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KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 103

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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liachr.-Left K. C.-Blätter 108;estatten dieser neuartigen Methode gegenüber, Vernunftehen zu schließen. Lin kräftiges Wort der Zurückweisung rber wollen wir sprechen gegenüber Dem Gerede vom „Antigermanismus gewisser jüdischer Kreise". Wir wissen Znicht wer mit dieser delphischen Bezeichnung getroffen werden kann. Wir deutschen Juden jedenfalls ganz sicher nicht. Wir wittern hinter diesem Wort „Antigermanismus" wieder einmal Idas Trugwort vom „undeutschen Wesen", das man nur ins Fremd-- ländische übersetzt hat. Eher schon ist diese überflüssige Rebersetzung, die zudem den wahren Sinn des Gemeinten verdunkelt, als antigermanistisch aufzufassen. . Auf alle Fälle paßt der Ausdruck schlecht in den Sprachschatz derer, die die „Synthese" wollen. Im Denkkreis der anderen, die auch im Gemeinleben sich als Antisemiten bekennen, galoppiert er weiterhin lustig umher. Lehrreich ist eine Aussprache, die in der Hamburger Aniversitätszeitung über dieses Thema sich erhoben hatte. Den Anstoß gab ein Artikel von Hans Beyer, der als Axiom aufstellte: „Dem Antisemitismus liegt ein Fremdheitsempfinden zugrunde. Dieses ursprüngliche und natürliche Gefühl darf nicht zerredet werden." Das Gefühl des Anderssein soll die Möglichkeiten einer Gemeinschaft negieren. Das aber ist eine verhängnisvolle Irrmeinung. Ist denn anders sein gleichbedeutend mit feindselig sein? Es ist doch nicht eine jede Verschiedenheit schon ein Gegensatz, und selbst die Gegensätze sind nicht immer Gegnerschaften. Seit wann kommt das Heil je vom Einseitigen her, und hat man denn noch nie die Lehre von der Unvollkommenheit des Individuums und vom notwendigen Ergänzungsfaktor vernommen? Wenn schon das Anderssein als schädlich empfunden werden soll, dann entspricht das dem sturen Arwäldlertum des primitivsten Wilden, der den Fremdling einfach darum haßt, weil er ihn nicht kennt. Darf man wirklich glauben, daß eine Einstellung, die zu den niedersten Stufen des Seelenlebens hinabführt, eine kulturelle Hebung bewirken kann? Schwerlich werden wir uns überzeugen, daß Inzucht nicht zur Entartung. sondern zur Veredlung führt. Das scheint auch der Artikelschreiber selber nicht einmal zu glauben. „Die Eindeutschung wertvoller jüdischer Elemente" will auch er begrüßen. Wir wissen nicht, wer über die Qualifikation zur „Eindeutschung" entscheiden soll, brauchen aber darum auch keine Sorge zu tragen, denn es ist etwas Aeberflüssiges, was da angedeutet wird. Rnter Eindeutschung versteht man einen Eingliederungsprozeß, der nicht mehr nötig ist, wo die Eingliederung längst vollzogen ist. Wären wir nicht längst verwurzelt und bodenständig im deutschen Heimatserleben, dann könnte die Frage unseres nationalen Werdens noch problematisch sein. Uns ist sie es längst nicht mehr, denn wir lösen die Frage der Nationalität nicht vom Körperlich-Materialistischen her, sondern vom Seelisch-Intellektuellen. Wirerlauben uns sogar, noch darauf stolz zu sein. Herr Beyer schließt die Debatte mit der Feststellung, der Antisemitismus sei eine Vorstufe zum Erkennen der nationalen Position. Wenn man diesem demagogischen Schlagwort einen Inhalt einfüllen will, dann nur den, daß es eine recht trostlose, die gedanklichen Zusammenhänge nicht verwertende Position ist, zu der der Antisemitismus seine Gläubigen führt. Weil er aber eine immer wachsende Zahl von Gläubigen findet, darum müssen wir mit Recht sagen, daß Deutschlands Zukunft düster umschattet ist. Der Nationalsozialismus ist der Schatten, der breit und dumpf auf Deutschlands Schicksal fällt. Weil Deutschlands Schicksal auch des deutschen Juden Schicksal ist, darum ist es auch zur jüdischen Lebensfrage geworden. Aber nicht nur darum! Viel unmittelbarer und unausweichlicher wendet sich der Nationalsozialismus an das jüdische Schicksal. Es ist nicht mehr wie in den Tagen der Deutschvölkischen, die von den heutigen Nazis sich betont unterschieden. Damals konnte man noch sagen, daß man den Juden schlage, die Republik aber meine. Heute ist es wirklich so, daß der Jude, dem man die Vernichtung androht, selber aufs Korn genommen ist. Es nützt, das zu wissen, denn erst das eröffnet die Perspektive auf das» was eine nationalsozialistische Machtposition uns bereiten kann. Es scheint wirklich, daß die Frage der Staatsform kein Hauptbestandteil der

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