KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4-5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Otachr.-Left K. C.-Blätter 69 wir weiter als zweiten Gesichtspunkt neben dieser Wehrhaftigkeit heute noch den Begriff der Freundschaft unserer Bewegung zugrunde legen werden, so stehen wir vor dem Problem des Verhältnisses vom Ich zum Du, einem Problem, das nicht gelöst werden kann allein damit, daß man in weichlicher Nachgiebigkeit seine eigene Person annulliert, sondern einem Problem, das um so schwieriger ist, als wir gerade am Beginn unserer Ausführungen kennen gelernt haben, daß in der heutigen Zeit die Entwicklung des Ich auf eigengesetzlicher Grundlage eine Forderung ist, die sich allen Menschen in dieser schwierigsten Zeit offenbart, weil jeder die Zeit überwinden will und überwinden muß in eigener Verantwortung und aus dem eigenen Selbst heraus. Aber trotzdem, das Problem des Ich und Du, das ist nicht das Problem des Hinübergleitens des Ich in das Du, sondern die Anerkennung der Wertigkeit desjenigen Menschen, der auf der gleichen sittlichen Grundlage das gleiche Ziel erstrebt, der auf der gleichen sittlichen Grundlage stehend dem anderen innerlich nahekommen will unter der Voraussetzung, daß das Eigenpersönliche in ihm geachtet und verehrt wird und unter der Voraussetzung, daß alle Opfer gebracht wer- > den können, nur nicht Opfer der Aeberzeugung und nur nicht Opfer, die entspringen aus einer charakterlosen Angleichung. Sodann haben wir immer darnach gestrebt und werden diese Grundlage niemals verlassen, daß das Ich und das Du sich vereinen unter eigener Betonung der eigenen berechtigten Anschauung des einzelnen Mannes. Daß wir lernen, uns aneinander zu schließen, ohne uns charakterlos aneinander zu schmiegen. And dieses Knorrige, dieses unter Umständen Harte, das soll die Jugend lernen, weil sie dadurch am allerersten zum Opfer für das Du in der Notzeit erzogen wird, weil sie herauskommen soll aus der Summe der Redensarten, die gerade heute wie noch nie zu unserer Zeit, insbesondere das jüdische Leben beherrschen. Denn wenn Sie sich Umsehen in unserer jüdischen Welt und vergleichen, was wird gesprochen und wie wird gehandelt? Wenn Sie den Apparat vergleichen mit dem Erfolge, den er erzielt, so werden Sie vielfach zu traurigen Ergebnissen kommen. Wir haben uns eingesponnen zum Teil in eine Art von Phraseologie, die nicht im entferntesten das hält, was sie ausspricht und auch nicht halten kann, was sie ausspricht, weil sie im Denken den Dingen nicht folgen mag. Darum das Opfer des Ich an das Du und vor allen Dingen die Angleichung an die Ideale und diese Angleichung im Denken. Sie schaffen damit jene Verbindung, die die wahre Freundschaft, eine an sich und in sich begeisterte Jugend allein entwickeln kann. Wehrhaftigkeit und Freundschaft, das waren die beiden Säulen, die ich zuerst aufgebaut habe und die weitere Säule, sie ist auch eine Säule, die nicht poliert ist, und zwar aus edelstem Marmor stammt, aber noch nicht glatt und glänzend in der Oeffentlichkeit sich zeigen kann, weil sie erst im Laufe der Jahre, im Laufe der Menschenleben abgeschliffen werden kann, das ist die Säule, die der Begriff der Selbstzucht in unseren Reihen darstellt, weil wir erkannt haben, daß viese Selbstzucht eine unbedingte Voraussetzung ist für das große Problem, das aus dem Starken im Menschen das Werden einer neuen Zeit herstellt. Diese Selbstzucht ist es immer gewesen, die uns in manchen Kreisen verdacht worden ist, weil wir streng zu uns und streng zu unserem Nachwuchs gewesen sind. Diese Selbstzucht, die vor allen Dingen in der Forderung der absoluten Ehrenhaftigkeit bestanden hat, besteht und bestehen wird, weil in dem Augenblicke, wo wir diese Forderung der Ehrenhaftigkeit aufgeben würden, wir uns selbst aufgeben würden. Ehre bedeutet sprachlich genommen nur Glanz, Glanz nach außen. Ehre hat aber im Laufe der Jahrhunderte einen inneren Charakter angenommen, nämlich den Charakter, daß man aus einem sittlichen Gesichtspunkte heraus seine Taten und auch sein Denken beurteilen muß und das ist schwer in einer Zeit, wo der Anfechtungen so viele sind, wo wir in einer geistigen und in einer wirtschaftlichen Revolution leben, wo alles erschüttert wird, was erschüttert werden kann, wo aber nicht erschüttert werden darf der Begriff der Ehrenhaftigkeit. Er ist das kostbare Erbe