Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 108

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268973-2268982--3703-2272801
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

108 K. C.-Blätter Nachr.-Lest Die Erinnerung an schöne Iugendtage, an gemeinsames Kämpfen, Streben und Schaffen wob ein unsichtbares Band um alle Festteilnehmer. Ein Fest der alten Freundschaft sollte gefeiert werden, drum hatte man bewußt Raum gelassen für Stunden des Zusammenseins kleiner Gruppen. Von dieser Gelegenheit wurde reichlich Gebrauch gemacht, an allen schönen Fleckchen des Neckartals konnte man unsere bemoosten Häupter finden. Freund Lutz zog mit der gesamten Konfuchsia nach Schwetzingen zum üppigen Spargelessen. Des Abends vereinigten die großen Offizien alle Verbandsbrüder. Es war ein glänzendes gesellschaftliches Bild, als sich im reichgeschmückten Euro« päischen Hof am Freitag abend die Freunde mit ihren Damen zusammenfanden. Von der ersten Stunde an herrschte eine glänzende Stimmung und hielt uns bis in den grauenden Morgen zusammen. Auch den Manen des altberühmten Heidelberger Zwergs wurde dank der Munifizenz der Alten Herren in verschwiegener Ecke die schuldige Reverenz erwiesen. Waren die ersten Tage des Festes ausschließlich der Freude gewidmet, so umfing uns alle ernsteste Stimmung. als am Morgen des 14. Juni unser lieber Mainzer den Generalkonvent des A. tz.V. eröffnete. Wohl sah man an langer Tafel neben den Aktiven und Inaktiven der Korporation die große Mehrzahl unserer A. H. A. H., aber jeder von den Aelteren vermißte in diesem Kreise manch liebes Gesicht, und als Mainzer zum Beginn der Festsitzung der 23 Bundesbrüder gedachte, die im Kampf fürs Vaterland ihr junges Leben gelassen haben, und die Allzuvielen aufzählte, die neben ihnen im Laufe der Jahre uns durch den Tod entrissen wurden, da senkten sich schwere Schatten der Trauer auf die Fröhlichkeit unseres Festes. Der Aebergang zu froherer Stimmung wurde erst wieder gefunden, als Cahen als ältester Ansitzer in bewegten Worten den einstimmig gefaßten Beschluß bekannt gab. den „Vater der Verbindung" Max Mainzer zum Danke für sein unermüdliches Wirken zum Ehrenmitglied zu ernennen. In einer geradezu rührenden Bescheidenheit hatte sich Mainzer bis zuletzt gegen diese Ehren gewehrt, der begeisterte Widerhall, den seine Ernennung auf dem Konvent und auf dem Kommers fand, hat ihn aber überzeugt, daß er sich der Stimme seines Volkes zu fügen habe. Wir haben es auch ohne sein feierliches Gelöbnis gewußt, daß er auch als Ehrenmitglied in seiner bekannten Zähigkeit und Iugendfrische den Verband weiterführen wird als treuer Freund jedes einzelnen Bbr. und als unermüdlicher Vorkämpfer des K. E.- Gedankens. Sein Geschäftsbericht gab in großen Zügen Kunde von der erfreulichen Entwicklung unseres Bundes; aber wir muhten auch mit tiefster Empörung Kenntnis nehmen von hinterlistigen unstudentischen Angriffen der erstarkenden völkischen Gruppen der Studentenschaft, von Boykott und Terror. Es war die. einmütige Auffassung der versammelten Altherrenschaft, daß diese Zustände — nicht zuletzt im Interesse des Ansehens Deutschlands ältester und berühmtester Hochschule — nicht länger mehr ertragen werden können. Die Alten Herren stehen geschlossen hinter dem heroischen Kampf der Aktiven und werden ihnen nach den Beschlüssen des Konvents in hoffentlich recht naher Zukunft hierfür ein weithin sichtbares Zeichen geben. Der entschlossene Wille zum Kampf ums Recht war auch das Grundmotiv des großen Kommerses, der am Samstag abend mehr als 400Kartell- und Bundesbrüder in Heidelbergs größtem Saal vereinigte. Der gesamte K. C. war vertreten und nahm an dem Jubiläum herzlichen Anteil. Während es aber bei ähnlichen Veranstaltungen in Heidelberg eine Selbstverständlichkeit ist, Vertreter der Universität und der Behörden an der Ehrentafel zu sehen, war die Bavaria der Aufgabe enthoben, solche Gäste zu begrüßen. Jakob Marx, Karlsruhe, scheute sich nicht, in seiner Vaterlandsrede diese Stellung der Behörden einer Kritik zn unterziehen, um dann in treffenden Worten darauf hinzuweisen, daß unser Bekenntnis zum deutschen Vaterland auf einer wurzelhaften, über ein Jahrtausend umfassenden Verbundenheit mit der Heimat beruht und unabhängig von offizieller Anerkennung oder Ab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.