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KC-Blätter · 1930-04-01 · Heft 3 (April 1930) · p. Seite 42

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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42 K. C.-Blätter Nachr.-Left nicht zur Wahl geht und nach se'mer Aeberzeugung ganz und gar unpolitisch ist, wirkt dennoch auf die Politik ein, da er durch seine Untätigkeit, die auf Bequemlichkeit oder Unvermögen beruhen mag, das Gewicht der Stimme des Tätigen aufwertet. Und zwar! kommt sein Verhalten stets der Mehrheit zugute. Die herrschende Weltanschauung kann sich stets auf ihn berufen, da er ja den Kampf gegen sie nicht mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln aufnimmt, der politische Machthaber, der seine Befugnisse in gröbster Weise mißbraucht, verdankt immer wieder dem „Unpolitischen" — auch gegen dessen Willen — die Besitzergreifung und Besitzerhaltung seiner Macht. Die Forderung, ein Bund habe „unpolitisch" zu sein, kann daher nur so verstanden werden, daß er sich jeder unmittelbaren Einwirkung auf die Politik — da die mittelbare, auch gegen seinen Willen, immer vorhanden ist — enthalten solle." Die Frage greift weiter dahin, ob auch die unmittelbare Einwirkung auf die Politik nicht unter Umständen unentbehrlich sei. Wenn, so meinen die Wingolfsblätter, die Weltanschauung, die der Bund vertritt, gefährdet sei von Strömungen, die aus der Politik her gegen sie sich wälzen, dann muß der Bund den Boden der Politik betreten, dann muß er „sich auf das Feld der Politik begeben und dort obsiegen". Diese etwas orakelhafte Andeutung soll vermutlich dem Zusammenwirken auch mit politischen Parteien das Wort reden, „sofern die Weltanschauung in Gefahr ist". Nun gibt es kaum eine Weltanschauung, die außerhalb der Kampfzone steht; speziell die unsere hat man uns von Anbeginn an verleiden und neiden wollen. So interessiert auch uns die Frage, ob man obige Gedankengänge als richtig anerkennen und mit allen Konsequenzen sich zu eigen machen solle. Wir möchten das in dieser Anbedingtheit nicht bejahen. So unschädlich es wäre, sich zu bestimmten Einzelanlässen gelegentlich der Hilfe einer sympathisierenden Partei zu bedienen, so gefährlich wäre es, wenn ein Verband sich auf eine dauernde Parteibindung festlegte. Das idealste wäre es, wenn die akademischen Verbände sich Fühlungnahme mit möglichst zahlreichen Parteien verschafften, um im neutralen Rahmen ein Stückchen Arbeit an der Volksgemeinschaft leisten zu können. Anläßlich der Bestrebungen nach Erneuerung des Hochschullebens hat man auch den Lernbetrieb der Studenten verschiedentlich angegriffen, und ist vor allem dem Repetitorenwesen, das sich über alle Disziplinen ausgebreitet hat, mit scharfen Worten zuleibe gegangen. Der Angelpunkt alles Aebels wurde in dem verminderten Kollegbesuch gesehen —wobei man wieder stritt, ob hieran Lehrch: oder Schüler die Hauptschuld tragen und es galt als ausgemachte Sache, daß ein Repetitorium nur ein schwächliches und unwürdiges Surrogat sei. Da wird die Nachricht interessieren, daß es gelegentlich sogar Dozenten gibt, die den Wert des Kollegbesuchs nicht übermäßig einschätzen und auch im Repetitor nicht so etwas wie eine Schlange am Busen der Wissenschaft sehen. In der „Frankfurter Zeitung", die eine lebhafte Diskussion über diese Probleme in Gang gebracht hat, äußert sich ein Dozent im folgenden Sinne: „Wenn ich ehrlich sein soll, so halte auch ich den Kollegbesuch in gewissen Fällen für überflüssig. Sofern gute Bücher da sind und ein Wissensgebiet hinreichend geklärt ist, kann sich der Student in der gleichen Zeit, die er für das Kolleg aufzuwenden hätteoft tatsächlich ein weit gründlicheres Wissen aneignen. Die rezeptive Tätigkeit, das Mitschreiben der Vorlesung macht eine Verarbeitung des Stoffes nicht immer möglich. Dies wird noch mehr der Fall sein, wenn der betreffende Dozent ein schlechter Pädagoge ist. Gerade die Vortragenden, die oft die besten und kunstvollsten Bücher schreiben, besitzen meist nicht die Fähigkeit, ihre Gedanken in erträglicher Form vorzutragem Ist ein Wissensgebiet neu und Literatur zur Selbstvorbildung nicht vorhanden, so wird selbstverständlich der Besuch der Vorlesung notwendig sein, so bitter es auch vielleicht sein mag, einem schlechten Vortrag stundenlang zu folgen. In solchen Fällen äst aber auch noch ein Ausgleich möglich durch mündliche und schriftliche Repetitorien. Diese werden dann zu

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