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KC-Blätter · 1930-04-01 · Heft 3 (April 1930) · p. Seite 43

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 43 (sequence 7)
Language
German
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Nachr.-Left 43 K.C.-Blätter einer inneren. Notwendigkeit, ganz gleich, ob sie von Privatdozenten, Assistenten oder Berufsrepetitoren gehalten werden. In dem Besuch der Repetitorien ist durchaus nicht immer eine Folge des „Kollegschwänzens" zu sehen, sondern vielleicht weit mehr die Wirkung einer schlechten Vorlesung. Ich bin als junger Jurist fleißig und gewissenhaft ins Kolleg gegangen, aber mir wurde von alledem „so dumm, als wenn mir ein Mühlrad im Kopfe herumginge". In den Geist der Juristerei hat mich erst ein sehr gründlicher Repetitor eingeführt. Es ist natürlich auch verkehrt anzunehmen, daß das Vorhandensein von Büchern den Kollegbesuch in jedem Falle überflüssig mache. Aber eine Norm läßt sich darüber nicht aufstellen. Die Individualität der Dozenten wie der Hörer ist da schließlich das Entscheidende." — Der Werkstudent ist heute mehr denn je eine der häufigsten und auch umstrittensten Zeiterscheinungen. Sein Wesen besteht darin, daß er neben seinem Studium beruflich tätig ist. Ein ähnlicher Typ, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen, wird entstehen, wenn das Projekt einer Abenduniversität Wirklichkeit wird. Zur Zeit bestehen Abendgymnasieu, in denen Leute, die tagsüber im Berus stehen, humanistisches Wissen erwerben können. Die Abendgymnasien schließen mit der Reifeprüfung ab, und so ist es verständlich, daß diese Abiturienten auf dem eingeschlagenen Wege weiter ziehen wollen und zur Aniversität drängen. Die projektierte Abenduniversttät, deren Lörer also in der Hauptsache Berufsleute und nebenher Studenten wären, will vorerst nur Iura und Volkswirtschaft lehren, sodaß der Name „Aniversität" etwas zu weitgehend erscheint und besser durch die Bezeichnung „Fachhochschule" ersetzt wäre. Es ist selbstverständlich zu begrüßen und liegt im Sinne der modernen Zeitforderung, daß der Begabte freie Bahn gewinnt. Wenn man ein Bedenken gegen das Projekt hätte, so nur das, daß die „freie Bahn" leider reichlich verstopft ist durch die Allzuvielen, die schon auf den ordentlichenLochschulen sich drängen. Es ist unter heutigen Amständen eine fragwürdige Wohltat, jemand in den akademischen Berufsweg einzuweisen. Allerdings ist zu beachten, daß für den Besuch der Abenduniversttät nur ganz besonders hervorragendes Menschen» material geeignet erscheint, weil die Schwierigkeiten eines abendlichen Studiums neben beruflicher Tagesarbeit nur von hochbegabten und innerlich starkenPersönlichkeiten gemeistert werden könnten. Solchen Persönlichkeiten aber ist ein erfolgreicher Aufstieg am meisten zu gönnen und auch am ehesten zuzutrauen. Die sozialistische Studentenschaft hat dieser Tage Richtlinien zum Lochschulprogramm herausgebracht, die aus dem Berliner Verbandstag einstimmig beschlossen worden find. Von den sieben Punkten dieser Richtlinien sei einer herausgehoben. Der letzte Punkt nämlich fordert, daß die Leranbildung der Geistlichen Sache der Religionsgesellschaften sein solle. Das entspricht dem sozialistischen Parteiprogramm, demzufolge Religion als Privatsache gilt. Es würde bedeuten, daß der Staat sich an der Religionspflege gänzlich desinteressiert. Das muß Bedenken wecken. Gewiß darf der Staat niemand zu irgendeiner Religionsübung kommandieren, und soll seine eigene Gebarung frei halten von klerikalen Direktiven. Jedoch hat der Staat, der in seinem Daseinszweck die Totalität menschlicher Zwecke konzentriert, ein Interesse an der Erhaltung kultureller Werte. Darum muß auch der Religionsgedanke, der seinen Anhängern ein seelisch-kulturelles Besitztum bedeutet, ins Staatsinteresse einbezogen werden. Auch die Kunstpflege ist zum Beispiel Sache des Staats, wiewohl ihre Betätigung durch den einzelnen Privatsache ist. Der Staat zwingt niemanden, Museen zu besuchen, aber er läßt es sich mit Recht angelegen sein, Museen zu erhalten und Kunstfachleute heranzubilden. Entsprechendes mutz für die religiöse Frage gelten. Würde man aber diesen Teil des Sozialistischen Lochschulprogramms in die Tat umsetzen, dann wäre dem Religionsgedanken sehr bald eine starke und notwendige Initiative genommen. Ein selten gehörtes Thema schneiden die „Wingolfs-Blätter" an, indem fie auf die Bedeutung des Volksliedes und die Notwendigkeit seiner Pflege durch die studentische Verbindung Hinweisen. Verbindungsleben und Volkslied? Sind es wirklich Gegensätze, die nur ein kühner Sprung überbrücken

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