, denn das trägt zur Stärkung der deutschen Macht und Wirtschaft bei. Das Deutschlandlied aber enthält nichts als das Bekenntnis der Liebe zum deutschen Vaterlande, und ich kann nicht einsehen, warum deutsche Juden es nicht singen sollten. Ja» wenn sie es geflissentlich nicht täten, so dürften sie sich auch nicht wundern, wenn ihre Mitbürger sie deshalb nicht liebten, weil sie nicht in gleicher Weise wie sie an dem gemeinsamen Vaterlande hängen." — „Ich brauche die Liebe dieser Mitbürger nicht und nieman kann von mir Liebe fordern." — „Aber eine öffentliche Stellung wollen Sie bekleiden" — er tut es —, „die Ihnen die Gemeinschaft verleiht?" — „Darauf habe ich Anspruch als Staatsbürger, ich erfülle ja meine Pflichten als solcher." — „Sie vergessen, daß Sie die Staatsbürgerrechte nur durch die Liebe Ihrer Mitbürger genießen, die sie Ihnen gönnen." Ein verständnislos fragender Blick. „Jawohl, die. Liebe unserer Mitbürger, die unsere Vorfahren uns erworben, und die wir, d. h. meine Gesinnungsgenossen und ich, uns und Ihnen mit erhalten, die ist es, die Ihre Staatsbürgerrechte schützt. Was in Jahrhunderten erworben und was von uns als höchstes und heiliges Gut geachtet und gepflegt wird, das treten Sie mit Füßen und genießen doch die Vorteile daraus." — „Die Staatsbürgerrechte gehören uns durch die Verfassung und niemand kann sie uns nehmen. Liebe ist etwas, wozu kein Mensch gezwungen werden kann." — „Wer hat die Verfassung gegeben? Eine Mehrheit von Volksvertretern, die damit ihre Liebe zu uns bewiesen hat. Und noch besteht diese Liebe,

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