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KC-Blätter · 1930-09-01 · Heft 3 (September 1930) · p. Seite 63

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 63 (sequence 21)
Language
German
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K. C.-Blätter 63 zu: Richtet euch auf an der Größe unserer Vergangenheit und wetzet das aus, was die Vergangenheit an schlimmen Spuren euch zurückgelassen hatl Er war auch kein Prediger in der Wüste, wir haben uns an ihm erhoben, wir haben die innige Vaterlandsliebe, die wir in unserem Herzen hegen, immer erneut an seinem Vorbild befestigt, und wir im Centralverein haben den Kampf um Ehre, um Freiheit und Vaterland, um Glaube und Heimat geführt, stets angefeueri durch sein Vorbild und seine Mahnungen. Er war zum Sehen geboren und zum Schauen bestellt, und keine Faser an ihm war unecht. Keine Faser an ihm ließ ihn jemals in entscheidenden Fragen weichlich und bänglich erscheinen. Niemals werden wir vergessen, wie er in der entscheidenden Stunde, als es in Berlin kurz nach dem Waffenstillstände zu einer starken Pogromstimmung kam, in einer großen Versammlung uns allen zurief: „Dis Dinge mögen laufen wie sie wollen, Kompromisse werden nicht geschlossen." Auf der einen Seite die Worte: „Du mußt bedenken", der Mensch» der abwägt und gerecht wägt; auf der anderen Seite: „Kompromisse werden nicht geschlossen", der Mensch, der willensstark hinter dem als richtig Erkannten steht. So steht Ludwig Haas vor unseren Augen, der Treue zum Glauben und Treue zur Heimat als unbedingte Forderung an uns stellt und dabei die strengste Selbstkritik uns selbst gegenüber fordert. Das sind seine Forderungen an uns gewesen, und diese Forderungen müssen wir erfüllen. Wollen wir sein Andenken ehren» so kann dies nur geschehen, wenn wir immer an der Vollendung seiner Wünsche arbeiten in heiligster Erinnerung an diesen großen Vorkämpfer. Er gehe in Frieden ein in die Heimaterde, die wir bitten wollen: „Bett' ihn lieb und lind, wie Mutterarme das geliebte Kind!" Dr. David Rothschild (Frankfurt a. M.): Als wir vor wenigen Wochen das 40jährige Stiftungsfest unserer lieben Badenia in Heidelberg feiern dursten, haben wir einen schmerzlich vermißt — Ludwig Haas! Sein Fehlen dämpfte unsere Festesfreude! Wir fühlten, daß nur ein Todesahnen ihm den Weg zu uns verlegen konnte in der Feierstunde der Erneuerung unseres Bundes! Ludwig Haas verkörperte Sinn und Ziel unseres Wollens. Das Zusammenklingen von Deutschtum und Judentum, wie es der Philosoph Hermann Eohen geistig empfunden hat, in Ludwig Haas war es lebendige Wirklichkeit! Er war gottesfürchtig und ehrliebend, gerade und tolerant, human und sozial gerecht, ein verläßlicher Freund und von jener Heiterkeit der Seele, die ein Vorrecht des Edelmenschen bildet. Wo es galt, dem deutschen Namen zu dienen, war der deutsche Jude Ludwig Haas in erster Front! Er fühlte sich eins mit der Bruchsaler Gymnasialstadt, mit dem badischen Volk, mit dem deutschen Land! Deutschlands Größe — war seine Größe 11 l Deutschlands Schmerz — war sein Schmerz! Deutschlands Ehre — war seine Ehre! Deutschlands Sorge — war seine Sorge! Seine kernige und doch so warmherzige Art des badisch-pfälzischen Volksgenossen lehnte sich erschüttert auf gegen das Unrecht, das dem

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