KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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74 St. C.-Blätter Nachr.-Left — flkadsmifcfie und allgem. Uatfirichten — Dev deutsche Waffenstudent tritt für seine Worte und Taten unbedingt ein! Diesen Standpunkt teilt auch die „Deutsche Landsmannschaft". Aber von Zeit zu Zeit merkt man, daß dieser Leitsatz nicht allgemein gilt, sondern nur „Ariern" gegenüber, und diesen gegenüber auch nur, wenn sie einer bestimmten, fest begrenzten sozialen Schicht angehören. Juden beleidigt man und kneift dann. Diese niedrige Gesinnung hat sich wieder einmal gezeigt, und deshalb soll folgender Vorfall hier wiedergegeben werden, dessen Beurteilung sich für jeden anständig denkenden Menschen, welcher politischen Anschauung und welchen religiösen Bekenntnisses er auch sein mag, von selbst versteht. In einem Kolleg sah sich der Verfasser dieser Zeilen veranlaßt, ein Mitglied der „Königsberger Landsmannschaft Marko-Ratangia" einer antisemitischen Aeußerung wegen zur Rede zu stellen. Der Marko-Ratange erklärte, er habe den Verfasser nicht beleidigen wollen, lehnte zwar Revokation und Deprekation ab, wechselte jedoch Karten. Am nächsten Tage überschickte Verfasser dem Marko-Ratangen eine Forderung, die dieser jedoch nicht annahm. Als Begründung erklärten er und sein anwesender Leibbursche dem Kartellträger: „Herren Ihrer Konfession geben wir keine Genugtuung". Dies veranlaßte natürlich den Kartellträger, sein Amt niederzulegen.und dann zu erklären: „In diesem Falle erkläre ich Sie für Feiglinge!" Diese Beleidigung, die für einen Waffenstudenten mit die schwerste ist, nahmen die beiden Herren ruhig hin und ließen auch die zur Erledigung solcher Angelegenheiten übliche Frist ungenutzt verstreichen. Rach chrem Ablauf erhielt die Landsmannschaft ein Schreiben, irr dem der Sachverhalt klargelegt und festgestellt wurde, daß auf die Beleidigung ihrer beiden Mitglieder durch unseren Kartellträger von ihrer Seite nichts erfolgt wäre. Rach einer Woche ging ein Schreiben der Marko- Ratangia ein, in dem sie den Empfang des Brieses bestätigte und mitteilte. „daß Unterfertigte das Schreiben ohne Stellungnahme ihrerseits zu den Akten des Konigsberger Waffenrings eingereicht hat". Dies Verhalten der Marko-Ratangen und die Stellungnahme der Landsmannschaft als Gesamtheit sprechen für sich selbst. Rur eins ist zu beachten: wie wollen Iungakademiker mit einer solchen Einstellung, derzufolge sie nur einen engen Kreis von Personen als gleich-, alle anderen als minderwertig betrachten, später in verantwortungsvoller Stellung, womöglich gar als Diener des Gänzen, als Beamte, wirklich Positives für das Volksganze leisten? Wenn die Studentenschaft sich nicht bald auf sich selbst besinnt und wieder akademische Jugend im besten Sinne wird, dann geht unser schon ohnedies schwergeprüftes Deutschland „herrlichen Zeiten" entgegen. Hans I s a k-o w s k i Frib. (X, F. M.) i. a. B. Umschau. Der Tod Werner Mahrholz' hat die Anteilnahme auch der politischen Gegner geweckt. Am so selbstverständlicher trifft die Verpflichtung uns, die wir in vielem seine Gefährten waren, seines frühen Linscheidens zu gedenken. An seinem Beispiel erlebten wir, daß Jungsein keine Frage des Lebensalters, sondern der geistigen Lattung ist. Der Vierzigjährige, der noch mit aller Verinnerlichung in den Regionen des Studententums lebte, erfuhr an sich selber, daß wahres Leben nichts anderes ist als immerwährendes Studieren, Lernen, Verstehenwollen. Darum müssen wir sein Leben beklagen um seines frühen Endes halber, es aber beneiden seines Reichtums wegen. Wir haben seine Art bewundert, auch da, wo unsere Wege sich gabelten. Er war kein Freund des Korporationenwesens. Aber er war ein Freund der wirklichen, ideal gedachten deutschen Studentenschaft. Seine praktische Leistung ist das aufmunternde Beispiel seines Wirkens, und ist, ganz real gesprochen, sein Verdienst, die deutsche Studentenfrage in die Publizistik