Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268973-2268982--3699-2272797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1 104 K. C.-Blätter Nachr.-Lest i . I 'li j nationalsozialistischen Doktrin ist. Der Kampf gegen „Marxismus" und „raffenden Kapitalismus" ist das Wesentliche, und weil mit diesen Begriffen das Judentum identifiziert wird, darum gilt uns allein die Feindschaft. Das mag den vielen, die nur deshalb mit der Hakenkreuzfahne laufen, weil sie in ihr das Signum des wirtschaftlichen Messias sehen, nicht in voller Scharfe bewußt sein. Gewiß votiert nicht jeder, der den nationalsozialistischen Stimmzettel nimmt, damit gewollt gegen das Judentum. Aber gefährlich ist auch er, denn er stärkt die Mittel derer, die mit voller Entschlossenheit den Todesstoß gegen uns bereiten. And besagt uns die immer krassere Aktivität der Hakenkreuzler, die schließlich auch eine langmütige Sicherheitsbehörde zu größeren Energien zwang, denn gar nichts? Läßt sie uns keine Zusammenhänge, keine geheimen Absichten ahnen? Das Rowdytum, dessen wachsende Dreistigkeit eine traurige Tagesrubrik der Zeitungen geworden ist, scheint uns mehr zu sein als die exzessive Betätigung der notorischen Gesindelelemente, die sich in den Nazi- Sturmabteilungen ein Stelldichein geben. Es scheint, als ob von leitender Stelle her planmäßig das Wegelagerertum gezüchtet wird, mit dem vorgefaßten Plan, der Iudenheit den Aufenthalt im deutschen Vaterlande unleidlich zu machen. Wenn wir sehen, daß mit auffallender Gleichförmigkeit der Terror in die Stätten der Erholung getragen wurde — Wiesbaden, Kissingen, Baden-Baden, Wannsee —, dann scheint es in der Tat als sollte dem Juden überall im deutschen Lande der Heimatsfrieden genommen werden. Das aber muß uns mehr bedeuten als eine akute Belästigung. Das wäre ein Generalangriff auf unser Heimatsgefühl. Auch innerlich will man uns entwurzeln und aus unserer Bodenständigkeit lösen, will uns zur Verbitterung und schließlich zur inneren Abkehr bringen gegenüber einem Volke, das uns die Gemeinsamkeit unerträglich macht. Niemals wird es dazu kommen bei uns selbstbewußten deutschen Juden. Gefährlich aber ist es, wenn solche Empfindungen sich als schleichende Gifte in die Brust der weniger Gefestigten senken. Hier erwächst die Aufgabe für uns auch innerhalb des innerjüdischen Lagers. Dabei können wir aber im Augenblick nichts weniger brauchen, als Auseinandersetzungen in den eigenen Reihen. Noch nie war die Stellung der Iudenheit so ge» fährdet wie jetzt, und die größte Gefährdung wäre es, wenn der schicksalsschwerste Augenblick ein kleinmütiges Geschlecht finde:: würde. Vielleicht auch waren wir noch nie so sehr auf unsere eigene Stärke angewiesen» denn das eine steht fest: Der Staat geht noch lange nicht mit nötiger Schärfe der nationalsozialistischen Bedrohung zuleide. Solange nur der Rotfrontbund — dem wir hier durchaus keine Träne nachweinen wollen — aufgelöst ist» nicht aber die Sturmabteilungen, solange haben wir nicht das Gefühl, daß der Staat mit gleicher Strenge jede Störung der Gesetzlichkeit verfolgt. Wer mit einigermaßen wachen Augen durch die Straßen geht, sieht heute allenthalben eine sehr bemerkenswerte Geschäftigkeit und Beweglichkeit der Nationalsozialisten sich regen. Nicht nur die Landplage ihrer Rüpeleien macht sich breit, man sieht zu häufigen Malen Hakenkreuzjünglinge durch die Straßen radeln, mit allen Anzeichen einer eiligen Mission oder auch mit dem Gebaren eines Patrouillenganges» man sieht kleinere Trupps marschieren am hellen Tage wie zu einer kommandierten Aedung. Die zahlreichen, überall aus dem Boden geschossenen Verkaufsstellen der tzakenkreuzpresse sind stets besetzt mit mehreren herumlungernden Parteigängern» die meistens infolge Arbeitslosigkeit genügend freie Zeit haben, und vielleicht jetzt Berufs- Nazi geworden sind. Ganz sicher ist, daß hen vielen, denen die geregelte Beschäftigung im Beruf verlorenging, die Parteiarbeit in jeder Hinsicht Ersatz geworden ist. Es gehört keine Gespensterseherei dazu, um solche Feststellung zu treffen, und absolut keine weittragende Phantasie, um hinter diesen Erscheinungen den Organisationsplan irgendwelcher Rüstungen zu wittern. Wir wissen nicht ob auch die Abwehr gerüstet ist von seiten des Staates. Wir wissen aber, daß von uns selber die Selbstwehr ge» rüstet sein muß. Landsknechtische Horden bedrohen uns; so muß man ihnen auf landsknechtische Manier begegnen. „Ein Mittel gegen Hieb und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.