KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Left 27 K. C.-Blätter Bayrische Streiflichter. Die geretteten Zwangsbeiträge. — Immer wieder politische Verhetzung. Der bayrische Kultusminister Goldenberger hatte, wie wir berichteten, seinerzeit die Zwangsbeiträge der bayrischen Studenten für die Deutsche Studentenschaft gesperrt. Wenn man das als einen Akt politischer Vernunft rühmen wollte, so wurde man bald belehrt, daß man wirklich nicht den Tag vor dem Abend loben darf. Inzwischen fühlte sich der Kultusminister auf dem eingeschlagenen Wege, der ihm in der Tat durch die Gebote der Loyalität vorgezeichnet war, etwas einsam, weil in Bayern diese Wege leider immer noch zu wenig begangen werden, und entschloß sich zur Umkehr. Würde man statt dessen „Umfall" sagen, so würde man sich allenfalls ein wenig von der Löslichkeit, aber keinen Deut von der Wirklichkeit entfernen. Nunmehr ist die bayrische Studentenschaft wieder ermächtigt, einen Beitrag von 0,25 NM. zwangsweise von jedem Studierenden zu erheben und an die D. St. weiterzuleiten zur Pflege der Leibesübungen und der „Grenzlandarbeit". Vielleicht glaubt der Minister, den Wünschen der verfassungstreuen Kreise, die in der heutigen Deutschen Studentenschaft eine rein parteipolitische Organisation mit verfassungswidrigen Zielen sehen, dadurch entgegengekommen zu sein, daß er immerhin nur ein Drittel des früheren Beitragssatzes genehmigt hat. Uns fehlt für dieses Landelsgeschäft leider das rechte Verständnis. Wohl aber verstehen wir eins: Es wird von bayrischer autoritativer Seite denselben Leuten der Rücken gesteift, denen von preußischer Negierungsseite her zu Recht der Kampf angesagt wurde wegen unablässiger Verstöße gegen beschworene Prinzipien der Reichsverfassung. Lierzu muß man nämlich folgendes wissen: Unter der Flagge„Grenzlandarbeit"segeltin Wirklichkeit die Unterstützung, die der bayrische Kreis der D. St. den österreichischen und sudetendeutschen Studentenschaften zuteil werden läßt. Diese Studentenschaften haben bekanntlich sich von ihrem „Arierprin^ip" nicht trennen wollen, und weil die preußische Studentenschaft trotz dieses Affronts gegen unsere Reichsverfassung ein Zusammengehen mit diesen Kreisen . erzwingen wollte, hat sich Minister Becker zur Veranstaltung jener bekannten Abstimmung im W.-S. 27/28 entschließen müssen, die dann zur Auflösung der D.St. führte. Eine Bewegung, gegen die in richtiger Erkenntnis seiner Aufgaben ein preußischer Minister zu Felde zog, wird auf diese Weise also von einem bayrischen Minister gefördert. Noch ist Bayern nicht verloren — für die völkische Sache. Die Politikasterei steht überhaupt immer noch in vollster Blüte. Gegen den Aoung-Plan. wird offen an den bayrischen Lochschulen agitiert, obwohl solch eindeutige Parteipolitik^ bestimmt nicht in die Lörsäle gehört. Es ist anch anzunehmen, daß die Studierenden den <Doung-Plan ebensowenig kennen wie den Dawesplan, hinsichtlich dessen ihre Abnungslosigkeit evident wurde, als seinerzeit eine Vorlesung darüber so gut wie keinen einzigen Lörer fand. Nebenbei bemerkt, soll das Verhalten des Rektors an der Technischen Lochschule nicht ganz qualifizierbar sein. An der Technischen Lochschule München wurden Listen zur Unterzeichnung einer Eingabe ausgelegt, die den Reichspräsidenten ersuchen soll, den Boung-Plan abzulehnen. Das weitere Auflegen dieser Liste wurde, wie vom Rektorat der Universität, dann auch von der Technischen Lochschule, verboten, ohne daß sich aber der Asta um dieses Verbot kümmerte. Es fand in der Technischen Lochschule eine allgemeine Studentenversammlung statt, und hier erzählte ein nationals ozialistischer Asta-Vertreter,ihm habe der Rektor Osanna, der das Auflegen der Listen als parteipolitische Betätigung verboten hat, erklärt, diese Aktion gegen den <Joung-Plan sei nach seiner persönlichen Ansicht und nach der der Senatoren keine parteipolitische Betätigung, und er habe dem Asta geraten, gegen seine eigene Verfügung Beschwerde einzulegen. Diese Mitteilung klingt nicht völlig unglaublich, da der Reklor bisher nicht die geringsten Schritte getan hat, um seine Verfügung durchzuführen. Der Asta der Universität München hatte zunächst die Teilnahme an der von der Göttinger Studentenschaft ausgehenden Petition an den Reichspräsidenten gegen den Poung-Plan abgelehnt, in einer außerordentlichen Sitzung aber sich erneut mit dieser Frage befaßt. Als Protest gegen die Geschäftsführung des Vorsitzenden verließen die Katholiken, die Lochschulgruppe der Deutschen Volks-