KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 K. C.-Blätter Nachr.-Left zu unserem Lande und unserem Volke, indem wir das Lied, das Lohe Lied der Deutschen anstimmen: „Einigkeit und Recht und Freiheit, find des Glückes Unterpfand, blüh' im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland " Zur Fruge des Verbundes jüdischer Ingenieure und Chemiker e. V. Von Kurt Dannenberg (Vin.) . Wenn ich erst heute das Wort ergreife, um zu den Ausführungen Werner Cohns in der Märzausgabe der K.C-Blätter Stellung zu nehmen, so hat dies daran gelegen, daß ich glaubte, über den Verband jüdischer Ingenieure und Chemiker kein Urteil fällen zu dürfen, bevor ich ihn nicht selbst in seiner Arbeit beobachten durfte oder an einer seiner Sitzungen teilgenommen hatte. Nun, da ich letzteres getan habe, halte ich es für berechtigt, Kritik an dem Aufbau und der Tätigkeit dieses Verbandes zu üben, Kritik weil nach den schönen Ausführungen Werner Cohns doch leicht ein falsches Bild von dem wahren Charakter dieses Verbandes in den Augen der Kbr. entstehen könnte. Werner Cohn hat selbst die Argumente, die gegen die Gründung des Verbandes ausgesprochen worden sind gegliedert: „1. Ist eine Zusammenarbeit aller jüdischen Kollegen, wie es im Verbände geschehen soll, möglich und opportun? 2. War die Gründung einer neuen Organisation notwendig bzw. birgt sie nicht Gefahren in sich?" Bei Beantwortung der ersten Frage begnügt sich Werner Cohn mit dem Beweis der Unparteilichkeit des alle jüdischpolitischen Richtungen umfassenden Verbandskreises. Doch geht er über die Frage der Opportunität eines! derartigen Verbandes viel zu schnell hinweg. Das Arbeitsgebiet des Verbandes umfaßt drei Gruppen: Arbeitsvermittlung, Arbeitsbeschaffung, Berufsberatung, d. h. der Verband wird eigentlich zu einem reinen Stellenvermittlungsbüro. Doch wie dachten sich die Gründer des Verbandes die Stellenvermittlung? Ohne auch nur den geringsten Konnex mit jüdischen Kreisen in der Industrie zu haben, mit jüdischen angestellten Ingenieuren ist es für einen Verband, der zu 90 Prozent aus Stellungslosen besteht, ganz unmöglich, fruchtbare Arbeit zu leisten. „Ja, Verbindungen Haben wir schon angeknüpft mit Logen, dem jüdischen Arbeitsamt usw" sagte man den Anwesenden in der ersten Mitgliedersitzung. Doch was kam dabei heraus? Die ganze üblich Tatsache, daß durch die Tätigkeit des jüdischen Arbeitsamtes vielfach nur Schaden, aber kein Nutzen für das Fortkommen der jüdischen Techniker entstand. Folgendes Beispiel: Beim Vergeben von Arbeiten der Jüdischen Gemeinde Berlin an die Industrie verlangt das Arbeitsamt von Firmen die Einstellung eines gewissen Prozentsatzes jüdischer Arbeiter und Angestellter. Mit dieser Taktik erreicht das Arbeitsamt für die Gesamtheit der jüdischen technischen Angestellten gar nichts, im Gegenteil, es bringt ihnen nur Schaden, selbst wenn die eine oder andere Firma dem Verlangen des Arbeitsamtes zunächst nachkäme. Hätte sich das Arbeitsamt bei Vergebung seiner Aufträge für den Bau der' Synagoge in Berlin- Wilmersdorf, Prinzregentenstraße, darüber orientiert, welche Firmen judenfreundlich bzw. judenfeindlich ein-- gestellt sind und danach seine Aufträge vergeben, so hätte es nicht das Dedacle erlitten, einer christlichen Firma den Bauauftrag unter der Bedingung der Einstellung eines bestimmten Prozentsatzes jüdischer Arbeiter zu übergeben, einer Bedingung, ohne daß das Arbeitsamt etwas dagegen unternehmen konnte. — Doch zurück zu der Tätigkeit des Verbandes jüdischer Ingenieure. Vorausgesetzt, daß es wirklich den leitenden Stellen des Verbandes gelingen sollte eine einigermaßen mit guten Beziehungen ausgestattete Stellenvermittlung in die Wege zu leiten, so erwächst hieraus eher Schaden als Nutzen. Eine derartige Tätigkeit des Verbandes, die zudem noch sofort in der Öffentlichkeit bekannt werden würde, würde jedem jüdischen Ingenieur die Benutzung der Stellenvermittlungen anderer großen Ingenieurorganisationen vollkommen unmöglich machen. Es brauchen nur die richtigen Herren in der Leitung der betreffenden Organisationen zu sitzen, die es bei der ersten Gelegenheit fertigbringen werden, dem jüdischen Ingenieur zu sagen: Wende dich in der Stellenangelegenheit doch an deinen eigenen Verband! —Heute