KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 58 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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58 K. C.-Blätter dingen, der 1727 in einem Vermögensverzeichnisse der baden-durlachischen Juden mit 200 M. aufgeführt wird'). Sein Onkel Abraham scheint, ebenfalls infolge Heirat, nach Eichstetten übergesiedelt zu sein. Vermutlich war Isaac Ducas, der erste seines Namens auf badischem Boden, aus dem Elsaß zugewandert. Seine Frau, Blümche, geb. Dreyfuß, stammte aus Hattstatt bei Kolmar. Ob und wie dieser Isaac Ducas mit Löb Ducas, der um 1770 Faktor des Herzogs von Lothringen/ war, in Zusammenhang zu bringen ist, konnte nicht einwandsfrei festgestellt werden. Ludwig Haas' Großmutter väterlicherseits, die Gemahlin des Liebmann Haas, hieß Du fette, geb. Neumann, aus Randegg bei Konstanz und war eine Tochter des Cosmann Neumann und der Jutta, geb. Westheimer, aus München. Dessen Vater, Michael Levi (1740 bis 1824), ist wohl die bedeutendste Gestalt in Ludwig Haas' Ahnenreihe. In der altehrwürdigen Iudengemeinde Hohenems (Vorarlberg), aus welcher sich im 17. und 18. Jahrhundert mehrfach Juden in den badischen Bodenseegemeinden, in Breisach, Kippenheim, - Heidelberg und Mannheim niederließen, hatte er das Licht der Welt erblickt. In jungen Jahren kam er nach Randegg, wo er heiratete und zeitlebens seinen Wohnsitz aufschlug. Die dortige Iudengemeinde wählte ihn zu ihrem Vorsteher. Er bekleidete diese Ehrenstelle viele Jahre* * 8 9). Im letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts herrschte in Süddeutschland ein buntes, kriegerisches Leben. Die Koalitionskriege führten mit wechselvollem Geschick bald französische, bald österreichische Heere in die Schwarzwaldtäler und über die Pässe dieses Gebirges. Verschiedene unternehmungslustige jüdische Kaufleute verstanden es, jene Zeit mit Erfolg auszunutzen und sich durch Heereslieferungen unentbehrlich zu machen. Auch Michael Levi hatte sich in den Dienst dev Heeresverpflegung gestellt. Am 19. Februar 1796 wurde er zum Kaiserlichen Hoffaktor ernannt. Im Anstellungspatentb) wird Levis Tätigkeit für die kaiserliche Armee 'so anschaulich beschrieben, daß sein Wortlaut hier folgen möge: „Wir Franz II. usw. bekennen öffentlich mit diesem Brief und tun kund allermänniglich, daß Uns Michael Levi, Schutzverwandter in Randegg und Vorsteher der Iudengemeinde daselbst, alleruntertänigst vorgestellt und mit glaubwürdigen Zeugnissen dargetan hat, daß er nicht nur selbst seine Untertanpflichien jederzeit mit großer Treue erfüllt, sondern auch der Iudengemeinde Randegg durch eifrige Lehren und Beispiele als Muster der Treue und Anhäng- ') Zehnter, Gesch. d. Juden i. d. Markgrafenschaft Baden-Durlach (ZGOR, NF Xll, S. 668). 8) Rosenthal, a. a. O. S. 164 f. 9) Die Orginalurkunde ist leider nicht mehr in ursprünglichem Zustande vorhanden. Offenbar scheint es wegen dieses wertvollen Diploms in der Familie Auseinandersetzungen gegeben zu haben, die dazu führten, daß die Pergamenturkunde jetzt im Besitze des Herrn Anton Haas in Basel ist, während oas Wachssiegel in einer vergoldeten, mit dem österreichischen Doppeladler und den Initialen des Kaisers Franz II. verzierten Kapsel von Herrn vr. med. Rothschild in Konstanz verwahrt wird. Vielleicht entschließen sich beide Herrn, diese Stücke dem Oberrate der Israeliten Badens für ein zu schaffendes jüdisches Heimatmuseum zur Verfügung zu stellen.