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KC-Blätter · 1930-08-01 · Heft 7 (August 1930) · p. Seite 102

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 7 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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102 K. C.-Blätter Nachr.-Lest Amschau. Die Erklärungen, die anläßlich der bekannten Umschichtungen auf dem parlamentarischen Kriegsschauplatz von dem Führer des Iungdeutschen Ordens zur Iudenfrage abgegeben wurden, sind auch für uns nicht ohne Interesse. Vor allem sind sie lehrreich, denn sie zeigen, daß man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Synthesen trefflich streiten und ein System bereiten kann. Dabei handelt es sich nicht um die wohlbekannte Synthese zwischen Deutschtum und Judentum, auch nicht um die ebenfalls zeitgemäß gewordene zwischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold, sondern ganz etwas anderes, über alle Maßen Kühnes: Synthese von Judentum und Antisemitismus! Man lache nicht, denn es gilt nicht etwa den alten Scherz neu zu beleben, wonach aus dem Antisemitismus erst dann etwas wird wenn ein tüchtiger Jude sich seiner annimmt. (Auch das soll es im übrigen schon gegeben haben!). Herr Mahraun vielmehr entdeckt die Möglichkeit. zwei Gruppen einander zu nähern, deren in sich festgefügte innere Struktur und Willensrichtung die Annäherung verbieten müßten. Der Jude und sein Gegner sollen in sich und für sich bleiben, was sie sind, innerhalb der Gemeinschaft aber, die er trotzdem für möglich hält, soll die Feindschaft vergessen sein. Wenn wir einmal davon ausgehen, daß der Hochmeister einen wirklich klaren und nicht irgendwie verschwommenen Denkprozeß vorgenommen hat, dann propagiert er nichts anderes, als Spaltung der Menschenseele in einen individualistischen und einen kollektivistischen Bestandteil. Ich glaube, daß diese Frage, die schon die Gemüter der Zunftpshchologen bewegt hat, des Nachdenkens wert ist. Ganz sicher sind auch die Aufgaben des Erdenbürgers zwiefach bestimmt, entsprechend seiner Doppelstellung als Einzelwesen und Gemeinschaftsglied. Sicher ist, daß die Bedürfnisse und Wünsche, die aus der einen Stellung sich ergeben, mit denen aus der anderen kontrastieren können. Der Einklang zwischen beiden, und die Kunst, sie beide aneinander zu glätten, ist ja ein wesentlicher Bestandteil der Lebenskunst. Diese Lebenskunst wird sich aber stets eines wichtigen Hilfsmittels bedienen müssen, der Konsequenz. Sie erst ist das brückenschlagende, ausgleichende Moment, denn sie ist es, die eine einheitliche, das Auseinanderstrebende wieder zusammenführende Ziellinie schaffen kann. Die Konsequenz, mir der zwei Linien sich zur Anendlichkeit bewegen, bewirkt es, daß sich in der Anendlichkeit sogar die Parallelen berühren. Wo es aber hieran mangelt, wo kein einheitlicher Zielgedanke über die Zerklüftungen sich hinüberspannt, da fehlt die Vorbedingung jeglicher Zusammenfassung, Vereinigung, Synthese. And das ist es, was wir der „jungdeutschen" Ideologie vorwerfen müssen. Sie ist in sich selber schon inkonsequent. Im Innenkreis das Ariertum predigen bedeutet das Bekenntnis zur Isolierung machen. Wenn gleichzeitig behauptet wird, der Staat, der sich nur durch die rassische Einzelnormung lebensfrisch erhalten könne, bedürfe für sein Wohlergehen der Zusammenarbeit aller Kreise, ohne Anterscheidungen, — wo bleibt da die Konsequenz? Hier führt die Vereinigung zweier Gedankenrichtungen zu nichts anderem als zu dem Ergebnis, daß die eine die andere aus der Welt schaffen muß. So löblich es ist, daß die Abkehr des „jungdeutschen" vom jüdischen Element sich nur auf das hündische Innenleben beschränken soll» also nur Bestandteil interner Privatveranstaltungen sein soll, wo es weder schädlich noch in irgend einer Hinsicht überhaupt beachtsam ist, und dort, wo es um das Wohl des Staates geht» die Abkehr nicht mehr gelten so6 — es bleibt dann noch die eine Frage offen: Wozu? Wozu dann Eure 8plenäiä isolation, die Euch selber in den wichtigsten Fragen nichts mehr gilt, ursprünglich aber gedacht war, um in den wichtigsten Fragen die Rettung zu sein? Hier klafft ein tiefgründiger Widerspruch» eine Inkonsequenz, die den Weg zu einer befreienden gedanklichen Lösung versperrt. Wie weit die geplante äußere Zusammenarbeit davon tangiert wird» bleibt abzuwarten. Schließlich ist ja das der einzig wesentliche, und auch im Gebiet der Hochschulpolitik erscheinende Punkt. Eine gewisse Dosis Skeptizismus müssen wir uns schon

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