KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 64 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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64 K.C.-Blätter deutschen Juden die Heimat zu rauben trachtet! Ludwig Haas fühlte, daß sein selbstsicheres, innerstes Wesen getragen und geformt ist von den unlösbaren Verbundenheit und der bodenständigen Kraft, die den deutschen Juden in dieser Gegend des Rheins seit mehr als 1500 Jahren Freud und Leid mit allen Volksgenossen teilen läßt. Wie hat er sich gekränkt gefühlt, als dem Heidelberger Studenten Ludwig Haas, der bei den Grenadieren seiner Militärpflicht genügte, die bescheidene Auszeichnung der Ernennung zum Gefreiten vorenthalten blieb. Aber keine Verbitterung und keine Enttäuschung konnte ihn hindern, seine ganze Persönlichkeit für die deutsche Volksgemeinde willig hinzugeben. Mit Begeisterung stellte sich der fast 40jährige in der Stunde der Not dem Vaterlande zur Verfügung. Zuerst im Feld und später, als es galt, mit Rat und Tat den aus tausend Wunden blutenden Staatskörper zu neuem Leben zu erwecken. Lieber Ludwig, du hast nicht umsonst gelebt! Wir geloben dir in der Stunde, die dein segensreiches Erdenwallen beschließt, daß wir aller Verunglimpfung zum Trotz in deinem Sinne für deine Ziele weiter kämpfen, solange uns Gott Atem schenkt! Für Deutschtum und Judentum! — Für das Wohl und die Ehre des deutschen Namens! Zum Segen der Menschheit! Hab Dank für das selbstlose Opfer, das du gebracht hast! Ruhe sanft, lieber Bundesbruder l Du Vorbild eines deutschen Juden! Beileid der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Die Israelitische Gemeinde Frankfurt richtete nachstehendes Schreiben an den A. H. V. Badenia: Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. Den 5. August 1930. An den Altherrenverband Badenia z. Hd. des Herrn Dr. M. Mainzer Frankfurt a. M. Neckarstr. 5 Der Vorstand der Israelitischen Gemeinde beehrt sich Ihnen seine allerherzlichste Teilnahme an dem unersetzlichen Verlust auszudrücken, den mit Ihnen die gesamte Iudenheit durch den Heimgang Ihres Bundesbruders Ludwig Haas, des großen Menschen, Deutschen und Juden, erlitten hat. Der Unterzeichnete Vorsitzende bedauert unendlich, daß er seine Absicht, dem großen Toten die letzte Ehre zu erweisen, wegen einer plötzlich eingetretenen starken Erkältung nicht hat ausführen können. Mit vorzüglicher Hochachtung Vorstand der Israelitischen Gemeinde gez. Dr. Blau. Verantwortlicher Redakteur: Refr. Rudolf L. Leimansohn, Berlin. — Verlag: Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. — Druck: D. FeilLenfeld. Berlin SW 68.