KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (April 1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 50 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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50 K. C.-Blätter Nachr.-Lest und dem Höllenmaschinenanschlag auf das Elisabethstädter Kasino in Budapest gipfelte, wird die Wegstrecke unschwer ermessen können, den die ethische und politische Selbstläuterung unserer Nation zurückgelegt hat. Daß ein aktiver Minister ohne ängstlichen Seitenblick auf das rassenschützlerische Fähnlein sich mit so eindeutiger Entschiedenheit gegen den antisemitischen Wahnwitz kehrt und die Fahne der nationalen und konfessionellen Eintracht entrollt, ist gewiß ein verheißungsvolles Zeichen der Umkehr. Wo sind heute die Erwachenden Ungarn? Ihr Lager hat sich aufgelöst, die wenigen Fanatiker der alten Garde werfen nicht mehr Bomben in Ballsäle, legen nicht mehr Höllenmaschinen in Klublokale, sondern besudeln einander mit Wurfgeschossen aus der Gosse. Graf Klebelsberg hat sich auf seine Novelle zum blumeru5-elau8u8-Gesetz berufen, die alles ausmerzt, was für das Judentum verletzend war. Aber der dlumeru8 e1au8U8 selber ist noch immer da. Wir können dem Grafen Klebelsberg versichern, daß ein Gesetzesantrag auf völlige Abschaffung des dlumeru8 e1au8U8 weder in der öffentlichen Meinung, noch in den beiden Häusern des Reichstages auf nennenswerten Widerstand stoßen wird. Der dlumeru8 e1au8U8 ist eine faule Frucht am ungarischen Baume, wer sie abschüttelt, kann des allgemeinen Beifalls sicher sein, ausgenommen des Beifalls jener Würmer, die aus der Fäulnis ihre Nahrung ziehen." Freilich ist diese Aeußerung eines freidenkenden Blattes nicht das einzige Echo geblieben. Die ungarischen Regierungsparteien haben es ihrem Koalitionsfreund außerordentlich verübelt, daß er in ihr antijüdisches Hetzkonzert die unpassenden Töne einer interkonfessionellen Friedenswerbung einschmuggelte. Es wäre in der Tat fast zu einer Regierungskrise gekommen, an der offensichtlich wieder die Juden schuld gewesen wären. Interessanterweisr hatte die Konferenz der zur Regierungsmehrheit gehörenden Ehristlichsozialen Wirtschaftspartei einen Beschluß gefaßt, in dem nicht nur die in einer Festversammlung der Pester Israelitischen Religionsgekmeinde gesprochenen Rede des Kultusministers Grafen Klebelsberg mißbilligt, sondern auch noch erklärt wird, daß die Partei die politischen Konsequenzen ziehen werde, wenn Graf Klebelsberg in jener Rede eine neue politische Orientierung gekennzeichnet haben sollte. Der der Konferenz beiwohnende Volkswohlfahrtsminister und stellvertretende Ministerpräsident Dr. Vaß hatte sich ausdrücklich gegen die Fassung eines solchen Beschlusses ausgesprochen und empfohlen, sich vor der Beschlußfassung um Aufklärung an den Kultusminister zu wenden. Dr. Vaß wurde aber von seiner eigenen Partei, die ihn als Vertreter in das Kabinett entsandt hat, niedergestimmt. In der Konferenz führte Abg. Desider Buday aus, Graf Klebelsberg „habe bei der Jubiläumsfeier gesagt, daß er vor der Abstimmung über das Gesetz betreffend den Numerus clausus den Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses verlassen hat; dieses Verhalten entspreche seiner politischen Vergangenheit. Graf Klebelsberg wollte sich offenbar ein Alibi verschaffen, wobei er aber jene Tätigkeit vergessen zu haben scheint, die er 1920 entfaltet hat. Im Jahre 1921 hat Graf Klebelsberg die Ehrung durchaus nicht von sich gewiesen, als Präsident imAnterrichtsausschuß die Beratungen über den I^umeru8 e1au8U8 zu leiten und den Ausschußbericht zu unterzeichnen. Der Kultusminister hat keine Prinzipientreue bewahrt. Bei den zu seinem Wirkungskreis gehörenden Kunststätten sind die jüdischen Angestellten in der Mehrzahl." Glücklicherweise hat man aber eine Einigungsformel gesunden, mit der sich alle Parteien zufrieden gegeben haben, mit Ausnahme zwar der wieder einmal geprellten Iudenheit, dafür aber mit Einschluß ihres neugewonnenen Freundes Graf Klebelsberg. Die Beruhigungsformel ergibt sich aus folgender Erklärung der ParteikorrespondenzderEinheitspartel: „An eingeweihter Stelle wird betont, daß Graf Klebelsberg, als er zur Festversammlung der Pester Israelitischen Kultusgemeinde erschienen ist, bloß einem schon früher gegebenen Versprechen nachgekommen war. Die Feier bewegte sich frei von jeglicher Politik. Minister Graf Klebelsberg hat keine politischen Erklärungen abgegeben und lediglich einige Reminiszenzen. aufgefrischt. Anderes lag