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KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 107

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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Kchr.-Left K. C.-Blätter 107 Wer Zionismus erklärte den Antisemitismus als einen Spezialfall des Völ- Ikerhasses. Damit verlor der Antisemi- Usinus für die Zionisten an Wichtigkeit. Neuerdings hat man ihn als einen Vonderfall der Gruppenfeindschaft überhaupt erklärt. Auch auf der Seite der Antisemiten selbst beginnt diese Erklärung zu dämmern, Rur sekundäre Begründungen dienen zur Gewifsensveruhigung der Antisemiten. Die Juden Leugnen gerne, selbst Opfer des Antise- Mitismus geworden zu sein, und rücken ^von dem besonders gehaßten Teile ab. 'Statt als Gruppe zu leben und dadurch den Haß leichter zu ertragen, versucht Man, die jüdische Gruppe zu zerstören. Der Zionismus gab den Juden wieder ein Heimatsgefühl, so daß sie den Angriff leichter ertragen konnten." Auch hier scheint Herr Dr. Kanowitz ein schlechter Berater. Er meint, daß der Jude sich den Antisemitismus nicht tzu deuten vermag. Würden sich die Juden aber alle so verhalten, wie der Referent es wünscht, dann würde die Deutung des Antisemitismus nicht mehr ganz so schwer fallen. Würden die Juden nur als Gruppe für sich leben, dann gäbe es keine trefflichere Bestätigung der antisemitischen Ideologie, die diese Ausscheidung des Judentums aus dem Volksganzen zum A und O ihrer Argumentation macht. „Statt als Oruppe zu leben und dadurch den Haß Leichter zu tragen . . Cs ist gewiß isehr schön, dem alten Sprichwort nach- ^zuleben und geteilten Schmerz als Halden Schmerz zu fühlen. Aber das wichtigere ist uns deutschen Juden gar nicht jeinmal, die Anbilden bequemer zu tragen, als vielmehr, so zu leben, daß der Haß der Mitwelt immer weniger Be- Ired)tt9un9 erhält. Das ist ein viel Hochgemuteres Streben, und gerade das spornt unsere Arbeit an der jüdischen Persönlichkeit. Cs ist ein Irrtum, zu glauben, wir „rücken von dem gehaßten Teile ab". Im Gegenteil, wir bekennen -uns mit um so größerem Stolz zu der ^gefährdeten Sache, und dabei kann es -nur nützen, wenn uns die verblendeten ^Angriffe Gelegenheit geben, die eigene ^Persönlichkeit kritisch zu durchforschen, -ob nicht vielleicht irgendwo ein Bruchsteil der Mängel sich finde. Ein Verkriechen vor dieser Aufgabe der Selbsterkenntnis liegt wohl eher auf seiten derer, die als Antwort auf die juden- Mgnerische Offensive mannhaft erklär- J Len: Ich spiele nicht mehr mit! Cs mag bei dieser Gelegenheit scharf betont werden, daß die Wirkungen des Antisemitismus auf jeden Fall andere sind, als unsere zionistischen Glaubensbrüder sich das vorstellen. Cs entbehrt nicht des komischen Reizes, wenn überhaupt zur Zeit im zionistischen Lager die Antisemitenfrage nicht als ganz modern empfunden wird. „Gegen die Schande des Antisemitismus haben nicht wir zu kämpfen, sondern das deutsche Volk", heißt es in einer Rede von Rachum Goldmann über das Thema „Der jüdische Akademiker in Deutschland". Die Sache geht uns also nichts an. Es erinnert an jenen Mann im Lustspiel, der ein paar Ohrfeigen bekam, merkte, daß sein Angreifer sich in der Person geirrt hat und nonchalant erklärte: „Sie werden lachen, ich bin das gar nicht!" Aber hier wird die Clownerie schon zur Tragödie. Die nationalsozialistische Gefahr, die uns täglich schwerer bedroht, kennt keine Unterschiede in ihrer Wirkungsrichtung. Als Menschen wie als Juden wünschen wir unseren Glaubensfreunden im zionistischen Lager, daß ihnen die Augen rechtzeitig aufgehen, bevor sie ihnen gründlich übergehen! Vierzigstes Stiftungsfest der Badenia-Bavaria. Was alle Kenner unserer Korporation angenommen hatten, erfüllte sich. Trotz der Ungunst der Zeit erschien neben zahlreichen Kartellbrüdern die übergroße Mehrzahl aller unserer Bbr. zum 40. Stiftungsfest, um — die bunte Mütze auf dem Haupt — für einige frohe Tage ins Land der Jugend zurückzukehren. Schon beim Begrüßungsabend aus der Philosophenhöhe herrschte frohe Stimmung. Da trafen sich gar manche Jugendfreunde wieder, die sich Jahrzehnte nicht geschaut. Der Lebenskampf hatte Fallen in ihr Antlitz gegraben, die Haare waren grau geworden, aber die Augen waren jung geblieben und fanden rasch der Iugendgenossen fast vergessene Züge. Dazwischen viel Jungvolk mit hellem Blick und frohem Sinn. Im Tal rauschte der alte, liebe Neckar» auf dem anderen Äser lag Heidelberg mit den sanftgeschwungenen Konturen seiner anmutigen Landschaft unterm Sternenhimmel. Da weitete sich auch dem Sorgenbeschwertesten das Herz.

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