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KC-Blätter · 1930-05-01 · Heft 4-5 (Mai 1930) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 4-5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Nachr.-Lest K. C.-Blätter 67 den 27. April, fand man sich zu einem Abendessen mit Tanz in dem herrlichen Ahlenhorster Fährhaus zusammen. (Ls herrschte eine außerordentlich fröhliche Stimmung. Aach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden unseres Landesverbandes hielt Kbr. Blumenthal (Spreviae) die Damenrede. Wir hoffen, daß die Zurückhaltung, die sich Blumenthal offenbar in der Wahl seiner Pointen auferlegt hat, doch nicht so groß gewesen ist, daß nicht die Mehrzahl seine Worte richtig aufaefaßt hat. Erfreut wurden die Hamburger durch die herzlichen Worte des Dankes, den Kbr. Berlak (Ghibellinia) den Hamburger K. E.ern widmete. Wenn es auch eine Alte Herren- Tagung war, so hatten Stimmung und die Anwesenheit vieler anmutiger Damen die Gesellschaft verjüngt. Es herrschte eine Tanzlust, die sogar zu einem Semestertanzen führte. Ich hätte das letztere allerdings gern verschwiegen; denn ich war bedauerlicherweise zu dieser ziemlich späten Stunde der älteste anwesende K. C.er (69 Semester). Aber ich habe, wenn vielleicht auch nicht der mit mir tanzenden Dame, so doch den Anwesenden durch diesen Solotanz Vergnügen bereitet, und Vergnügtes soll man in der heutigen Zeit ruhig erwähnen. Aus dem Munde mancher Teilnehmer vernahmen wir beim Abschied dasselbe, was auch wir Hamburger wünschen: Recht bald wieder zu einer so behaglichen Tagung den K. C. hier versammelt zu sehen! Am das Zustandekommen und den Verlauf der Tagung hat sich der rührige Vorsitzende unseres Hanseatischen Landesverbandes, Kbr. Dr. W. Jacobson (Visurgiae), sowie der Kassenwart Kbr. Taitza (Saxo-Bav.) großes Verdienst erworben. Albert Holländer A. H. Friburgo-Ghibelliniae). Rede auf dem Kommens, gehalten von Dr. Ludwig Holländer. Meine lieben Kartell- und Bundesbrüder! Sehr verehrte Damen und Herren! Wir stehen am Vorabend einer Tagung, die auf Selbstbesinnung gestellt ist. Am Vorabend einer Beratung, die eine Nachprüfung unseres Seins und unserer Entwicklung zum Gegenstand ihrer Erörterung hat. Eine Bewegung, die 40 Jahre alt ist, ist in unserer heutigen Zeit immerhin eine Bewegung, die einen geschichtlich verantwortungsvollen Charakter in sich trägt, um so mehr, als sie diejenige Bewegung ist, die als erste jüdische Jugendbewegung der modernen Zeit angesprochen werden kann. Zu der Zeit, als in Breslau die Viadrina ihre Farben aufsetzte und an die allgemeine Oeffentlichkeit trat, war dieser Schritt ein Ereignis, das man heute nicht mehr ganz verstehen kann, wenn man berücksichtigt, daß damals der Einzug in ein eigenes jüdisches Haus als etwas Annützes, als ein Zweckloses bezeichnet wurde von Männern und Frauen, die den Geist der Zeit noch nicht erkannten, und wenn wir uns als die erste jüdischen Jugendbewegung mit Recht bezeichnen können, so wissen wir, daß dieser ersten Bewegung viele gefolgt sind, daß aber unsere Bewegung insofern einen einzigartigen Charakter bewahrt hat, als ihre Voraussetzungen bisher im wesentlichen von keiner anderen Bewegung befolgt worden sind. Denn nicht die Summe des Wissens, nicht die Summe etwa der Masse der Kenntnisse auf jüdischem und auf deutschem Gebiete war das Ziel unserer Bewegung, sondern geblieben ist uns das Bestreben, das zum Mittelpunkt hatte und immer noch hat den jüdischen Studenten deutscher Abkunft, deutscher Volkszugehörigkeit und deutscher Zukunftshoffnung in seiner Menschlichkeit und letzten Endes in der Erhaltung dieser Menschlichkeit. Das Subjektive, das in der Würde Liegende soll für uns das Entscheidende sein, nicht das, was man sich aneignet, sondern das, was man ist und was man aus sich machen soll und aus sich machen kann. Kant hat einmal ausgesprochen: „Bestimme Dein Wesen aus Dir selbst" und er hat damit ausdrücken wollen, daß das alte Wort des griechischen Philosophen, „der Mensch ist das Maß aller Dinge" heute noch gültig ist. Er hat auch damit ausgesprochen, daß die Frage der eigenen Persönlichkeit in einer Zeit bedeutsam ist, da wir gerade in der jetzigen Zeit immer mehr und mehr zur Erkenntnis kommen, daß das Alte verschwunden ist, daß wesentliche Teile der Geschichte abgelaufen

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