KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 7 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Lest K. C.-Blätter 101 nicht bloß, weil du das hohe und erhabene Ziel deiner langjährigen medizinischen Studien schon fast ganz erreicht hattest, sondern hauptsächlich deshalb, weil du ein scharf ausgeprägtes, jüdisches Ehrgefühl dir bewahrt und in einer Weise bekundet hast, durch welche die Gegner deines Stammes verstummen mußten. Auf deinen Höhen bist du gefallen, im Kampfe um die Ehre deines Glaubens ist die Waffe deiner Hand entfallen, und doch hast du mit deinem Tode viele entwaffnet; denn dein Hintritt ist wohl geeignet, den mit geistiger Blindheit Geschlagenen den Star zu stechen, den Verblendeten die Augen zu öffnen, damit sie es endlich einsehen und erkennen, daß sie von den Parteiführern und Fahnenträgern, von den Parteigängern und Anhängern des Antisemitismus ganz und voll gelten, die Worte der Schrift: „Vom Weinstücke Sodoms ist ihr Weinstock und von den Fluren Gomorrhas, ihre Trauben sind Wermuthstrauben, giftige Beeren tragen sie, Drachengeifer ist ihr Wein, ein'tötlich Gift der Nattern." Aus deinen Höhen bist du gefallen. Darum vernehme ich an deiner Bahre das Wort unseres dieswöchentlichen Thoraabschnitts: „Du sollst ringsum einen goldenen Kranz machen." Die Blumen, die deinen Sarg schmücken, sie werden welken und verdorren. Aber Heldenmut und Charakterfestigkeit, Gesinnungstüchtigkeit und Lleberzeugungs- Lreue, die ich dir im Namen von Tausenden nachrühmen muß, die bilden einen Kranz, der niemals verwelkt. Die Tugenden, welche dich zu Gott hingeleiten, sind Blumen, die niemals welken, die auch auf Erden nichts von ihrem paradiesischen Duft einbüßen. Das Opfer, welches im alten Israel pflichtgetreu für einen von unbekannter Hand Erschlagenen dargebracht wurde, sagen unsere Weisen, galt hauptsächlich den Scheelsüchtigen, den Mißgünstigen, den Hartherzigen. Nun, du bist nicht durch eine unbekannte Hand, du bist als Opfer des Rassenhasses und der politischen Parteileidenschaft gefallen. Wohl hat sich auch da wieder in erhabener Weise gezeigt, daß die Menschenliebe noch nicht aus jeder Brust entflohen ist; wohl haben dich deine Professoren, deine Lehrer und Kollegen mit aufopfernder Hingebung gehegt und gepflegt, wohl haben sie alles aufgeboten, um dich noch zu retten. Aber das ist bloß ein Trost für deine tiefgebeugte Mutter, für deine schmerzerfüllten Geschwister. Das ist ein Trost auch für uns. Aber das ist keine Sühne. Gesühnt wird dein Tod erst dadurch werden, daß die Hartherzigen wieder menschlich fühlen lernen, daß die haßerfüllten Seelen wieder für wahre Nächstenliebe empfänglich gemacht werden, daß wir alle aus der Tiefe der Barbarei uns emporraffen. Darum richte ich nicht bloß an euch, ihr Freunde und Kollegen des Entschlafenen, sondern auch an euch alle ihr Studierenden der Universität Freiburg, die ihr hier versammelt seid, meine Worte: Besinnet euch auf euch selber; bringet es euch heute zum klaren Bewußtsein, daß der Schild der deutschen Studentenehre unmöglich blank bleiben kann, wenn das Duell zum Meuchelmorde ausartet; besinnet euch auf euch selber, strecket an dieser Bahre hier in Wirklichkeit eure Waffen und reichet euch im Geiste die Bruderhand! Oh, daß sie doch durch deinen traurigen Fall aufgerüttelt an allen deutschen Universitäten dies endlich täten; dann wärest du wenigstens nicht umsonst so früh, gefallen! Nun, früher oder später werden sie es tun, werden sie es tun müssen. Dann wird aus deiner Gruft der Geist der Versöhnung emporsteigen, um die einst feindlichen Brüder noch näher aneinander zu bringen, dann wirst auch du das deine dazu beigetragen haben, den Frieden anzubahnen, welchen endlich herbeizuführen jeder Deutsche als heilige Pflicht, als nationale Ehrensache, betrachten muß. So zieh' denn hin zum Orte des ewigen Friedens, zu dem Orte, wo es für Rassenhaß und politische Parteileidenschaft keinen Raum gibt. Mögest du vor Gottes Richterthron als lichter Engel erscheinen, um Trost zu erflehen für die klaffende Herzenswunde deiner armen Mutter, für deine gebeugten Brüder und Schwestern, für alle, die um dich trauern. Mögest du aber Erleuchtung erflehen, für die in Finsternis Wandelnden, damit sie endlich in sich gehen und umkehren. Dann wird ihre Blutschuld versöhnt, dann wird dein unschuldig vergossenes Blut gesühnt sein. Möge Gott dem Tode seinen ' Stachel benehmen; möge er die Zähren trocknen von jeglichem Angesichte! Amen!