KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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26 St. C.-Blätter Nachr.-Lefl ständnis verfügen. Die Lieberfüllung der Lochschulen werde so lange andauern wie als Ausleseprinzip das Portemonnaie des Vaters und nicht die Begabung des Studierenden diene. Die „Deutsche Studentenschaft" sei lediglich ein privater Verein; das Ministerium solle jegliche Verhandlungen ablehnen, solange man sich nicht zu seinen Richtlinien bekenne. Erfreulich sei das Wachsen des Republikanischen Deutschen Studentenverbandes. Wer das Begabtenabitur abgelegt habe, sei jedem anderen Studenten, insbesondere auch bei ber Zulaffung zum Doktorexamen gleichzustellen. Dem Antrag des Zentrums, Dienstenthebung der Llniversitätsprofesioren erst beim 68. Lebensjahr erfolgen zu laffen, könne die Sozialdemokratie nicht zustimmen, weil eine Lleberalterung des Lehrkörpers unserer Lochschulen vermieden werden müsse. Ministerialdirektor Richter betonte, die Frage der Llniversitätsreform müsse in den nächsten Jahren gelöst werden. Das Problem der Llniversitätsreform sei insbesondere ein Lleberfüllungsproblem und unmittelbar mit dem Schulproblem verknüpft. Bemerkenswert sei, daß im letzten Semester die wirtschaftlichen uud staatswissenschaftlichen Studien zurückgegangen wären, Die Frage des Berechtigungswesens, die alle Ressorts ergreife, könne von der Lochschulverwaltung allein nicht gelöst werden. 19 bis 20 Prozent aller Studenten gehörten Lebenskreisen an, die nach ihrem Einkommen auf der Arbeiterstufe stünden. Bis Llntersekunda seien noch Durchschuittlich 7,2 o/o Arbeitersöhne im engeren Sinne, oberhalb der Sekunda nur noch 3,4 o/0. Das zeige, daß das Stipendienwesen auch schon auf den Schulen aufgefrischt werden müsse. Eine Gesamtsumme von kaum sechs Millionen im Jahr für das ganze Reich sei völlig ungenügend. Im kommenden Jahr werde ein Llmschaltungsplan von der Llnterrichtsverwaltung vorgelegt werden, der sich auf einer anderen Gruppierung der Fächer aufbaue. Die Durchführung der Reform stoße auch innerhalb der Llniversttäten auf erhebliche Schwierigkeiten. Man könne von einem „Wall der Lehrfreiheit" sprechen. Die Lehrfreiheit enthalte in der Tat ein schwieriges Problem, da sie sich nicht allein auf das Inhaltliche, sondern auch aus das Methodische beziehe. Zu den einzelnen Reformen könne man konkret sagen: 1. Die Reform des medizinischen Studiums; eine Verlängerung des Studiums sei nicht vorgesehen, wohl aber eine verschärfte Trennung der naturwissenschaftlich-biologischen und der medizinisch-technischen Studien. Die Lochschulverwaltung werde versuchen, die Kollegialprüfung in der medizinischen Fakultät zu sichern. 2. Die juristische Studienreform: sie stehe vor dem unmittelbaren Abschluß. Es müsse vor allem der Stoffbereich eingeengt und der Lehrstoff konzentriert werden. Zu verringern sei die Stundenzahl der Vorlesungen, damit Zeit bleibe für besondere Besprechungsstunden. Auf diese Weise greife man das Repetitorwesen beim Schopf. Ein Riegel müffe den überfüllten Llebungen vorgeschoben werden. 3. Die Reform des Philologischen Studiums: auch hier sei in der letzten Woche ein Abschluß erreicht. Mit der bisherigen Autarkie der philologischen Wissenschaft auf den Llniversitäten müsse gebrochen werden. Notwendig sei, den Kultur-und Bilduugswert dieser Fächer, soweit er die Schule angeht, streng herauszuarbeiten. Die Llebungen müßten noch stärker zurückgesetzt werden. Die Lebensbezogenheit des Stoffes sollte auf den Llniversitäten schon Endziel aller Philologen sein, da doch, die wenigsten aller Studenten Gelegenheit hätten, sich der reinen Forschung zu widmen. Die Bedeutung dieser Fragen beschränkt sich selbstverständlich nicht auf Preußen, sondern erfaßt das ganze Reichsgebiet. Man sieht, daß im Vordergrund des Interesses, soweit es sich um spezielle Studentenangelegenheiten handelte, die Frage stand, wie der drohenden Senkung des wissenschaftlichen Bildungsniveaus zu begegnen sei. Die Frage der sozialen Lebung des Akademikerstandes ist in ihrem Zusammenhang mit der Llniversitätsüberfüllung noch nicht hinreichend vom Landtag beleuchtet worden. Es darf aber nicht verkannt werden, daß die wissenschaftliche Minderleistung, die durch die Lieberfüllung bedingt wird, auch von sich aus ihrerseits einen weiteren Rückgang der Zukunstschaneen für den Einzelnen bedingt. Es führt mit unausweichlicher Konsequenz eine Kausalreihe hinab bis zur Proletarisierung des Akademikertums; am Anfang dieser Kette steht die unheilvolle Massenstudiererei.