KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 1 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachr.-Lest K. C.-Blätter 5 (Flkademifchg und öligem. DacfmcfiteD Der zweite Studententag des Deutschen Studenten-Verdandes in Berlin. Von Rudi Samuel (Vin.). Der Deutsche Studentenverband hatte vom 9. bis 12. Januar seine zweite Zahrestagung im Lause des Vereins deutscher Ingenieure in Berlin. Der Studententag begann am 9. Januar abends mit einem Empfang der Vorstands- und Lauptausschußmitglieder der dem Verbände angehörenden studentischen Vereinigungen und Korporationen durch den preußischen Kultusminister Professor Dr. Becker. Rach einem herzlichen Empfang begann der Minister seine Begrüßungsrede etwa folgendermaßen: „Ihr Verband ist entstanden aus dem Protest gegen das Auseinandergehen von Staat und akademischer Jugend. Sie haben das Verdienst mit dem freudigen Bekenntnis zum heutigen Staat hervorgetreten zu sein. Ich möchte mir die Loffnung nicht rauben laßen, daß dieses Bekenntnis in der akademischen Jugend viel weiter verbreitet ist, als es nach außen hin in Erscheinung tritt." Der Minister sprach dann weiter über die Krise des Bildungswesens im Zeitalter des Aufstiegs der Masse und berührte damit das soziologische Problem an unseren Lochschulen. „Wir müssen dazu kommen, die Gleichheit von Theorie und Praxis zu betonen. Nicht auf die Gleichheit des Weges für alle kommt es an, sondern auf die Schaffung ganz neuer Bildungszüge auch außerhalb der Universität. Deshakd müssen wir dafür sorgen, daß für die breiten Schichten des Volkes im größeren Maße eine Aufstiegsmöglichkeit gegeben wird. Was wir heute als eine Bildungskrise bezeichnen, enthüllt sich zuletzt als eine Krise der ganzen Gesellschaft." Auf diesem Lintergrund beleuchtete der Minister die Frage der studentischen Selbstverwaltung: „Soll man die studentische Selbstverwaltung wieder Herstellen? Eine frei sich verwaltende Studentenschaft bleibt für mich das Ideal, aber eines. das nicht von heute auf morgen wiederherzustellen ist. Man muß abwarten bis die Studentenschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit wieder verhandlungsfähig wird und bis sie sich zu einem unbedingten Bekenntnis zum Staat durchgerungen hat. Der Staat aber bedeutet heute: Die Republik, die keine Parteisache ist." Ueber die Lochschulreform kam Dr. Becker dann zum Schluß seiner Rede: „Es ist mir bei meiner Arbeit eine Freude, daß ich die Gewißheit habe, daß in der Studentenschaft ein immer wachsender Kreis besteht, der sich zu den Zielen der demokratischen Republik bekennt. Lassen Sie uns an diese Arbeit mit Eifer und gegenseitigem Vertrauen gehen." Am Freitag, dem 10., vormittags, begannen die eigentlichen Beratungen im großen Sitzungssaal des Vereins Deutscher Ingenieure. Der Vorsitzende, cand. jur. Kurt Berlowitz, begrüßte zuerst die zahlreich erschienenen Vertreter der Behörden, der Profefforenschast und der Presse. Anwesend waren: der Reichsminister des Innern Severing, Ministerialdirektor Richter und Ministerialrat Leist vom Kultusministerium, »i-Vizepräsident Dr. Weiß und nzahl prominenter Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende der im Weltkrieg gefallenen Kommilitonen. Im Namen des preußischen Kultusministers begrüßte Ministerialdirektor Prof. Richter den Studententag. Er betonte die Notwendigkeit gemeinsamer Zusammenarbeit des republikanischen Staates mit der Studentenschaft an der Gestaltung der akademischen Selbstverwaltung und der Lochschulreform, die Notwendigkeit der.Ueberbrückung der zwischen Volk und Akademikerschaft herrschenden Kluft. Es gelte ein neues akademisches Deutschland zu schaffen, das in Gemeinschaft mit dem ganzen Volke arbeite. Der Vorstandsbericht ergab, daß durch die von allen Lochschulen des deutschen Reiches erschienenen Delegierten bereits zirka 28000 Studenten vertreten werden. Außer diesen waren mehrere