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KC-Blätter · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · p. Seite 23

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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K. C.-Blätter 23 Nachr.-Left halb des Reichsgebiets beheimateten Studenten, deren Zugehörigkeit zur deutschen Kulturgemeinschaft durch Sprache, Bildung' und Bekenntnis zu dieser Gemeinschaft erweisbar ist". Wie dem im einzelnen auch sei: Die Bonner Studenten haben sich gefunden. Man soll den Versuch — mehr ist es noch nicht — begrüßen als ein Zeichen, daß das Bewußtsein studentischer Zusammengehörigkeit wieder wächst und man soll das seine dazu tun, daß er gelinge. Zur Gründung des Verbandes jüdischer Ingenieure. Von Werner Cohn (Vin.). Wie den meisten Kbr. durch das Rundschreiben des GA. bekannt geworden sein dürfte, ist in Berlin eine jüdische Ingenieurorganisation unter dem Namen ^Verband jüdischer Ingenieure und Chemiker in Deutschland E.V." gegründet worden. Anläßlich dieses Vorganges sind verschiedene Meinungen für und wider laut geworden, zu denen in den nachfolgenden Zeilen Stellung genommen werden soll. Zunächst soll die Frage geklärt werden: Welche Ursachen haben die Schaffung einer Sonderorganisation veranlaßt? Nur das Vorhandensein einer besonderen Not könnte nämlich einen speziellen Zusammenschluß jüdischer Naturwissenschaftler rechtfertigen. Man erkennt, daß dies wirklich der Fall ist, wenn man sich die gegenwärtigen Strömungen innerhalb der deutschen Industrie etwas genauer ansieht. Auf der einen Seite die immer größer werdende Vertrustung, die eine Verdrängung des freien Mittelstandes zur Folge hat und zur Schaffung von Beamtenheeren führt, auf der anderen Seite die antisemitische Einstellung der Großunternehmer bedingen eine immer empfindlicher werdende Verschärfung des Existenzkampfes für den Juden in den technisch-naturwissenschaftlichen Berufen. Nimmt man noch hinzu, daß in unseren Kreisen das Vorwärtskommen und Aufwärtsstreben im Beruf als eine selbstverständliche Eigenschaft angesehen wird, so wird klar, daß der Jude im allgemeinen zum still-fleißigen bürokratischen Beamten nicht geeignet und auch nicht gewillt ist. Er könnte daher unter Umständen den großen Konzernen unbequem werden, woraus folgt, daß der Wirtschaftsantisemitismus Ursache und Wirkung in sich schließt. Die fatale Tatsache, daß wir im Schnittpunkt zweier wesentlicher Zeitströmungen stehen, macht unsere Sondernot evident, was von allen Seiten unbestritten ist. Die Argumente, die gegen die Gründung des Verbandes ausgesprochen wurden, gliedern sich im wesentlichen nach zwei Richtungen: 1. Ist eine Zusammenarbeit aller jüdischen Kollegen — wie es gegenwärtig im Verbände ohne Rücksicht auf die jüdisch-politische Richtung geschieht — möglich und opportun? 2. War die Gründung einer neuen Organisation notwendig bezw. birgt sie Gefahren in sich oder konnte man im Rahmen des Bestehenden wirkungsvolle Abhilfe schaffen? Die erste Frage ist mit wenigen Worten befriedigend zu beantworten. Da der Verband lediglich sachliche und fachliche Arbeit zu leisten hat — welche wird noch anzugeben sein —, ist eine Unparteilichkeit durchaus gegeben, weil weltanschauliche Verschiedenheiten sich gewöhnlich erst bei Lösung kultureller Aufgaben allgemeinerer Natur bemerkbar zu machen pflegen. Außerdem aber ist Der K. C. an maßgebender Stelle an der Geschäftsführung des Verbandes beteiligt, worin ebenfalls eine Garantie für objektive Wahrnehmung aller Interessen zu sehen ist. Die Beantwortung der zweiten Frage gestaltet sich etwas schwieriger. Wir als K. C.er dürften der Gründung einer jüdischen Organisation nicht anders als positiv gegenüberstehen, wenn wir uns nicht selbst desavouieren wollen. Letztlich wären alle Einwände nichts anderes als eine Wiederholung von Gegengründen, die man bei der Schaffung des K. C. schon einmal gehört hat. Es kann nicht deutlich genug darauf hingewiesen werden, daß der Zusammenschluß jüdischer Naturwissenschaftler keine Absonderungsbefirebung darstellt — wie gleich in anderem Zusammenhänge nachgewiesen werden wird — und niemandem Außenstehenden zu Lerd oder Freud existiert, wie wir es ja in gleicher Weise von den K. C.- Verbindungen behauptet und im Laufe der Jahrzehnte aufrechterhalten haben. Wenn darauf nun erwidert wird, daß die Verhältnisse bei der Technikerschaft doch ganz anders lägen, da die homogene Menge in den bestehenden Fachverbänden auch nicht nach konfessioneller Richtung gruppiert sei, infolgedessen eine Aufgabe der bisherigen Neutralität

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