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KC-Blätter · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. Seite 70

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 K.C.-Blätter Nachr.-Äest unserer jüdischen Ahnen, die Verwortlichkeit vor der Geschichte, die Verantwortlichkeit vor der Größe unserer Ehre, die Verantwortlichkeit vor der Größe unserer geschichtlichen Aufgabe, und es sei ruhig gesagt, ^wenn wir uns das auserwählte Volk nennen, es mag dieser Ausdruck noch so sehr angefeindet werden, wir wissen, was er bedeutet, nicht in Rechten auserwählt, nicht auserwahlt zu dem Zwecke, andere zu beherrschen und über andere sich selbst zu stellen, sondern auserwählt für den heiligen Gottesnamen, für die Ehre der ewigen Sittlichkeit, die der jüdische Gedanke in sich einschließt und immer wieder einschließen wird. Da ist es allerdings die Aufgabe, die Rassenhaftigkeit aufzugeben, diese Rassenhaftigkeit, dieses Rechnen um den persönlichen Vorteil, um die äußere Stellung im Gegensatz zur inneren Wertung, diese Aufgabe, sie kann nur erfüllt werden durch eine starke und eine strenge Selbstzucht im Inneren, und wenn diese Selbstzucht bei uns das Aeußerste von dem Einzelnen verlangt, so ist nicht zu viel verlangt, sondern es ist eher zu wenig verlangt, weil hierin die ganze Stärke des deutschen und des jüdischen Menschen enthalten ist, und Spengler hat unrecht, wenn er uns als die magischen Menschen bezeichnet. die im Gegensatz zu den faustischen stehen, die magischen Menschen, die abgeschlossen sein sollen in sich selber. Rein, wir kennen oie Entwicklung genau so wie jeder andere moderne Mensch, die Entwicklung zur inneren Festigkeit, zur inneren Ehrenhaftigkeit, zur Selbstverantwortlichkeit. A.nd muß sie überwunden werden, so müssen wir das Doppelte von dem leisten was andere Menschen leisten und müssen das Doppelte an Anforderungen erfüllen, was von Menschen verlangt werden kann, denn wir sind unter einem Gestirn geboren, wie der Jude immer geboren war, das von ihm Ueberwindungen verlangt, das die Gegensätze ihm vor Augen hält und das ihm zeigt, sein Leben bereichert sich nur dadurch, daß der Mensch über Gegensätze hinwegkommt in der Lösung der inneren und der von sich selbst ihm gegebenen sittlichen Verantwortung, die ihn gutmacht, die ihn erhebt in trüben und in schlimmen Lagen. Und endlich das Vierte neben der Wehrhaftigkeit, neben der Freundschaft, neben der Selbstzucht, das sei gezeichnet mit dem einen Worte „die praktische Verwirklichung des Idealismus". Viele von Ihnen werden sagen, was nützt uns heute der Idealismus, heute nützt nur das reale Leben. Und doch war die Lösung falsch. Der Erfolg im realen Leben ist zu keiner Zeit so schwer voraussehbar gewesen, wie zu der heutigen Zeit. Wir wissen nicht, was bringt das Los, was wird in fünf Jahren sein? Umgestürzt kann alles feilt und alle die reich waren, sie können arm werden und alle, die äußerlich geehrt waren, sie können äußerlich mißehrt sein. Ewig bleibt aber jene innere Ehrenhaftigkeit, jenes Ideal, das man bezeichnet hat in der deutschen Sprache und im deutschen Volke als den Inbegriff der Ritterlichkeit, das ist die Forderung, die der Mensch dem anderen Menschen gegenüber stellen kann. Ritterlichkeit oder etwas ähnliches, was in den romanischen Ländern bezeichnet wird als das Kavaliertum im besten Sinne des Wortes, nicht nur das äußere Kavaliertum unter Menschen den Menschen gegenüber, sondern jenes innere Kavaliertum, das fern ist von einem unberechtigten Eigenwillen, das dem Anderen hilft und das den anderen Menschen erhebt, oder, wie es die Engländer ausdrücken, das Leben des Gentleman, das Leben desjenigen Menschen, der dem Anderen entgegenkommt, der in dem Anderen die Menschenwürde sieht. Zu diesem Ideal der Ritterlichkeit, des Kavaliertums und des gentlemanliken Verhaltens kommt nun noch ein altes jüdisches Erbe, und eine alte jüdische Forderung, nämlich die höchste Ehre, die ein Jude in seiner Gemeinschaft erlangen kann, das ist die Ehre, den Namen eines Zadiks zu erlangen. Das ist das große Ideal, speziell des jüdischen Menschentums, der Zadik» nicht nur ein Mensch, der Gerechtigkeit liebt und gerecht ist, sondern ein Mensch, der nicht nur von Wohltätigkeit erfüllt ist, sondern der ein Wohlwollen hat für seinesgleichen. Nicht nur das Formale, sondern das Inhaltliche, das. soll in dem Zadik erzogen und begründet werden, und so reiht sich neben Ritterlichkeit, neben Kavaliertum, neben dem Gentleman

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