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KC-Blätter · 1930-04-01 · Heft 3 (April 1930) · p. Seite 49

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 49 (sequence 13)
Language
German
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Rachr.-Lest K. C.-Blätter 49 veralteten Standesauffassung darstelle. (Begründung zum amtlichen Entwurf S. 136.) Dieser Begründung des Entwurfs kann im Prinzip nichts entgegengehalten werden. Es kommt nicht einmal selten vor, daß Leute nur um einmal Säbel zu fechten, sich gegenseitig eine Beleidigung an den Kopf schleudern, die eine Säbelmensur zur Folge hat. Ganz abgesehen noch von der Würdigung der Motive'ist der Kampf des Entwurfs gegen den Zweikampf als Mittel zur Austragung von Ehrenhändeln auch insofern berechtigt, als es sich bei der Säbelmensur nie, oder wenn, dann nur ganz zufällig, um körperlich oder sportlich gleichwertige Paukanten handelt. Es kann also von einer Mut- und Tapferkeitsprobe und einem Mut- und Tapferkeitsbeweis nur selten die Rede sein. So bleibt aus verschiedenen Gründen zu erwägen, welche Konsequenzen sich ergeben, falls der vorliegende Strafgesetzbuchentwurf zur endgültigen Annahme gelangt. Graf Klebelsberg als Judenfreund. Der ungarische Kultusminister hat die undankbare Aufgabe, als Spitze der ungarischen Hochschulverwaltung zum Kugelfang aller Angriffe zu werden, die das in seinem Nahon gepflegte I§umeru8-e1au8U8- System als kulturwidrige Ungerechtigkeit bekämpfen. Er könnte, da er den Posten eines Exponenten solcher Politik ja freiwillig übernommen hat, in den Verdacht geraten, selber den judenfeindlichen Bestrebungen nicht abhold zu sein. Wenn dem aber nicht so ist, dann muß man ihn freilich bemitleiden, als einen Mann, der zweifellos hart mit seinem Gewissen zu ringen hat. Aach den neuesten ungarischen Meldungen gewinnt eine solche Wahrscheinlichkeit Boden. Anläßlich einer von der Pester Israelitischen Gemeinde veranstalteten Festsitzung war auch der Kultusminister erschienen, und zwar nicht nur als stumme Zier, sondern als sympathisierender Sprecher. Mit folgenden — einem Jta-Bericht entnommenen — Worten, die den Beifall aller Gerechten verdienen, wandte er sich an seine jüdische Zuhörerschaft: „Wenn ich heute als Kultus- und Anterrichtsminister hier erschienen bin, so habe ich einer großen Konfession gegenüber nur meine Pflicht erfüllt. Es bedarf einer festen Koalition zwischen Staat und Konfession. Man soll nicht bei der nationalen Einheitsfront stehen bleiben, sondern auch eine konfessionelle Einheitsfront bilden. Es wäre ein großer Irrtum zu glauben, in dem großartigen Werke des Wiederaufbaus könnte die ungarische Nation der gewaltigen, geistigen und moralischen Energien entraten, die die jüdische Konfession repräsentiert. Mein Freund Dr. Desi hat ganz offen auf die Wunde hingedeutet, die das ungarische Judentum schmerzt. Ich möchte dieses leidige Problem hier nicht weiter erörtern, aber Sie wissen ja, daß ich einerzeil das Numerus-e1ausu8-Geseß »nicht votiert Habe; ich bin in das Couloir des Parlaments hinausgegangen und habe von allem Anfang an betont, daß dieses Gesetz die Quelle zahlreicher Aebelstände sein werde. Durch eine neue gesetzliche Verfügung habe ich erwirkt, daß in formalem Belange alles ausgemerzt werde, was für das Judentum verletzend ist. Im Kabinett Tisza war ich mit Leopold Vadosz Staatssekretär. Später, ich war bereits Minister, besuchte ich den schwerkranken Freund und fragte ihn, wie er sich fühle. Er sagte zu mir: „Als Angar habe ich zwei Drittel meines Vaterlandes verloren. — Als Jude sehe ich, daß sich meine Glaubensgenossen in einer drückenden Lage befinden." Ich gab ihm, den ich nicht mehr Wiedersehen sollte, die feierliche Versicherung, daßich, sobald dies die politische Lage zulasse, alles daran setzen werde, um wieder eine einheitliche nationale und konfessionelle Front zustande zu bringen, wie sie nach dem Ausgleich geschaffen wurde. Diese Auffassung wird für mich in meiner privaten und offiziellen Tätigkeit stets maßgebend sein." Anter der Einwirkung dieser Worte hat der „Pester Lloyd" folgende Ausführungen gemacht: „Das war nicht eine Ministerrede wie jede andere; in ihr kündigte sich eine Etappe an, die die Gesundung unseres öffentlichen Lebens nun schon seit Jahr und Tag erreicht hat. Wer heute zurückdenkt, an die Schreckenszeit, die in den Tagen von Orgovany, in dem Bombenwurf von Zsongrad

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