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KC-Blätter · 1930-09-01 · Heft 3 (September 1930) · p. Seite 56

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Journal
KC-Blätter
Volume
1930
Issue
Heft 3 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 56 (sequence 14)
Language
German
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56 K. C.-Blätter Marx (1776—1865) lebte ebenfalls in Bruchsal, teilweise noch in der Zeit, da die Fürstbischöfe von Speyer in dem dortigen Rokokoschlosse, einem der schönsten seiner Art, Residenz hielten. Maier Marx handelte mit Landesprodukten und Wein. Er war Mitbegründer der 1812 in Bruchsal ins Leben gerufenen „Werbekasse", die den Loskauf der zur Miliz gezogenen Söhne der Mitglieder bezweckte^). Seine Gemahlin Bonette (Bonle) war im nahegelegenen Michelfeld geboren und ein Glied der vielverzweigten Familie Oppenheimer, die seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von Heidelberg aus in viele Iudenorte der Kurpfalz und des Kraichgauer Ritterschaftskantons ihre Ableger gesenkt hatte. Aus familiengeschichtlichen Aufzeichnungen meines sel. Onkels ist ersichtlich, daß meine Urgroßmutter väterlicherseits eine Schwester des Maier Marx war. In dem vom evangelischen Geistlichen meines Heimatortes von 1819 bis 1861 geführten Standesbuch der Israeliten werden bei der Todesbekundung meiner Ururgroßmutter als Vater Raphael Marx und als Mutter Emilie (Edel) geb. Marx, beide, aus Bruchsal, angegeben. Dieser Raphael, der auch in einem Verzeichnis der Bruchsaler Juden zu Regierungsbeginn des Fürstbischofs von Limburg-Stirum erwähnt wird, dürfte um 1735 geboren sein. Wie mir Herr Rabbiner Dr. Grzymisch in Bruchsal, der die Aufzeichnungen meines Onkels aktenmäßig zu bestätigen vermochte, noch ergänzend mitteilt, erscheint dieser „Raphul aus Brusel" 1759 in der Liste derer, welche am Obergrombacher Friedhofe Anteil haben. Sein Todestag konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Ebensowenig ließ sich feststellen, ob er in Bruchsal geboren oder zugezogen ist. Wenn die Ueberlieferung, daß die Familie Marx aus dem benachbarten, vormals kurpfälzischen Städtchen Heidelsheim nach Bruchsal übersiedelte, zutrifft, kann dies frühestens um 1750 erfolgt sein. Ludwig Haas' Großmutter mütterlicherseits war Babette (Rachel), geb. Uhlselder (1817—1904). Ihr Vater, Rabbi Josef, wurde, wie der Name besagt und wie aus Einträgen in einem von meinem. Großvater stammenden Pentateuch ersichtlich ist, 1784 in dem damals zum Markgrafentum Bayreuth gehörenden Marktflecken Uehlfeld geboren. In dieser Iudengemeinde wohnten damals gegen 40 jüdische Familien1 2). Da zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Niederlassungsmöglichkeit für Juden in Bayern mit fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden war, sah sich ein großer Teil des Nachwuchses gezwungen, auszuwandern. So kam Josef Uhlfelder um 1810 nach Bruchsal. Vier andere Brüder siedelten in den folgenden Jahren ebenfalls ins Badische über, wo die Niederlassung von Juden damals eher zu ermöglichen war. Zuerst waren diese jungen Leute „Bachurim", d. h. Hauslehrer bei den in kleinen Ortschaften wohnenden wenigen Iudenfamilien. Sie ergriffen aber bald, als der badische Oberrat dev Israeliten von diesen Privatlehrern einen Befähigungsnachweis ver- 1) Oppenheimer, O., Festschrift z. lüü jährigen Bestehen des Vereins „Milizenkaffe" in Bruchsal (l. Jan. 1911), S. 8 u. II. 2) Eckstein, Gesch. d. Juden i. Markgrafentum Bayreuth, S. 84.

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