KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 53 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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K. C.-Blätter 63 Haas war nicht der ausgelassene fröhliche Verbindungsstudent, der er nach seiner und der Schilderung anderer in Heidelberg gewesen ist, als ich als krasser Fuchs ihn in München im Sommer 1896 kennen lernte. Er, damals 4. Semester, war, wenn ich nicht irre, der Zweitchargierte der Licaria. Er fühlte sich in München nicht so wohl wie in Heidelberg. Ihm lag nicht die Großstadt. In einem Brief, den er mir während der Ferien aus seiner Heimat Bruchsal schrieb, Unterzeichnete er sich als „Brusles"( d. h. aus nichtbadisch „Bruchsals"), Bauer und Demokrat. Wohl erst als Parlamentarier hat er den Wert der Großstadt richtig kennen und schätzen gelernt. In München mißfiel es ihm auch, daß er bei einer angesehenen jüdischen Familie, an die er eine Empfehlung hatte, eine überaus kühle Aufnahme fand. Eine derartige Empfindlichkeit erscheint bei einem Manne, der im allgemeinen so milde über die Schwächen seiner Mitmenschen dachte, auffallend. Der Schlüssel liegt vielleicht darin, daß Haas ein starkes Gefühl für Schlichtheit und Freiheit von Vorurteilen hatte, Züge, die neben anderen Qualitäten ihm im politischen Leben höchste Achtung auch bei seinen Gegnern gebracht haben. Vielleicht empfand er auch in den Verhalten dieser Familie eine gesellschaftliche Ueberheblichkeit, die er haßte. Die dem Norddeutschen derzeit so behagende Biergemütlichkeit Münchens wurde von Haas nicht sehr hoch eingeschätzt. Es ging ihm nichts über sein „badisches Musterländle". So zog es ihn nach Freiburg, seinem Geburtsort. Hier gründete er im Wintersemester 1896/97 die Friburgia. Ihr widmete er, trotzdem er in Freiburg tüchtig zum Examen arbeitete, reges Interesse. Wenn ich mein Freiburger Semester wohl als mein schönstes betrachte, so ist nicht zuletzt der Grund dafür mein Zusammensein mit Haas. Hier im Schwarzwald, den er sein ganzes Leben lang innig geliebt hat, wurzelte er. Wie er einmal in einer jüdisch-politischen Rede sagte, hätten ihm die Zedern des Libanon niemals die Tannen des Schwarzwaldes ersetzen können. Nach meinem Gefühl war er in den heimatlichen Bergen noch mitteilsamer und lebendiger als anderswo-. Mir war, als ich auf die Universität kam, die Notwendigkeit des K. C.-Gedankens ziemlich fremd. Auch in meiner politischen Anschauung, sofern man bei der damaligen in den meisten Kreisen herrschenden politischen Unreife von einer solchen bei einem 18jährigen Menschen überhaupt reden konnte, unterschied ich, der ich in einem stark konservativen Hause erzogen war, mich erheblich von den aufgeklärten Ansichten eines Mannes wie Haas. Durch ihn wurde ich sehr bald in jüdisch-politischer und später auch in politischer Beziehung in meinen Anschauungen beeinflußt. Man erkannte schon in dem Studenten Haas den werdenden Politiker. Klugheit, umfassende Bildung, Klarheit und Bildhaftigkeit des Ausdrucks, Vornehmheit, die auch entgegengesetzte Auffassungen zu würdigen weiß, zeichneten seine offiziellen Reden, aber auch die Unterhaltung mit ihm aus. Dazu kamen die kraftvolle Erscheinung, das markige Organ und die herrlichen, Klugheit und Güte ausstrahlenden Augen. ) *