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KC-Blätter · 1930-10-01 · Heft 8 (Oktober 1930) · p. Seite 129

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 8 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 129 (sequence 5)
Language
German
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Nachr.-Äeft K. C.-Blätter 129 drücken, die keine „gute alte Zeit" bisher erlebten. Das Charakteristikum zermürbender Erfahrungen kann bei ihnen nicht zu vermerken sein. Aber sie liefen in Hellen Scharen herbei, weil die Trommel schmetternder Leidenschaftlichkeit erdröhnte, weil schimmernde Zukunftsverheißungen, aufglänzten, weil knabenhafte Romantik in Hitlers Reihen ihre Heimstätte fand. Wenn dies aber richtig ist, dann ist es nicht die Abnormität ungewöhnlicher Verhältnisse, sondern eben die typisierte Jugendlichkeit, die ihr den Weg in die Verirrung gewiesen. And stehen wir da nicht vor einer Tragödie des Jungseins? Sehen wir dann nicht, wie die schönsten Eigenschaften des Jungseins, Begeisterungsvermögen, Leidenschaftlichkeit, Fortschrittsdrang, Beweglichkeit, zum Nährboden einer kulturfeindlichen Entwicklung wurden. Rechnet man hinzu, daß auch der Mangel an Lebenserfahrung und damit an Vergleichsmöglichkeiten, bestimmend mitspricht, so fehlt nicht viel, und man wäre veranlaßt, das Loblied der Anjugendlichkeit zu singen. Vielleichtauch denkt der eine oder der andere an Cicero, der im „Calo maior de senectute“ mit gleichlautenden Begründungen dem Greisenalter das Primat der politischen Schicksalsbestimmung einräumen wollte, und die Tragödie des Iungseindürfens scheint besiegelt, i Wir wollen aber dem zum Trotz ■ dennoch an die Mission des Jungseins; glauben. Nicht die Iugendhaftigkeit hat schuld gehabt, sondern die Ver- : zettelung und der Mißbrauch der jugendlichen Kräfte. Die Hitlerpartei hat es vermocht, vor ihren Wagen : die Jugend zu spannen, weil sie ihr das versprach, was jugendlicher Sinn verlangt. Sollte nicht auch das Pro- : gramm derer, die gegen den Nationali sozialismus zu Felde ziehen, manches j bieten können, was gerade von der Äugend zu leisten ist? Die Jugend .will Kampf und Leidenschaft, will sich begeistern können und sich vom Schwung froher Zukunftshoffnung mitreißen lassen. Sache der Aelteren wird es sein, ihr zu zeigen, daß Kampf, Begeisterung, Leidenschaft auf seiten ' derer gebraucht werden, die für Humanität und die Hochziele der Demokratie eintreten. Zeigt der Jugend, daß in Eurem Programm der Appell an das Jungsein ist! Dann werdet Ihr sie aus ihrer Verirrung zurückholen, in die sie kamen, nicht weil sie jung waren, sondern weil ihre Kräfte mißleitet wurden. Denn Jugend muß mit Weisheit geleitet sein, sie ist wie ein frei dahinschäumender Strom, dem von verständiger Seite Lauf und Weg geregelt wird. Zeigen sich nun die Elemente jugendlichen und pseudoreligiösen Empfindens in der Anhängerschaft der Nationalsozialisten, so wird die Frage interessieren, wie die wirklich religiösen Kreise der studentischen Jugend auf das nationalsozialistische Parteiprogramm reagieren. Darüber gibt die „Academia" (Nr. 3, Seite 53 ff.) Auskunft in einem Aufsatz des C. V.-Seelsorgers Erhard Schlund. Seine Kritik stellt u. a. fest: „Es ist für die Katholische Kirche grundsätzlich unannehmbar, daß über das absolute Christentum als höhere Instanz der Staat einerseits und das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse anderseits gestellt wird. Verständlich wäre, daß der Staat keiner Religion die Freiheit garantiert, die seinen Bestand gefährdet. Aber immerhin würd^e in dem Wort soweit eine Gefahr liegen, als es der Autorität der staatlichen Organe anheimgegeben sein könnte, wenn einzelne Punkte der christlichen Lehre und Praxis nach ihrer Ansicht den Bestand des Staates gefährden könnten. Hier könnte eine Wurzel für den Kulturkampf liegen. Von einer bloß politischen Partei könnte man das unter Amständen noch durchgehen lassen, aber beim Programm einer Weltanschauung — und die nationalsozialistische Partei will Weltanschauung sein — (A. Rosenberg. Wesen, Grundsätze und Ziele der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, München 1923, Seite 34 f.) müssen die Sätze schon tiefer und ernster genommen werden. Es gäbe also zwei Maßstäbe, nach welchen über die Zulassung der Religionen und Konfessionen zu entscheiden ist, nämlich den Bestand des Staates und dann das Sittlichkeitsgefühl der Rasse. Aber der Bestand des Staates kann grundsätzlich nicht als Maßstab für die Beurteilung einer Religion anerkannt werden; denn der Staat ist etwas

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