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KC-Blätter · 1930-04-01 · Heft 3 (April 1930) · p. Seite 46

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 46 (sequence 10)
Language
German
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46 K.C.-BläLter Nachr.-Left werte, die dieser Maßnahme zum Opfer fallen, gefährde die Angehörigen des akademrsch-technisch-natürwissenschaftlichen Berufskreises in besonders starkem Maße, da er für einen großen Prozentsatz der Betroffenen das Ende ihrer akademischen Berufslaufbahn bedeute, und für die gesamte Volkswirtschaft wertvollste schöpferische Geisteskräfte brach lege. Üeber diese Wirkungen sei man sich in weiten Kreisen der Arbeitgeber bisher noch nicht klar geworden. Redner zeigte an einer Statistik des Zentralstellenachweises für naturwissenschaftlich-technische Akademiker, mit welch jahrelang andauernder Stellungslosigkeit heute Hunderte von technischen Akademikern rechnen müssen, wenn sie zur Aufgabe ihrer Tätigkeit gezwungen wurden. Die Lage der Stellungslosen werde noch dadurch verschärft, daß sie sich bei langer Stellungslosigkeit ihrem eigentlichen Arbeitsgebiet immer mehr entfremden und sich die Unterkommens- Möglichkeiten infolge zunehmenden Alters immer mehr verringern. Auch für den technischen akademischen Nachwuchs, der heute unter Aufbietung erheblicher Kosten (11 bis 13 000 M.) nach 5- bis 7jährigem Studium eine Berufsmöglichkeit suche, bieten sich keinerlei ausreichende Unterkommens- Möglichkeiten in Industrie, Handel und Gewerbe, und es sei die Frage aufzuwerfen, welches Aequivalent Staat und Wirtschaft diesem jungen akademischen Nachwuchs bieten könne, nachdem jahrelang nichts geschehen ist, um durch entsprechende Aufklärung und Warnung den unnatürlichen Andrang zu den technisch-naturwissenschaftlichen Studienfächern auf den Hochschulen und Universitäten einzudämmen. Es handle sich nach Lage der Dinge darum, neben der Linderung der entstandenen bzw. entstehenden materiellen Notlage der abgebauten Akademiker Einrichtungen zur wissenschaftlichen Weiterbildung und Erhaltung der erworbenen praktischen Erfahrungen zu schaffen und neue Berufsmöglichkeiten für den technischen Akademiker zu finden. In Gemeinschaft mit den Arbeitgebern der chemischen Industrie und dem Verein deutscher Chemiker ist seitens des Bundes angestellter Akademiker technisch-naturwissenschaftlicher Berufe e. V. hier schon wichtige Vorarbeit geleistet worden durch die Schaffung der Karl- Goldschmidt-Stelle für chemisch-wissenschaftliche Betriebsführung, deren Hauptaufgabe es ist, neue Betätigungs- Möglichkeiten für Chemiker zu suchen. Da es fraglich erscheint, inwieweit bei der finanziellen Lage des Reiches von dieser Seite Durchgreifendes geschehen könne, wird in Vorschlag gebracht, daß seitens der Industrie stillgelegte Laboratorien in verschiedenen Teilen des Reichs den stellungslosen technischen Akademikern zur wissenschaftlichen Weiterarbeit geöffnet und die erforderlichen Rohmaterialien im Stiftungswege oder gegen geringstmögliches Entgelt zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig werde die Forderung nach ausreichenden Abbauentschädigungen erhoben, die aber nicht allein vom Gesichtspunkt der reinen Existenzfristung oder des erleichterten Üeberganges in eine andere Berufsstellung zu betrachten seien, sondern den technischen Akademikern weitgehend die Erhaltung ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit während der Zeit der Stellungslosigkeit mitermöglichen sollen. Solange eine gesetzliche Regelung fehle, sollte die Industrie auch hier freiwillig den Versuch machen, in zweckentsprechender Weise zu helfen, um die Proletarisierung einer Berufsschicht zu verhindern, die mit das wichtigste Aktivum technischer und wirtschaftlicher Wiederaufbauarbeit sei. Die Notwendigkeit zu rationalisieren, werde generell durchaus nicht verkannt oder, bestritten. Die Rationalisierung dürfe aber nicht zu einer „Verschrottung der Intelligenz" und dazu führen, daß die akademisch gebildeten Mitarbeiter der Wirtschaft ihren Beruf nur noch vom materiellen Standpunkt aus zu betrachten gezwungen wären. Die geistige Schwungkraft, die die Wirtschaft für den Wiederaufstieg mehr denn je benötige, werde nur zu erreichen sein, wenn sich die Wirtschaft darüber klar werde, daß die heutigen Abbaumethoden verfehlt sind und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehe.

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