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KC-Blätter · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · p. Seite 20

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 K. C-Blätter Nächr.-Left der tzochschuljugend zur Pflicht mache, die politischen Auseinandersetzungen in stärkster Verantwortung gegenüber bet Zukunft der Nation zu führen. In Dresden ist eine Abstimmung der Studentenschaft über die Frage nach Verbleib in der D. St. dahin entschieden worden, daß 1676 Stimmen gegen, 979 für den Verbleib sich aussprachen. Ob man allerdings darin eine präzisierte Stellungnahme gegen die D. St. sehen kann, ist um derentwillen nicht ganz sicher, weil die Abstimmungsfrage verquickt worden war mit der weiteren Frage, ob die sächsischen Studenten die Beibehaltung der staatlichen Anerkennung wünschten oder nicht. Es ist also immerhin möglich, daß die Studentenschaft zu ihrem Votum bestimmt wurde durch die Angst, gegebenenfalls das Schicksal der preußischen Studentenschaft teilen zu müssen. Wie weit demnach politische Einsicht oder bloßer Selbsterhaltungsdrang maßgebend waren, läßt sich zurzeit nicht überblicken. Der Pressedienst der Deutschen Studenten- Gemeinschaft in Dresden weist jedenfalls in einer Erklärung die Unterstellung, man habe sich bewußt gegen die D. St. entscheiden wollen, mit Aufbietung beträchtlicher Entrüstung von sich. Es gibt übrigens nicht nur Unerfreuliches aus der Hochschulpolitik zu berichten. Der Zusammenschluß in Bonn, der an anderer Stelle mitgeteilt ist, hat Nacheiferer gefunden. In Hannover haben sich einige Gruppen zusammengeschlossen, um gemeinsame Vortragsabende zur Einführung in politische und soziale Probleme zu veranstalten. Die beteiligten Gruppen sind: der Republikanische Studentenbund, die Hochschulgruppen des Jungdeutschen Ordens, der Deutschen Volkspartei, der Sozialdemokratischen Partei, die Freischar und die Nationalpolitische Arbeitsgemeinschaft. Allzu großer Optimismus ist zwar immer schädlich, und hier ist vorerst nur ein sympathischer Wageschritt getan, ein Schritt immerhin, der gelenkt ist von dem fast verloren gewähnten Bestreben, im Andersdenkenden den Menschen zu achten und auch in seiner Welteinstellung das geistige Element anzuerkennen. Zu den Bonner Vorgängen sei auch noch erwähnt, daß zum ersten Male Wahlen zu der neuen Studentenschaftskammer vollzogen wurden, die mit dem Prinzip der politischen Vertretung gebrochen hat und auf dem Fachschaftsprinzrp aufgebaut ist. Der Gedanke der Fachschaft hat sich durchgesetzt: die positiv eingestellten unter den gewählten Vertretern haben ungefähr eine Zweidrittelmehrheit erlangt; die Opposition besteht fast ausschließlich aus Vertretern des Waffenringes. Der neuen Kammer gehört auch ein Rhenosilese als Mitglied an. Die Rede, mit der der neue preußische Kultusminister sich in sein Amt einführte, hat einigermaßen Aufsehen erregt, weil der Redner dem Individualismus abschwor und sich als Exponenten einer politischen Machtgruppe bekannte. Man kann diesen Begriff vieldeutig verstehen, man kann ihn auch mißverstehen, und das tut man vielleicht, wenn man ihn gleichsetzt dem Begriff des Futterkrippenjägers. Ans interessiert im übrigen die Wendung weniger vom politischen Standpunkte aus, als von einem anderen her, den ich einmal den korporationsphilosophischen nennen möchte. Jeder, der heute das Wesen des Korporationstums mit den Augen der Neuzeit erkennen will, wird sich die Frage beantworten müssen: Dient die Korporation den Zwecken des Individualismus oder des Kollektivismus? Will und soll sie Persönlichkeiten erziehen oder Pfeiler einer festgefügten Gemeinschaft mauern? Sicherlich wird man beide Begriffe nicht in hermetischer Abgrenzung auseinanderhalten können. Der Mensch als solcher ist ja schon zugleich Einzelwesen und Glied der Gemeinschaft. Die Frage ist nur, ob man dem einen oder dem anderen Begriff das Primat einräumen soll. 3m bolschewistischen Rußland zum Beispiel gilt nur das Kollektivum, der Einzelne ist in seiner Individualität völlig ausgelöscht und hingegeben an die Gemeinschaft. Es geht dies soweit, daß nicht einmal das künstlerische Wirken als Sondertat gewertet werden darf, daß man zwar die Prachtleistung eines Lheaterensembles bewundern darf, aber den einzelnen Schauspieler nicht mit Namen nennt. Da aber dies geschieht im Zeichen der Menschheitsbefteiung — daß das

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