KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 55 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 55 Aus Ludwig Haas* Familiengeschichte. Von B. Rosenthal, Mannheim. (Nachdruck verboten.) Der Aufforderung,' einiges aus Ludwig Haas' Familiengeschichte zu berichten, komme ich gern nach. Einen lückenlosen Stammbaum aufzustellen. war mir aber in der knapp bemessenen Zeit nicht möglich. Väterlicherseits bedarf die Ahnentafel noch einiger Ergänzung, während in der mütterlichen Familie, die ich seit frühester Jugend kenne und die zum Teil auch die meine ist, bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts Glied an Glied gereiht werden konnte. Weiter zurück lassen sich in den seltensten Fällen jüdische Ahnenreihen zuverlässig verfolgen. Eigene familiengeschichtliche Aufzeichnungen wurden durch Mitteilungen aus dem Verwandten- und Freundeskreise des leider zu früh Verblichenen bestätigt und ergänzt. Allen Helfern sei an dieser Stelle bestens gedankt. In Ludwig Haas, das wurde auch nach seinem Ableben in Nachrufen und Würdigungen der öffentlichen Presse mehrfach betont, walteten zwei Kräfte, die seine starke Persönlichkeit in gleichem Maße beeinflußten: seine jüdische Einstellung und seine Verbundenheit mit deutschem Volkstum. Deutschtum und Judentum, diese beiden gleichstarken Antriebe, waren in dem Dahingeschiedenen zu einer unlöslichen Einheit verschmolzen. Eine solche Lebensauffassung kann sich ungekünstelt nur in einem Menschen entfalten, der gefestigt in seinem Väterglauben und mit Stolz erfüllt ist auf die Geschichte und Ueberlieferung seines Stammes, der aber auch gleichzeitig sich eins weiß mit seiner Heimat, auf deren Boden seine Vorfahren seit Jahrhunderten wandelten und in deren Erde sie die letzte Ruhestätte fanden. Tatsächlich liegen die Gräber von Ludwig Haas' Vorfahren mit wenig Ausnahmen in seiner badischen Heimat. Wir treffen sie auf den alten jüdischen Friedhöfen in Randegg bei Konstanz, in Emmendingen und dem unweit Bruchsal, an lauschigem Waldesrand auf Bergeshöhe gelegenen Friedhofe bei Obergrombach, dessen 300jähriges Bestehen in zwei Jahren begangen werden kann. Diese alten Friedhofe waren nicht allein Ruhestätten der Abgelebten, sondern sie bildeten gleichsam einen Mittelpunkt der Gemeinden, die hier ihre Toten bestatteten. So wie die Verblichenen auf dem „guten Ort" unterschiedslos feierlich nebeneinander gebettet wurden, so fühlten sich auch die Lebenden, das ist bis zu einem gewissen Grade heute noch zu beobachten, als Glieder einer großen Familie. Es ist darum natürlich, wenn eheliche Verbindungen unter den Angehörigen des Verbandsfriedhofs häufig vollzogen wurden. Die Familien Marx-Uhlfelder, denen Ludwig Haas mütterlicherseits entstammte, bieten hierfür mehrfache Belege. Die Mutter Ludwig Haas', die jetzt bald 80jährige Frau Rosa Haas in Karlsruhe, ist die Tochter des Moritz (Mordche) Marx (1812—1905) in Bruchsal. Er ist der Gründer der noch' bestehenden Mälzerei Moritz Marx & Söhne und war lange Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde, deren Bestehen seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sich fast lückenlos Nachweisen läßt. Sein Vater Maier