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KC-Blätter · 1930-10-01 · Heft 8 (Oktober 1930) · p. Seite 127

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 8 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 127 (sequence 3)
Language
German
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Nachr.-Äeft K. C.-Blätter 127 truppen schon am Ziel sind, ist ihre Bedrohung gefährlich, sondern weil sie auf ihrem Weg zum Ziel ein Stück nach vorn gekommen sind. Wie wird dieser Weg nun weitergehen? Ist diese Bewegung jetzt ans Ende gelangt, bevor sie das erträumte Ziel erreicht hat, oder wird in mehr oder weniger schleuniger Gangart die NSDAP schließlich dort landen, wo sie heute noch nicht vorgedrungen ist? Das ist das Wesentliche, der Beachtung am meisten Werte, die Frage nach der Weiterentwicklung, zu jener unmittelbaren Gefährlichkeit hin, die heute noch nicht besteht, aber erreicht sein kann, wenn nicht der Gegenstoß rechtzeitig einseht. Wie muß der Gegenstoß geführt sein? Da gibt es zunächst nur eine Antwort, sie wurde schon genannt: Wachsam sein, mißtrauisch sein! Anser Gegner ist wirklich ein schlechterer Kerl als wir! Symptome und vermittelnde Eindrücke gilt es zu sammeln, mit Hellhörigkeit zu lauschen, wo überall, in welchen Kreisen und Schichten, sich die nationalsozialistische Doktrin eingenistet hat. Wir wollen unsere Sinne schärfen und zu begreifen suchen, warum und in welcher Stärke unsere Umgebung zu den Fahnen unserer Feinde stößt. Das sichert uns vor Aeberraschungen und klärt die Sicht ins Kampfgebiet. Neben der innerlichen Bereitschaft wird die äußere nicht zu vernachlässigen sein. Das ist eine selbstverständliche Aufgabe unserer Korporationen, die aber in ein besonderes Licht rückt angesichts der besonderen Verhältnisse. Die Tendenz der Aktivierung dürfte stärker als je herauszuarbeiten sein, und es wäre sehr wohl zu erwägen, welche Bindungen dabei einzu gehen sind. Auch die Frage, wie weit unser spezieller Kampf als Ausschnitt aus dem allgemeinen politischen Iudenproblem oder als eng zusammenhängend anzusehen ist, wird hierbei der Beachtung unterliegen müssen. Auch wenn der Ruf: Feinde ringsum! eine Aebertreibung darstellt, darf es doch wiederum nicht heißen: Wache hat Ruh! Bereit sein ist alles: nicht weil morgen schon Mord und Totschlag dräuen, wohl aber, weil wir nicht prophezeien können, wann der Ernstfall kommt, der vielleicht ausbleiben, vielleicht aber eintreten wird. Das große Vielleicht ist unsere große Mahnung. Es ist ein Unterschied. mit welchem Motto man sich auf den Ernstfall rüstet, „Hanmbal ante portas!“ rufen wir nicht, denn dazu ist kein Grund. „Rette sich wer kann" kennen wir nicht. Eingedenk aber sind wir eines anderen Spruches, gefährlich zuweilen zwar, und doch oft eine kluge Mahnung: Li vi5 pacem, para bellum! Vom rein kritizistischen Standpunkte aus ist das Wahlergebnis ein großes Rätsel und eine tiefe Beschämung. In ein judikatives Schlagwort zusammengefaßt, könnte man es, frei nach Goethe, bezeichnen als den Triumph der Anempfindsamkeit. Zeigte sich doch eine betrübende Abkehr von allen Begriffen und Empfindungen, die in der bürgerlichen Welt Geltung hatten. Weite Bevölkerungskreise, denen es an Bürgersinn und Ordnungsliebe niemals fehlte, die sich gerade .zu den bewußten Verfechtern solcher Bürgertugenden rechneten, haben sich einer Bewegung zugewandt, die Gewalt und Roheit predigt, haben sich nicht beirren lassen durch das Rüpeltum, das den Aktivisten dieser Bewegung schon von den Gesichtszügen abzulesen ist. Vielleicht haben sie sogar in absonderlicher Verhärtung aller Empfindsamkeit geglaubt, der Schlamm der Gasse sei der Sauerteig der deutschen Erneuerung. Weite Kreise lassen sich von Partei wegen drillen, allen Erfordernissen eines geordneten Rechtssystems bewußt Hohn zu sprechen, die Justiz zu sabotieren, bewußt und um jeden Preis die Gerichte anzulügen, die Verstocktheit sogar so weit zu treiben, daß selbst Iustizbeamte um der Partei willen offenkundige Straftaten zu begehen fähig werden. Ein himmelschreiendes Beispiel ist das Verhalten des nationalsozialistischen Amtsrichters, der — als Staatsminister noch dazu — eine Begünstigungshandlung vornimmt, oder des Iustizsekretärs, der im Weißenfelser Prozeß Zeugen beeinflußt. Wir haben hier nicht über diese Einzelfälle zu handeln, aber wir müssen ihrer gedenken, denn sie sind ein deutliches und furchtbares Zeichen, bis zu welchen Niederungen sich eine aus der Bahn geratene Menschenseele verirren kann, unter dem Ein-

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