KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 50 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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50 K. C.-Blätter die wirtschaftliche Not, die ihm drohten, abzuwehren, wandte er sich von jetzt an ganz der Reichspolitik zu. Was er im Dienste des Wiederaufbaues des deutschen Vaterlandes geleistet hat, nicht nur als parlamentarischer Redner, sondern in stiller Arbeit, in treuer, oft entsagungsvoller Unterstützung der Männer, die Gegenstand und später teilweise Opfer der radikalen Verhetzung waren, hat der derzeitige Reichsminister des Innern, Dr. Wirth, am Grabe von Ludwig Haas ausgesprochen. Seine ganze Sorge galt der Festigung des aus den Trümmern wieder erstandenen Reiches, dem Ausgleich und der Ueberbrückung der Gegensätze zwischen den Parteien, die die Weimarer Verfassung geschaffen hatten und in erster Linie als Schützer des neuen Staates berufen schienen. Dabei war ihm, der von jeher grundsätzlich Republikaner war, weniger an der äußeren Form des Staates gelegen, die er ohnehin für gesichert hielt, als an seiner wahrhaft freiheitlichen, auf einen Ausgleich der Klassengegensätze gerichteten sozial-gerechten Ausgestaltung. Die Befürchtungen, die er in dieser Beziehung hegte, hat er mir gegenüber schon 1920 und auch späterhin wiederholt ausgesprochen. Schon vor dem Kriege hatte Haas der Völkerverständigung auf dem Wege der internationalen interparlamentarischen Union seine Aufmerksamkeit zugewandt. Nach dem Versailler Frieden schien ihm die Wiederaufnahme dieser Beziehungen im Interesse des Vaterlandes erst recht geboten und so hat er auch dieser Ausgabe als wahrhafter Patriot sich nicht ohne Erfolg hingegeben. Dabei verlor er keinen Augenblick das Ziel aus dem Auge, die Ungerechtigkeiten und Härten des Friedensvertrages durch geduldige, zähe Arbeit, Schritt für Schritt, zu beseitigen. Wie sehr er von diesem Ziele erfüllt war, hat er mir einst in viel-' ständigem Nachtgespräch bald nach Abschluß des Versailler Friedens gezeigt. Die Verdienste wie die Vornehmheit des Wesens des Politikers Ludwig Haas fanden auch ihren Ausdruck darin, daß er seit fast zwei Jahren den Vorsitz der demokratischen Reichstagsfraktion führte. — Sein Hinscheiden im Augenblick der Parteiumbildung wird sicher von vielen beklagt werden. Im Dienste des deutschen Volkes, dem seine Lebensarbeit galt, hat Ludwig Haas sich verzehrt. Wenn wir, seine Bundesbrüder und Freunde, seinen allzufrühen Heimgang doppelt beklagen, so gilt unsere Treue dem Manne, der als geschlossener Charakter sein Leben allezeit dem Kamps für das Recht weihte. Wie er einst mit uns zusammen als Jüngling für das gute Recht und die Ehre der deutschen Juden stritt, so galt auch sein Wirken in der großen deutschen und internationalen Politik der Idee des Rechtes und der Gerechtigkeit. Daß er dabei im zeitlichen Ablauf der Ereignisse noch manche Enttäuschungen erleben mußte, hat ihn tief geschmerzt, aber nie entmutigt. Unsere Trauer gilt aber auch dem Manne der Treue, der anders als manch anderer, in der großen Welt zu Ansehen und Ehren ge-, langte, seiner Iugendfteunde und seiner Verpflichtung seiner Glaubensgemeinschaft gegenüber niemals vergaß. Mochte man den mit Arbeit überhäuften und Gehetzten um Hilfe und Mitarbeit angehen, wann man wollte, ob es galt einer Kundgebung des K. C. oder einer Haupt-