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KC-Blätter · 1930-09-01 · Heft 3 (September 1930) · p. Seite 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 60 (sequence 18)
Language
German
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60 K. C.-Blätter boten, daß sie den Hoffaktor Michael Levi „mit bei sich habenden notwendigen Leuten, Wagen und Pferden aller Orten im Reiche, zu Wasser und zu Land, sicher, frei und ungehindert, so lange es seine Der!-' richtungen erfordern, ohne einige Abgaben, welche von andern seinen Glaubensgenossen abgefordert werden, sie mögen Namen haben, wie sie wollen, passieren, sich aufhalten und repassieren lassen, auch ihm zu seinem benötigten Unterkommen die Wohnung allenthalben, da wor er solche am sichersten zu sehn erachtet, gegen billige Bezahlung verstatten, denselben an Tragung des ihm erlaubten Gewehrs nicht hindern noch irren und ihn sonsten allen Schutz allermänniglich unschädlich genießen lassen." Durch den Titel „Hoffaktor" und die mit ihm verbundenen Vorrechte und Freiheiten war Michael Levi in eine bevorzugte Stellung eingerückt und zu einer Berühmtheit unter seinen Glaubensgenossen geworden. Von weither kamen sie herbeigereist, um die persönliche Bekanntschaft dieses angesehenen Mannes machen zu können. So soll der alte Amschel Rothschild von Frankfurt eigens zu diesem Zwecke nach Randegg gereist sein. Levis weitausgedehnte Geschäftsbeziehungen brachten ihn auch in Verbindung mit christlichen hohen Persönlichkeiten. In seinem Hause verkehrten Bischöfe und andere hohe geistliche Würdenträger, Diplomaten und Generäle. Die höchste Ehre ward ihm zuteil, als Erzherzog Karl von Oesterreich anläßlich seiner Durchreise bei Levi einkehrte. Dieses hohe Ansehen blieb auch bestehen, als Randegg badisch geworden war. Dies ist aus einem Schreiben ersichtlich, das der Ober-- amtmann von Radolfszell, ein Herr von Walchner, an Michael Levi am 6. September 1812 richtete und in dem er nach einigen amtlichen Mitteilungen an ihn als Vorsteher der jüdischen Gemeinde Randegg folgendes aussührt: Hochgeehrter Herr Hoffaktor I Da Sie morgen Ihr Neujahr feiern, so wünsche ich Ihnen hiermit den Segen des Allerhöchsten, damit Sie mit Ihren lieben Angehörigen diesen wichtigen Tag mit Freude und Glück antreten und noch weitere Jahre gesegnet wiederholen mögen. Gott segne alle Juden zu Randegg, damit sie täglich an wahrer Gottesfurcht, an Verstand und Tugend zunehmen, damit die Kinder gut erzogen, die Witwen getröstet, die Armen erquickt und die Notleidenden aller Art unterstützt werden. Ihr ergebener Diener v. Walchner. Die aus diesen Zeilen sprechende Gesinnung, ein letzter Ausfluß pattiarchalischer Auffassung des absolutistischen Zeitalters, berührt uns heutige Menschen wie längst verklungene alte Weisen. Nicht allein, weil die kühle Amtssprache der Gegenwart derartige Gefühlstöne'selten findet, sondern weil hohe Beamte, die Juden gegenüber solche Worte gebrauchen, selten mehr anzutreffen sein werden. Michael Levi, der auf Grund des Judenedikts des badischen Großherzogs Karl Friedrich nach 1809 den Familienname Neumann angenommen hatte, starb am 30. April 1824 und ist auf dem jüdischen Friedhofe in Randegg beigesetzt. Sein Andenken wird im Kreise seiner zahlreichen Nachkommen noch heute in Ehren gehalten.

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