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KC-Blätter · 1930-01-01 · Heft 1 (Januar 1930) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 1 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German
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6 K. C.-Blätter Nachr.-Left Vertreter der Universitäten Prag und Wien anwesend. Nach den Geschäftsberichten der Leiter der einzelnen Aemter über die Tätigkeit in Fragen der inneren Ausgestaltung des Verbandes, insbesondere der studentischen Wirts«Hafts- und Auslandsarbeit äußerte der Vorstand am Schluß der ersten Plenarsitzung folgendes: „Zwei Jahre Arbeit auf schwierigem Boden haben uns gezeigt, daß wir aus dem rechten Wege sind, wenn wir den Willen junger Menschen aus den verschiedenen Lagern dafür einsetzen. Wir werden auch in Zukunft nickt beiseite stehen, wenn die junge Republik ihre Studentenschaft zur Mitarbeit aufruft." Die zweite Plenarsitzung am Freitag nachmittag war der hochschulpolitiscken Aussprache gewidmet. Der Referent, cand. jur. Kurt Berlowitz führte zur „Lochschulpolitischen Aufgabe" des Deutschen Studentenverbandes uugefähr folgendes aus: Alle Fragen seien hauptsächlich unter drei Gesichtspunkten zu betrachten: 1. Wohin entwickelte sich die Studentenschaft? 2. Wo standen die Universitäten? 3. Wo war der Staat? Der Weg der Studentenschaft ging aus vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Er wurde durch die Umbildung des Reiches erschüttert. Die unglückliche Lage durch den verlorenen Krieg schuf eine „nationale Opposition", die zum „nationalen Rummel" ausartete, an dem schließlich die Studentenschaft zerbrach. Den Universitäten fehlte ein geistiges Zentrum, in dem der Fachstudent erfahren konnte, wohin er im Volksganzen gehört. Die Lernfreiheit und die Ueberfüllung der Lörsäle führen dahin, daß noch nicht einmal alle Studenten zum Fachstudium herangrzogen werden können. Äier neue Wege zu weisen sei Arbeit d?s D. St. V. Der Staat müsse auf den wenigen Gebieten, in denen es ihm möglich ser, seine Beeinflussung geltend machen. In der Studentenschaft sei eine wirkliche staatsbürgerliche Erziehung nur möglich, wenn die geistige Befruchtung aus der Studentenschaft selbst käme. Eine weitere Aufgabe des D. St. V. sei eine Brechung des Bildungsmonopols der Besitzenden. Die Hochschulreform bedinge „eine andere Bildung mit anderen Menschen". Im Hinblick auf Wiedereinführung eines neuen Studentenrechtes sei die Aufgabe des D. St. V. die Studentenschaft geistig darauf vorzubereiten, sie sei im Grunde nicht reaktionär, sondern revolutionär, und es gelte, die Begeisterung in die richtige Bahnen zu lenken. Der Redner führte weiter aus: „Wir sind nicht die „ewig Satten". Wir werden nur in diese Lage gedrängt, weil wir durch die unfruchtbare Opposition der Rechten gezwungen werden, das Bestehende zu verteidigen." Der Referent schloß seine Ausführungen mit der Bemerkung, daß, wenn einmal eine neue Selbstverwaltung käme, den Rechten auch Pflichten gegen Staat und Volk gegenubergestellt werden müßten. In der lebhaften Diskussion beleuchteten die einzelnen Vertreter der dem Studentenverband angeschlossenen Gruppen die verschiedenen Gesichtspunkte der hochschulpolitischen und wirtschaftlichen Arbeit. Allgemein wurde jedoch immer wieder auf die Gefahren einer zu schnellen Wiedereinführung der Selbstverwaltung hingewiesen. Die Studentenschaft bekäme dadurch ein Instrument in die Hand, das die völkischen Studenten nur zu leicht für ihre eigenen Ziele mißbrauchen könnten. Der Referent äußerte zum Schluß der Diskussion, daß es die Aufgabe des Deutschen Studentenverbandes sei, einen Kern zu bilden, um den sich bei gegebener Zeit die anderen scharen könnten. Der 11. Januar war den Ausschußberatungen Vorbehalten. Am Abend desselben Tages sprach Herr Reichskanzler Müller anläßlich des Empfanges beim „Bund Freiheitlicher Akademiker" in den Wandelhallen des Preußischen Landtages. Er streifte die Entwicklung der deutschen Politik seit Weimar und ließ es sich nicht nehmen, zum Schluß seiner Rede einige programmatische Worte zu sprechen. Der Vormittag des 12. Januar (Sonntag) mit der akademischen Kundgebung war ein Höhepunkt der Tagung. Vor einer großen Anzahl von Ehrengästen und sämtlichen Delegierten sprachen Geheimrat Meinecke, Professor Heller und Prälat Professor Schreiber, M. d. R. Der Nachmittag beendete die eigentliche Arbeit der Tagung, deren Zu-

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