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KC-Blätter · 1930-03-01 · Heft 2 (März 1930) · p. Seite 19

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 2 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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Nachr.-Lest K. C.-Blätter W lung des einen nicht ohne Rücksicht auf das andere zu beginnen. Wenn nur erst einmal überhaupt ein Beginn sich zeigen wollte! Inzwischen hat sich auch in München wieder einmal etwas zugetragen, was den schon etwas verblaßten „Ruhm" der bayerischen Metropole zu neuem Hochglanz brachte. Der nachfolgende Bericht, der durch die Tagespresse ging, spricht für sich selber: „In der Münchener Universität kam es zu Ausschreitungen der völkischen Studenten. In einem Hörsaal fand die Jahresversammlung der akademischen Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland (V. d. A.) statt. Die Versammlung leitete der Vorsitzende der Gruppe, Professor Rawiaskh, der Jude ist und der Bayerischen Volkspartei angehört. Gegen ihn richtete sich die Opposition der zahlreich erschienenen völkischen Studenten. Der Vortrag, mit dem die Versammlung begann, wurde bereits fortgesetzt durch antisemitische Zwischenrufe unterbrochen, etwa: Der Verein für das Deutschtum im Ausland sei nicht für die Juden da. Hier aber, bei den Nationalsozialisten, seien die wahren Vertreter deutschen Wesens usw. Der Tumult wuchs, als Nawiaskh forderte, daß Nichtmitglieder K entfernen sollten. Erst durch Anhang schwerster Disziplinarstrafen gelang £§ ihm, wenigstens den größeren Teil der Nichtmitglieder zum Verlassen des Saales zu bringen. In der Pause zwischen Vortrag und Versammlung kam es zwischen Nawiasky und einem Studenten der Technischen Hochschule zu einem, neuen Zusammenstoß, weil sich der Student nicht davon abbringen lassen wollte, als Vertreter der nationalsozialistischen Opposition eine Rede zu halten. Dies wurde ihm schließlich zugebilligt. Als er am Schluß seiner Rede von „Saujuden" zu sprechen begann, wurde er von den übrigen Versammlungsteilnehmern, die nun in ihrer Majorität für Nawiasky waren, veranlaßt, das Lokal zu verlassen. Bei den Tumultszenen tat sich besonders der Vorsitzende des „Hochschulringes deutscher Art" von Massow hervor. Peinliches Aufsehen erregte es, daß die übrigen der Versammlung beiwohnenden Professoren nichts taten, um Nawiasky gegen seine rabiate Zu Hörerschaft in Schutz zu nehmen. Daß altbewährte akademische Anstandssitten durch die nationalsozialistische Methodik überwuchert werden, scheint selbst in Korporationskreisen nicht immer schmerzlich empfunden zu werden. Aber auch Hier wird die Dämmerung einmal tagen. Gerade so wie in der Tagespolitik das Kräfteverhältnis im Lager der Rechten sich immer mehr zugunsten der Nationalsozialisten verschiebt, äuf Kosten der Deutschnationalen, zeigt sich in der Hochschulpolitik, daß der Gewinn der Nationalsozialisten vom Konto der rechtsstehenden Korporationen abzubuchen ist. Man vergleiche nur einmal die Stimmzahlen zu den studentischen Kammerwahlen, und wird sehr lehrreiche Feststellungen treffen. So hatte in Gießen die Großdeutsche Liste diesmal 12 Sitze erlangt gegen 21 Sitze im Vorjahr; die Nationalsozialisten, die voriges Mal unvertreten waren, ziehen jetzt mit 9 Mann ins Parlament ein. In Leipzig büßte die Korporationsliste 4 von 13 Sitzen ein, die Nationalsozialisten gewannen 3 zu einem hinzu. Wo also die verlorenen Stimmen der Korporationen hingewandert sind, läßt sich aus dieser symptomatischen Aufstellung unschwer ersehen. In deutschnationalen Studentenkreisen hat sich die Einsicht, daß der Nationalsozialismus zunächst den eigenen Freunden zu schaden beginnt, bereits einen Weg gebahnt. In Hamburg hat die Studentengruppe der D.N.V.V. auf dem Parteitag dem Hugenbergkurs offene Fehde angesagt um seines Zusammengehens mit den Nationalsozialisten willen. Die Studentengruppe stellte der Landesverbandsführung ein unbefristetes LUtimatum des Inhalts, daß sie sofort aus der Deutschnationalen Partei austreten und sich der Volkskonservativen Partei anschließen werde, falls Dr. Hugenberg weiter an der Spitze der Partei bleibe. Nach der Erklärung des Landesverbands-Vorsitzenden, daß dieser zu Hugenberg stehe, verließen die Studentenvertreter den Saal. In einer öffentlichen Erklärung dieser Gruppe wird betont, daß der Kampf um die Freiheit und um die Gestaltung einer neuen politischen Ordnung es gerade

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