KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 54 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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54 K. C.-Blätter Wer Haas zum Freunde hatte, war geborgen. So sprach an seinem Grabe der Reichsinnenminister Dr. Wirth, der in langjähriger Freundschaft ihm verbunden war. Aber auch außerhalb der Politik, seinen Bundesbrüdern und persönlichen Freunden gegenüber, war Haas stets der beste Kamerad. Es ist ein Kennzeichen großer Männer, daß sie bei noch so starker Inanspruchnahme stets sich da einsetzen, wo es nötig und angebracht ist. So war es auch bei Haas. Ein hervorstechender Zug seiner starken Persönlichkeit war sein Humor. Hiervon könnte ich aus meinen persönlichen Erlebnissen mit ihm zahlreiche Belege bringen. Zu meiner Verlobung gratulierte er meiner ihm damals gänzlich unbekannten Braut und mir in Form eines Kondolenzbriefes. Er äußerte sich in Worten köstlichsten Humors über meinen Leichtsinn. Er bedauerte besonders, daß ich, der ich die süddeutsche Kultur kennen gelernt hatte, mir ein Weib so „arg aus dem Norden" gewählt hatte, bat aber darum, ihm das „Eskimoweib" vorzustellen. Ich denke ferner an die schönen Zeiten, wo der sonst so fleißige Haas einmal etliche Stunden lang in dem Schlemmerlokal von Dietsch- Hetterich in Freiburg sein Amt als Vorsitzender eines Biergerichts versah und seinen Urteilsspruch in köstlichen, an Homer anklingenden Hexametern abgab. Unauslöschlich ist mir auch die Erinnerung an den feuchtfröhlichen Abend, den ich nach eben bestandenem Referendarexamen im Jahre 1899 in Bruchsal, wo Haas als Rechtspraktikant, wie er stolz sagte, derzeit die höchste Staatsperson (Dienstverweser) war, gemeinsam mit seinem schon lange dahingegangenen Leibfuchs Adolf Marx verbrachte. Hier wurde ich, der „Preuß'", im Kreise der Honoratioren des Orts „gebruselt", d. h. mit kräftigem, allzu kräftigem Trunk gefeiert. Aus dem fröhlichen Student und dem Rechtspraktikant wurde der bedeutende Anwalt und Politiker. Seine umfassenden Studien auf dem Gebiete der Politik, Rechtswirtschaft, Volkswirtschaft und vor allem der Geschichte haben ihm dennoch Zeit gelassen, sich mit schöner Literatur und Kunst eindringlich zu befassen. Seine reiche Bibliothek und viele Gemälde des schönen Karlsruher Arbeitszimmers geben hiervon Zeugnis. Was Haas seiner trefflichen Frau und seinen Kindern gewesen ist, weiß jeder, der einmal das Glück genossen hat, bei ihm und den Seinen zu Gast gewesen zu sein. Es herrschte dort zwanglose, angeregte Geselligkeit. Freunde hatte er in allen Schichten. Er, der Republikaner hat, wie bekannt, eines Tages in den ersten Stürmen der Revolutionszeit als Innenminister und auf Grund seines persönlichen Pflichtgefühls mit dem Spazierstock in der Hand sich den demonstrierenden Massen entgegengestellt und den von ihnen bedrohten Großherzog geschützt. Dem Prinz Max von Baden war er in Freundschaft verbunden. Seine rastlose Arbeit in der Politik und in dem Beruf und den gänzliche Mangel an Rücksicht auf sich selbst haben ihn, der den Freunden als der unverwüstliche Recke erschien, so ftüh uns genommen. Er ist in den Sielen gestorben. Uns, den K. C.ern, und besonders seinen Freunden, ist er unvergeßlich.